Sa., 26.05.12

Vorschläge für BP 18.06.2010 Einen Stöpsel für das Bohrloch

Jetzt werden auch für BP Alpträume wahr (Foto)
In bunten Schlieren zieht sich der Ölteppich durch den Golf von Mexiko. Das müsste nicht mehr sein, sagt ein deutscher Tüftler. Bild: dpa

Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert

Das Öl sprudelt in den Golf von Mexiko. 9,5 Millionen Liter am Tag. Seit acht Wochen. Weder eine haushohe Kuppel noch der Beschuss mit Golfbällen konnten es stoppen. Trotzdem sei BP taub für seine Vorschläge, beschwert sich ein deutscher Tüftler.

«Das scheiß Loch hätte schon zum Monatsbeginn zu sein können», sagt Klaus Scharmberg. Er schäumt. Der bärige Mann von der Ostseehalbinsel Fischland-Darß-Zingst war Anfang Juni besonders sauer auf BP. «Da sägen die dieses Steigrohr ab», schimpft er. «Das ist wie bei einem Gartenschlauch: Wenn der vorn ausgefranst ist, kommt nicht so viel Wasser raus. Sägen sie ihn aber sauber ab, erhöht sich der Druck.» Plötzlich strömte noch mehr Öl ins Meer. Dabei hatte Scharmberg BP schon im April seine Idee geschickt, wie das Ölleck zu schließen sei.

Scharmberg hat BP vorgeschlagen, die lecke Steigleitung mit einer gummierten Stahllasche auszukleiden. Dann könne von oben per Hydraulik ein Pfropfen aus Spezialgummi aufgeschoben werden und das Rohr wäre dicht. «Das ist wie beim Stöpsel im Waschbecken», sagt er und hat auf alle Fragen eine Antwort. Der Wasserdruck in 1500 Metern Tiefe? «Hydraulische Anlagen können einen Druck von 8000 bis 10.000 Bar erzeugen. Dort unten herrschen höchstens 1800 Bar.» Und der Öldruck? Würde das ausströmende Öl den Pfropfen nicht nach oben drücken? «Es gibt Löcher in der Rohrwand, über die das Öl während der Installation entweichen kann.» Er hat also an alles gedacht? «Natürlich.»

Fast 100.000 Vorschläge weltweit

Scharmberg sagt das mit dem Selbstbewusstsein eines Klempners, der 28 Jahre Berufserfahrung hat und acht Jahre in einem Heizkraftwerk arbeitete. «Mit Druck kenne ich mich aus», sagt Scharmberg, der inzwischen arbeitslos ist. Für die Entwicklung seiner Idee hat er nach eigener Aussage drei Tage gebraucht. Jetzt wartet er. Auf eine Antwort von BP.

Der Ölkonzern fordert sogar aktiv auf, Vorschläge zur Bekämpfung der Ölpest zu machen. Fast 100.000 Ingenieure und Bastler haben das weltweit schon getan. «Die müssen doch da irgendwo Rechner rumstehen haben, mit denen sie die vielen Vorschläge prüfen und durchrechnen können», sagt Scharmberg, der noch keine Eingangsbestätigung für seinen Vorschlag von BP hat.

Diese Rechner, die hat BP, sagt Detlef Brandenburg, Sprecher des Konzern in Deutschland. «In den USA kümmert sich ein 100-köpfiges Team um die Ideen.» Allein in der Bochumer Niederlassung gingen im Schnitt täglich 100 Vorschläge aus Deutschland ein. «Wir nehmen sie alle ernst», versichert Brandenburg. Das könne man ja daran sehen, dass Kevin Costner nun 32 Maschinen an den Konzern liefert, die das verseuchte Wasser im Golf von Mexiko vom Öl befreien sollen. Dass Costner womöglich einen Promi-Bonus haben könnte, weist Brandenburger zurück. «BP wird sich ganz sicher nicht gegen Vorschläge sperren.»

Genau das aber wirft Scharmberg dem Öl-Multi vor. Der Klempner hat am Anfang sogar einen Anwalt mit seinem Vorschlag zu BP geschickt, damit die Manager ihn ernst nehmen. «Wenn man in Bochum anruft, leiten die einen in die USA weiter und da ist dann ein großes schwarzes Loch.» In die Washington Post oder die New York Times will er deshalb, um endlich gehört zu werden.

iwe/news.de
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