Sa., 26.05.12

Wölfe in Deutschland 22.06.2010 Die wilden Jäger sind zurück

Wölfe (Foto)
Nachdem sie über mehr als hundert Jahre lang in Deutschland ausgerottet waren, vermehren sich die Wölfe nun wieder. Bild: dpa

Von news.de- Redakteurin Kristina Schmidl

Mehr als hundert Jahre lang waren sie in Deutschland ausgerottet, jetzt vermehren sich die Wölfe wieder. Doch ihr Image bleibt negativ - und das ganz zu Unrecht. In Dörverdern öffnet nun ein Wolfscenter, um dies der Bevölkerung klar zu machen.

Allmählich kehren die Wölfe nach Deutschland zurück und vermehren sich sogar. Natur- und Tierschützer freuen sich darüber, andere Teile der Bevölkerung weniger. Sie fürchten sich. Dabei sind Wölfe in der Regel völlig ungefährlich. Der Bevölkerung das zu erklären, ist das Ansinnen der sächsischen «Wolfsregion Lausitz» und des niedersächsischen «Wolfcenters Dörverden», das nun offiziell eröffnet wird.

Im 18. und 19. Jahrhundert sei im heutigen Deutschland jeder Wolf, der sich dem Menschen gezeigt habe, erschossen worden, sagt Forstwirtin Jana Schellenberg vom Kontaktbüro «Wolfsregion Lausitz» in Rietschen. Der Mensch habe sich von dem Wildtier in seiner Existenz bedroht gefühlt, denn Wolf und Mensch konkurrierten um Nahrung. Schließlich ernähre sich der Wolf von Pflanzen fressenden Huftieren wie Rehen, Hirschen und Wildschweinen, die damals auch wichtige Nahrungsquellen für den Menschen waren, erklärt Schellenberg.

Auch, dass er immer wieder Nutztiere gerissen habe, sei dem Wolf in Deutschland zum Verhängnis geworden. Außerdem hätten ihn die Menschen als Überträger der Tollwut gefürchtet. Das Todesurteil für den Wolf. Schon 1850 habe es kein einziges Wolfsrudel mehr in Deutschland gegeben, und der letzte Wolf sei 1904 in der Lausitz geschossen worden, erzählt die junge Wolfsexpertin.

Erste Wolfsfamilie nach 150 Jahren

Allmählich wurde der Wolf den Deutschen fremd - und die Angst damit noch größer. Daher habe man alle Wölfe, die nach 1945 aus Polen in die damalige DDR gekommen seien, erschossen. «Dabei sind Wildschweine weit gefährlicher», betont Schellenberg. Erst vor 20 Jahren war Schluss mit der Jagd auf den Wolf. Doch obwohl er 1990 unter Schutz gestellt wurde, seien von 1991 bis 1994 noch mindestens fünf Wölfe illegal geschossen worden. 1996 dann gab es ein erstes Erfolgserlebnis für die Freunde der Wölfe: Einem aus Polen zugewanderten Tier gelang eswie d, in der Lausitz sesshaft zu werden, wie die Forstwirtin erzählt. 1998 habe sich ein zweites Tier dazu gesellt und zwei Jahre später hätten die beiden nach 150 Jahren wieder die erste neue Wolfsfamilie in Deutschland gegründet.

Mittlerweile gebe es allein in der sächsischen Lausitz - dem Gebiet mit dem größten Wolfsbestand in Deutschland - fünf Wolfsfamilien, das heißt 25 bis 50 Tiere. Außerdem seien auch in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen und Bayern wieder Wölfe heimisch. Gerade in der Lausitz fänden die Tiere optimale Lebensbedingungen. Sie leben auf Truppenübungsplätzen und in Tagebaugebieten. Dass Wölfe nur in der Wildnis leben könnten, sei ein Vorurteil, betont Jana Schellenberg. Sie fühlten sich durchaus auch in Kulturlandschaften wohl, sofern sie ausreichend Rückzugsraum und Beutetiere hätten.

Das falsche Bild vom Wolf

Als sich die ersten Wölfe in der Lausitz ansiedelten, hätten auch dort die Menschen ängstlich reagiert, erinnert sich die Forstwirtin. Weil sie ein falsches Bild vom Wolf hatten. «Durch Geschichten wie Rotkäppchen wird uns von klein auf anerzogen, dass der Wolf ein Bösewicht ist.» Dem sei nur mit Öffentlichkeitsarbeit entgegen zu wirken, wie sie beispielsweise vom Kontaktbüro «Wolfsregion Lausitz» betrieben wird und im «Wolfcenter Dörverden» geplant ist. Die «Wolfregion Lausitz» bietet Exkursionen und Vorträge rund ums Thema Wolf an und organisiert für Schul- und Vorschulgruppen Wolfsprojekttage. Im «Wolfcenter Dörverden» können sich Interessierte in einer Ausstellung über Wölfe informieren oder an Seminaren teilnehmen.

Mittlerweile fürchten sich viele Lausitzer laut Jana Schellenberg nicht mehr vor dem Wolf. Einerseits seien sie nun gut informiert, anderseits hätten sie in all den Jahren, in denen sie nun schon mit den Wölfen lebten, keine negativen Erfahrungen gemacht. Denn im Normalfall gingen Wölfe Menschen aus dem Weg. «Sobald sie Menschen hören oder riechen, nehmen sie Reißaus», erklärt Jana Schellenberg. «Der Mensch gehört nicht zu ihrer Beute. Die Befürchtung, dass ein Wolf aus Hunger einen Menschen anfällt, ist daher unbegründet.»

In Ausnahmefällen ist Vorsicht geboten

In Sondersituationen könnten Wölfe allerdings durchaus gefährlich werden. Etwa, wenn sie sich bedroht fühlten. «Wer zum Beispiel einen angefahrenen Wolf auf der Straße findet, sollte fachkundige Hilfe herbeirufen, selbst aber lieber Abstand halten, sonst könnte das Tier zuschnappen», warnt die junge Frau. Auch tollwütige Wölfe seien unberechenbar. Allerdings sei die Wahrscheinlichkeit, dass ein Wolf in Deutschland an dieser Krankheit leide, gering.

Gefährlich werden könnten Wölfe auch, wenn sie über längere Zeit von Menschen gefüttert worden seien. «Wenn sie gelernt haben, dass sie von Menschen etwas zu Fressen bekommen, kann es passieren, dass sie ihr Futter regelrecht einfordern und aggressiv werden.»

Wer meine, Wölfe ließen sich wie Hunde zähmen, liege falsch. Das funktioniere nur bis zu einem gewissen Grad. Etwa, wenn ein Pfleger die Tiere mit der Flasche aufgezogen habe und sie als Welpen im Haus gehalten hätte. Das sei jedoch eine Ausnahme, betont die Forstwirtin. Privatleuten sei es hierzulande verboten, einen Wolf wie einen Hund zu halten. Aus gutem Grund, findet Jana Schellenberg: «Ein Hund ist ein Haustier, ein Wolf ein Wildtier. Der Hund ist seit Jahrhunderten an das Zusammenleben mit Menschen gewöhnt, der Wolf nicht.»

iwi/news.de
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