Von Petr Jerabek
Walter Mixa wollte sich als Opfer einer Intrige darstellen, doch die Deutsche Bischofskonferenz hat nun offiziell bestätigt, dass ihr Mitbruder Alkoholiker sei und angehende Priester belästigt habe. Jetzt schweigt Mixa.
Um den früheren Augsburger Bischof Walter Mixa wird es einsam. Während der 69-Jährige sich als Opfer einer Intrige liberaler Kirchenvertreter sieht, sind die deutschen Diözesanbischöfe am Dienstag mit einer gemeinsamen Mitteilung auf Distanz zu Mixa gegangen: Der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz bestätigte zum Abschluss seiner Sitzung im Würzburger Kloster Himmelspforten die schwerwiegenden Vorwürfe gegen ihn, die in den vergangenen Tagen von mehreren Medien verbreitet worden waren.
Eigentlich hatte der Fall Mixa gar nicht offiziell auf der Tagesordnung der zweitägigen Sitzung des Ständigen Rats gestanden, dem alle deutschen Diözesanbischöfe angehören. Zwar war es naheliegend, dass die Bischöfe sich dennoch mit dem Wirbel um ihren Mitbruder beschäftigen würden. Dass der Rat zum Abschluss seiner Tagung aber ausschließlich zum Fall Mixa Stellung nahm, spricht für sich - und zeigt, dass der 69-Jährige derzeit nicht auf die Unterstützung von Bischöfen im Kampf um seine Rehabilitierung setzen kann.
«Bei ihrer regulären Sitzung in Würzburg haben die deutschen Bischöfe in großer Betroffenheit über die Geschehnisse und offenen Fragen hinsichtlich ihres Mitbruders Walter Mixa gesprochen», hieß es in der Mitteilung. Zugleich bestätigten die Bischöfe, dass die in den vergangenen Tagen in Medien veröffentlichten Vorwürfe gegen Mixa bereits im April nach Rom weitergeleitet worden seien: «Papst Benedikt XVI. hat daraufhin gehandelt und das Rücktrittsgesuch von Bischof Mixa angenommen.»
Mehrere Zeitungen hatten über eine geheime Akte zum Fall Mixa berichtet, die dem Papst vor der Annahme des Rücktrittsgesuchs vorgelegen habe. In dem Dossier sei von Alkoholproblemen Mixas sowie der Belästigung von Priesteramtskandidaten die Rede.
Mixa selbst hatte sich vergangene Woche in einem aufsehenerregenden Interview noch als Opfer einer Intrige dargestellt. Dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, und dem Münchner Erzbischof Reinhard Marx warf er vor, mit einem haltlosen Missbrauchsvorwurf zum Papst geeilt zu sein und Benedikt XVI. damit «unter Zugzwang» gesetzt zu haben.
Zwar fiel die Mitteilung des Ständigen Rats deutlich diplomatischer aus als die erste Reaktion eines Sprechers der bayerischen Bischofskonferenz vergangene Woche: Dieser hatte auf Mixas Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik verwiesen und somit indirekt Zweifel an dessen geistigen Gesundheitszustand geschürt. Bei aller Diplomatie setzten die Bischöfe am Dienstag in Würzburg aber trotzdem ein klares Zeichen: Sie widersprachen Mixas Argumentation und stellten klar, dass der Papst angesichts anderer Vorwürfe Handlungsbedarf gesehen habe. Die geht der Ständige Rat auch gegen eine mögliche Legendenbildung um Mixa vor.
Zugleich drückten die Bischöfe aber auch ihr Mitgefühl mit Mixa aus. Im Vordergrund stehe jetzt die persönliche Zukunft des Mitbruders, versicherte der Ständige Rat: «Vor allem die bayerischen Bischöfe sind darüber mit ihm im Gespräch.»
Mixa selbst schweigt bislang zu den jüngsten Vorwürfen. Auch sein Anwalt Gerhard Decker war am Dienstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
iwi/news.de/ddp