Von Frank Brandmaier
Heißt die Rettung der Strände an der US-Golfküste «A Whale»? Das Konzept des umgebauten Tankers klingt vielversprechend. Aber selbst die Eignerfirma TMT ist mit Prognosen zurückhaltend.» Ein erster Testlauf erwies sich als Pleite.
Glaubt man der Eigenwerbung, ist es die Zauberlösung: «Wie ein Rasenmäher» soll der Supertanker «A Whale» («Ein Wal») durch den ölverseuchten Golf von Mexiko pflügen, beschrieb der Vorstandschef der taiwanesischen Eignerfirma TMT, Nobu Su, den Job seines Mega-Schiffs. Bis zu 80 Millionen Liter der schmierigen Brühe soll er aufsaugen und den Küstengemeinden von Louisiana bis Florida Hoffnung geben, dass ihre Strände dann doch nicht vollends ruiniert werden. Aber nicht alle sind überzeugt.
Von einem «Weißen Elefanten» - einer überdimensionierten Schauveranstaltung - redet man bereits in den USA. Zu oft schon wurden im Drama um die Ölpest an der US-Küste die Hoffnungen enttäuscht. Ein erster Testlauf erwies sich schon einmal als Pleite: Am Montag musste TMT einräumen, dass schwere See während des Wochenendes schlüssige Ergebnisse zunichte gemacht habe. Man brauche mehr Zeit, um den gigantischen Schlürfer auszuprobieren.
Das Prinzip ist eigentlich einfache Mechanik: Durch zwölf Öffnungen am Bug soll die Öl-Brühe in den Bauch des Riesen gesaugt werden. Das gesäuberte Wasser geht zurück in den Ozean, das abgetrennte Öl läuft in die Tanks. Von der «besten Lösung für die Ölpest-Krise im Golf von Mexiko» spricht das Werbematerial. Kein Zweifel: Die Katastrophe weckt auch Goldgräberstimmung.
Große Hoffnung, aber viele Unbekannte
«Das ist im Prinzip kein schlechtes Konzept, aber ich weiß nicht, wie es in dieser Situation viel ausrichten kann», sagte Dennis Bryant, früherer Küstenwacht-Offizier, dem US-Fernsehsender MSNBC. «Im Golf, wo das Öl über eine große Fläche verteilt ist, sehe ich den großen Nutzen nicht.» Die Hoffnung ist groß, aber es gibt viele Unbekannte: Vor dem Test an Ort und Stelle wusste selbst die Eignerfirma nicht, wie und ob der «Wal» den Erwartungen entsprechen wird.
US-Medien schließen auch nicht aus, dass der Umbau des Supertankers zum Super-Schlürfer und sein Einsatz im Golf von Mexiko eine willkommene Geschäftsgelegenheit ist. «A Whale» sei der erste von acht bestellten, für Öl- und Erztransporte vorgesehenen Frachtern gewesen. «Wenn es eine richtige Aufgabe für das Schiff gegeben hätte - hätte der Eigner es umbauen lassen?», meint Bryant.
Andere vermuten gar eine PR-Kampagne für das neue Schiff. «Er mag diese mysteriöse Aura und den Ruf, einflussreich zu sein», sagte Marktanalystin Michelle Wiese Bockmann über Eigner Su, der 51 Prozent von TMT hält. «Wenn er PR will, bekommt er sie auch.»
«Durch all die Wirtschafts-Zyklen war er ein ziemlich geschickter Schifffahrts-Investor», sagt Scott Burk, Marktanalyst für die US-Investmentfirma Oppenheimer&Co. «Ich würde vermuten, er sah eine gute Gelegenheit, Profit aus dem Kampf gegen die Ölpest zu schlagen.» Der «Wal» mache nur drei Prozent der Konzernflotte aus. Das Schiff anderweitig einzusetzen, sei kein allzugroßes Risiko.
sck/ivb/news.de/dpa