Sa., 26.05.12

Nach neuen Vorwürfen 21.06.2010 Mixa mischt die Kirche auf

"Focus": Papst veranlasste Druck auf Bischof Mixa (Foto)
Walter Mixa polarisiert im Bistum Augsburg. Bild: ddp

Von Petr Jerabek

Das Bistum Augsburg will Walter Mixa loswerden. Er soll gehen, damit endlich Ruhe einkehrt, fordert die Diözese. Denn der Streit zwischen den Fans und Gegnern des Bischofs nimmt überhand. Vor allem nach den neuen Anschuldigungen.

Die Vorwürfe gegen den früheren Augsburger Bischof Walter Mixa lassen die Kirche in Deutschland nicht zur Ruhe kommen. Nach den jüngsten Berichten über ein geheimes Dossier mit schwerwiegenden Anschuldigungen gegen den 69-Jährigen drängt der Augsburger Diözesanrat der Katholiken auf einen raschen Abschied Mixas aus dem Bistum. Mixas Anwalt Gerhard Decker dagegen zweifelte die Berichte an und forderte die Offenlegung der Quellen.

Der Vorsitzende des Augsburger Diözesanrats, Helmut Mangold, betonte, Mixa müsse das Bistum verlassen, damit «endlich Ruhe eintritt». Alternativ könne sich der Bischof aber auch innerhalb der Diözese «in eine sehr ruhige Umgebung zurückziehen». In erster Linie sei eine Zurückhaltung Mixas nötig.

Der Wirbel um Mixa schade dem Bistum, «weil so viele Leute zu seinen Fans zählen», betonte Mangold. «Unser Problem ist nicht der Bischof selber, sondern die Streitereien zwischen Gegnern und Befürwortern.» Diese seien dermaßen eskaliert, «dass es kaum mehr erträglich ist». Mangold sagte, er habe den Eindruck, dass Mixas Anhänger meinten, derzeit beginne ein großer Kampf gegen die katholische Kirche, die es zu schützen gelte. «Sie fühlen sich wie Kreuzritter», sagte er. Der Fall Mixa schade dabei nicht nur der Diözese Augsburg, sondern der Kirche in Deutschland insgesamt.

Nach der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung berichteten heute auch weitere Medien über eine Akte zum Fall Mixa, die dem Papst vor der Annahme des Rücktrittsgesuchs vorgelegen habe. In dem Dossier sei von Alkoholproblemen Mixas sowie der Belästigung von Priesteramtskandidaten die Rede. Diese Akte sei der Grund dafür gewesen, dass Benedikt XVI. am 8. Mai das Rücktrittsgesuch des Bischofs angenommen habe.

Dagegen berichtete das katholische Nachrichtenportal Kath.Net unter Berufung auf Vatikankreise, das angebliche Dossier habe in Rom keine Rolle gespielt. In der vatikanischen Bischofskongregation, die sich mit dem Fall Mixa befasst habe, wisse man überhaupt nichts von der Akte. Der Apostolische Nuntius in Deutschland, Jean-Claude Périsset, wollte die Spekulationen nicht kommentieren: »Der Nuntius gibt weder Bestätigungen noch Dementi über Zeitungsnachrichten seines Handelns«, zitierte Kath.Net.

«Feuer frei auf Dr. Mixa»

Rechtsanwalt Decker kritisierte die Berichterstattung über seinen Mandanten: «Ich habe das Gefühl, dass momentan das Kommando gilt: Feuer frei auf Dr. Mixa.» Dass Teile der Presse Zugang zum Archiv des Vatikans oder des päpstlichen Nuntius hätten, halte er für eher unwahrscheinlich, sagte er dem Bayerischen Rundfunk.

Schon im Fall des Missbrauchsverdachts habe er die Erfahrung gemacht, «dass hier völlig nebulöse Quellen zitiert werden, die sich dann hinterher als Luftblase» herausstellten. Decker verlangte, die Anschuldigungen zu belegen: «Wir wollen jetzt mal konkret wissen: Wer behauptet was, über welches Ereignis, das sich wann ereignet hat? Und dann werden wir dazu auch konkret Stellung nehmen.»

Der Fall Mixa dürfte auch am Rande der zweitägigen Beratungen des Ständigen Rats der Deutschen Bischofskonferenz im Würzburger Kloster Himmelspforten eine Rolle spielen - auch wenn das Thema nach Angaben eines Sprechers nicht offiziell auf der Tagesordnung steht. Allerdings wollten die Bischöfe am Abend über den Umgang mit dem Thema Missbrauch beraten. Insbesondere sollte es um die Fortschreibung der entsprechenden Leitlinien der Bischofskonferenz gehen, die der Beauftragte für Missbrauchsfälle, Bischof Stephan Ackermann, zusammen mit Experten ausgearbeitet hatte. Sie sollen noch im Sommer verabschiedet werden.

iwi/news.de/ddp
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