Sa., 26.05.12

Sanitäter im Stress 02.07.2010 Hitzealarm im Rettungswagen

Rettungswagen (Foto)
Bei Temperaturen auf Rekordniveau kann es um Leben und Tod gehen. Bild: dpa

Von Jürgen Ruf

Wenn die Temperaturen auf Rekordniveau klettern, herrscht beim Rettungsdienst Hochbetrieb. Die Hitze wird zum Gesundheitsrisiko. Und die Retter haben keine Zeit, sich abzukühlen.

Der Alarmempfänger schrillt. Darja Springer und Henning Behrens, die beiden Rettungsassistenten des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Freiburg, müssen zu einem Notfalleinsatz ausrücken. Bei Hitze haben Notfallretter besonders viel zu tun. Denn brennt die Sonne, machen viele Menschen schlapp. Temperaturen auf Rekordniveau sind ein hohes Gesundheitsrisiko. Es kann um Leben und Tod gehen.

«Das Wetter ist in diesen Tagen unser Hauptauftraggeber», sagt der 32 Jahre alte Behrens, der am Freitag im Dauereinsatz ist. Mit Blaulicht und Martinhorn bahnt sich der Rettungswagen 1-83-2 einen Weg durch den dichten Verkehr. Notruf aus einer Schule: Ein 13-jähriges Mädchen ist im Unterricht zusammengebrochen. Es hat zu wenig getrunken, wie sich später herausstellt. Das Mädchen muss ins Krankenhaus.

Es ist einer der zahlreichen Hitzeeinsätze an diesem Tag: In einem Freibad wird eine Frau ohnmächtig und muss von den Rettern versorgt werden, in der Innenstadt hält ein Tourist der Hitze nicht mehr stand, ebenso eine Seniorin in einem Altenheim.

«Oft haben die Leute zu wenig getrunken»

«Die gesundheitlichen Gefahren der Hitze werden oft unterschätzt. Wir haben an heißen Tagen alle Hände voll zu tun», sagt Behrens. Schwächeanfälle, Herz- und Kreislaufprobleme sowie Atemnot sind an heißen Tagen an der Tagesordnung.

«Oft haben die Leute zu wenig getrunken. Oder waren leichtsinnig, weil sie sich ungeschützt in die Sonne gelegt haben und dabei möglicherweise noch Alkohol getrunken haben», sagt Behrens Kollegin, die 23 Jahre alte Darja Springer. «Ich habe doch Kaffee getrunken», sagt ein älterer Mann, der auf die Hilfe angewiesen ist. Doch gerade das war ein Fehler: Kaffee trocknet den Köper eher aus, als dass er Flüssigkeit zuführt.

«Wasser ist am besten», sagt Springer. Alkohol sollte zum Durstlöschen völlig tabu sein. Denn die berauschende Wirkung verstärkt sich bei hohen Temperaturen noch und belastet den Körper.

Besonders gefährlich wird die Hitze für ältere Menschen. «Im Alter steigt die Anfälligkeit für Störungen im Flüssigkeitshaushalt. Ein Grund ist unter anderem das sinkende Durstgefühl, oft wird das Trinken einfach vergessen», sagt Eva Marquardt, Leiterin des Pflegedienstes der Johanniter-Unfall-Hilfe in Freiburg. Daher sollten vor allem Senioren ihre tägliche Getränkemenge im Auge behalten, um gravierende Folgen unzureichender Flüssigkeitszufuhr zu vermeiden.

Symptome bei Wassermangel

«Die Symptome reichen von Kopfschmerzen und Schwächegefühl bis hin zu Muskelkrämpfen, Bewusstseinsstörungen und Veränderungen der Herzfrequenz», sagt Marquardt. Auch Bluthochdruck werde durch Flüssigkeitsmangel gefährlich verstärkt. «Fehlendes Wasser muss daher konsequent ersetzt werden, damit ein Mangel gar nicht erst entsteht.» Sonst könne der Wassermangel auch tödlich enden.

Viel zu tun hat bei Hitze auch die Polizei. «Durch die extrem hohen Temperaturen steigen die Aggressionen, es geht allgemein hitziger zu», sagt der Freiburger Polizeisprecher Ulrich Brecht.

ped/news.de/dpa
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