Sa., 26.05.12

Unehelich 22.06.2010 Ostdeutsche Eltern pfeifen aufs Heiraten

Sorbische Vogelhochzeit (Foto)
Mehr als die Hälfte der ostdeutschen Kinder haben unverheiratete Eltern. Bild: ddp

Uneheliche Kinder sind in Ostdeutschland der Normalfall. 58 Prozent haben keine verheirateten Eltern. Das wird in Europa nur noch von Island und Estland getoppt. Gründe sind gesellschaftiche Normen, aber auch viele Kinderkrippen.

Weit mehr als die Hälfte aller Kinder aus Ostdeutschland haben eine unverheiratete Mutter. Mit einem Anteil von 57,8 Prozent nichtehelicher Kinder an allen Geborenen belegt damit Ostdeutschland einen Spitzenplatz in Europa, wie das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) auf Basis eines europaweiten Vergleichs mitteilte. Lediglich Island (64,1 Prozent) und Estland (59,1 Prozent) weisen eine noch höhere Nichtehelichenquote auf.

In Westdeutschland dagegen liegt die Quote den Angaben zufolge sogar unter dem europäischen Durchschnittswert von 31,2 Prozent. Hier wird nur jedes vierte Kind (25,8 Prozent) nichtehelich geboren, allerdings mit steigender Tendenz, denn seit der zweiten Hälfte der 1990er Jahre ist laut dem BiB ein Anstieg zu beobachten. Demnach ist es wahrscheinlich, dass es zu einer Annäherung der West- an die Ostsituation kommt - zumal die Entwicklung im Osten eher dem europäischen Trend entspricht als die im Westen.

Den Hauptgrund für die Ost-West-Unterschiede sieht Jürgen Dorbritz vom BiB in der gesellschaftlichen Akzeptanz: «Die nichteheliche Elternschaft ist in den neuen Bundesländern zur sozialen Normalität geworden.» Weil das Zusammenleben ohne Trauschein als Lebensform anerkannt sei, hätten sich Eheschließungen und Geburten zunehmend entkoppelt. Mit der Häufigkeit nichtehelicher Geburten habe sich auch deren Charakter verändert, hob Dorbritz weiter hervor: Seien Schwangerschaften bei nichtverheirateten Frauen früher meist ungeplant gewesen, entschieden sich heute viele ganz bewusst für den Nachwuchs außerhalb der Ehe.

Während der vergangenen 100 Jahre haben sich in Deutschland die Lebensformen enorm gewandelt und die Beziehungen der Generationen untereinander stark verändert. Laut dem BiB sind beispielsweise heute drei und mehr zusammenlebende Generationen eher selten: Im Jahr 2005 findet man diese Konstellation in nicht mal einem Prozent aller Haushalte in Deutschland. Aber auch über relativ kurze Zeitspannen lassen sich Veränderungen feststellen: So sank der Anteil von Personen, die einer ehelichen Familienform angehören, zwischen 1996 und 2005 um 13 Prozent. Im Gegenzug ist ein starker Anstieg nichtehelicher Lebensformen, mit und ohne Kinder, zu beobachten.

Im europäischen Kontext offenbaren sich laut BiB weitere regionale Differenzen: So haben die Staaten in Nord- und Westeuropa tendenziell hohe Nichtehelichenquoten, während in Süd- und Osteuropa die niedrigsten Werte auftreten. Als Gründe für diese Entwicklung nannte das Institut die Versorgung mit Kinderbetreuungseinrichtungen, rechtliche Rahmenbedingungen sowie religiöse und gesellschaftliche Normen.

iwi/reu/news.de/ap
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