Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier
Vor einem Jahr wurde Marwa El-Sherbini erstochen. Mitten im Gerichtssaal, von dem Mann, der angeklagt war, weil er die ägyptische Mutter beschimpft hatte. News.de spricht mit Christian Demuth von Bürger.Courage darüber, was sich in Dresden seit dem Mord verändert hat.
Herr Demuth, vor einem Jahr ist Marwa El-Sherbini ermordet worden. Zunächst hat die deutsche Öffentlichkeit gar nicht richtig verstanden, was da passiert war, spätestens durch die vehementen Proteste in der arabischen Welt wurde sie aber aufgerüttelt. Hat sich etwas verändert seitdem in Dresden?
Demuth: Es ist ganz bitter, dass erst ein Mord passieren musste, damit die Entscheidungsträger in Dresden, die sehr oft weggeguckt haben, jetzt gegenüber rechtsextremen Vorfällen sensibler sind und stärker aktiv etwas dagegen tun. Aber so bitter es ist, wir denken schon, dass die Menschenkette und die Blockade gegen den geplanten Naziaufmarsch am 13. Februar gelungen sind, weil Bürger, die Oberbürgermeisterin und auch die Kirche aufgewacht sind.
Sind Sie zufrieden mit der Reaktion der Dresdner Politiker?
Demuth: Die Oberbürgermeisterin hat sich total reingehängt, es gab im letzten halben Jahr unfassbare Lernprozesse bei vielen Menschen, wenn die weitergehen... Aber man darf nicht alles schönreden, denn es ist nicht alles in Ordnung. Den Widerstand sehe ich noch als sehr fragil an, deshalb ist es wichtig, dass weiter betont wird, dass wir ein Problem haben.
Haben Sie den Eindruck, dass der Aktionismus nach dem Schock eine grundsätzliche Entwicklung in Gang gesetzt hat - oder ist es nur ein Strohfeuer?
Demuth: Ich glaube, die Sorge ist echt, wobei bei manchem Institut sicher auch ökonomische und Imagegründe eine Rolle spielen. Die Demonstrationen in Ägypten zum Beispiel haben beim Max Planck Institut Angst ausgelöst, dass der internationale Forschungsstandort Dresden in Gefahr gerät. Ich möchte aber nicht unterstellen, dass nur ökonomische Gesichtspunkte vorherrschen. Das Handeln in den letzten Monaten verdient Anerkennung, wir wissen aber noch nicht, ob es Routinen geworden sind oder Eintagsfliegen. Das werden wir weiter kritisch beobachten.
Abgesehen von dem Einsatz gegen Rechts am 13. Februar: Wie machen sich die Veränderungen in Dresden bemerkbar?
Demuth: Es gibt zwar auf der einen Seite eine klare Front gegen Rechtsextremismus, die Sensibilität ist gestiegen, aber für Migranten hat sich die Situation nicht eindeutig verbessert. Man unterscheidet weiterhin stark zwischen nützlichen und nicht-nützlichen Ausländern. Das Welcome-CenterUnter www.dresden-welcome.de informiert die Stadt ausländische Fachkräfte, die zum Arbeiten und Leben nach Dresden kommen über bürokratische Abläufe, gibt Empfehlungen zu Wohungssuche, medizinischer Betreuung, Kinderbetreuung, Studium und Freizeitgestaltung. ist zwar eine gute Sache, bestärkt aber gleichzeitig diese Debatte, ob man nur intelligente Ausländer ins Land lassen sollte. Und es gibt weiterhin ein Riesenproblem mit Alltagsrassismus. Wir haben nicht plötzlich eine tolerante Gesellschaft. Von dem Demokratie-Unverständnis sind auch Institutionen betroffen. Der Wachmann im Gericht hat zuerst auf den Ausländer geschossen, also auf Marwa El-Sherbinis Mann, das darf man auch nicht vergessen.
Alltagsrassismus ist natürlich auch am schwersten zu fassen.
Demuth: Ja, das zeigen wir ja auch in unserer Aktion 18 StichenBei dem Projekt "18 Stiche" will Bürger.Courage 18 große, aus Beton gegossene Messer an verschiedenen Orten der Stadt anbringen. Das erste Messer wird am 1. Juli, ein Jahr nach dem Mord an Marwa, vor dem Dresdner Landgericht aufgestellt. Die anderen 17 "Stiche" folgen in den kommenden drei Wochen. Die Messer stehen stellvertretend für die kleinen und großen ‚Stiche‘, die in Dresden Tag für Tag durch versteckten oder offenen Rassismus solche Menschen widerfahren, die offensichtlich ihre Wurzeln nicht in Deutschland haben, erklärt Bürger.Courage. Die 18 Betonmesser sollen in den kommenden drei Wochen den schleichenden, oft kaum wahrnehmbaren Alltagsrassismus versinnbildlichen. als Symbol, dass der Alltagsrassismus präsent ist. Die Ursache für den Mord war schließlich auch eine rassistische Beschimpfung auf einem Kinderspielplatz. Bitter ist, dass dort eigentlich alles funktioniert hat. Passanten haben eingegriffen, die Polizei hat den Sachverhalt aufgenommen.
Wie kann man diesem Alltagsrassismus überhaupt begegnen?
Demuth: Wir sind in Gesprächen mit dem Ausländerrat. Es geht zum Beispiel um die Art und Weise der Betreuung durch die Instututionen, wenn man sieht, wie da teilweise mit Migranten umgegangen wird. Auch um Einbeziehung von Migranten in politische Entscheidungsprozesse. Wir fordern ein Initiativprogramm, in dem die Stadt und das Land Sachsen nicht nur gegen Aktionsbereiten Rechtsextremismus vorgehen, sondern auch ein Sensibilisierungsprogramm innerhalb der Ämter durchführen.
Christian Demuth ist Vorsitzender der Dresdner Bürgerbewegung Bürger.Courage, die sich gegen Rassismus einsetzt - vom offenen Rechtsextremismus bis zum latenten Alltagsrassismus.
ped/news.de
Eine Form von Alltagsrassismus ist in meinen Augen, wenn sich der aus Westdeutschland zugereiste Herr Demuth aufschwingt, die Dresdner (als Ostdeutsche) mit 18 Betonklötzern zu disziplinieren. Und ist ihm jemals in den Sinn gekommen, das der aus Rußland Stammende bei einer Moslemin nicht zuerst an NPD, sondern an Beslan und Musicaltheater "Nord-Ost" denken wird?
jetzt antwortenKommentar meldenIm Faccebook gib t es eine Seite "Digitale Lichterkette gegen rassistische Migrantengewalt". Dort wird berichtet, wieviele Deutsche Opfer musl. Gewalt werden. Im Hamburg wurden mehrere Polizisten lebensgefährl./schwer verletzt - Schädel eingetreten etc. Lt. Statistik sind die meisten Opfer Deutsche und die Täter meistens Türken - seltsam. Spiegel-Artikel: Je gläubiger ein Moslem in Dtld. ist, desto gewalttätiger. Türkei: Kath. Bischof wurde wegen religiöser Eingebung von Moslem abgeschlachtet. Warum wurden keine türk. Flaggen verbrannt? OHNE Religionsfreiheit für Christen KEINE für Moslems.
jetzt antwortenKommentar meldenWieso wurde der Russe angeklagt? Vermummt mit Kopftuch und langen Mantel geht doch nur eine Fanatikerin. Ein Bekannter von mir hat das Kopftuch als die Hakenkreuzbinde des Islams bezeichnet. Weitere Fragen: Wer hat den Prozeß bezahlt? Was hat die gearbeitet? Wieviel Steuern hat sie gezahlt? Bekam sie auch Sozialleistungen auf meine Kosten? Vorbild USA: keine Geld für Ausländer.
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jetzt antwortenKommentar meldenIch frage mich, was hat der Mord an dieser Frau jetzt mit Rechtsextremismus zu tun und warum gibt es keine Gedenktafel für die vielen von Moslems als Scheißdeutsche gemesserten? Der Täter war ein Russe, der im übrigen geistig auch nicht ganz klar gewesen ist.
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