Von news.de-Redakteurin Kristina Schmidl
Die Wirtschaftskrise hat sich Experten zufolge auf den Wohnungsmarkt kaum ausgewirkt. Die Nachfrage nach Eigentum ist nicht gestiegen. Schließlich kann Mietwohnen richtig günstig sein. Außer, man lebt in einer westdeutschen Großstadt.
Viele Deutsche - gerade junge Familien - träumen vom Eigenheim. Dennoch lebt die Hälfte der Bundesbürger in Mietwohnungen. Trotz der Krise und dem damit verbundenen Streben nach Beständigkeit in den eigenen vier Wänden sei die Nachfrage nach Wohnimmobilien nicht gestiegen, sagt Ulrich Ropertz, Pressesprecher des Deutschen Mieterbunds. Schließlich fälle man die Entscheidung, ins Eigenheim zu investieren, eher langfristig.
Außerdem können Mieten in Deutschland richtig günstig sein - vorausgesetzt, man lebt im strukturschwachen Osten, wo es sogar in Großstädten wie Leipzig viel Leerstand gibt. «Denn genau wie die Preise für Bier oder Schnitzel entstehen auch die Mietpreise frei nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage», erklärt Ropertz. Es gebe keine gesetzliche Regelung, die festlegt, zu welchem Preis vermietet werden dürfe. Einzig und allein der Vermieter lege den Preis fest. Und wo die Nachfrage nach Mietwohnungen höher sei - insbesondere in westdeutschen Großstädten - könnten die Vermieter mehr verlangen als in Gegenden und Städten, aus denen alle wegzögen, weil es dort keine Arbeit mehr gebe.
Das ist zum Beispiel im oberfänkischen Hof der Fall: Laut Bernd Leutner, Geschäftsführer der Hamburger Firma F und B zur Forschung und Beratung für Wohnen und Immobilien, ist das die Stadt mit den günstigsten Mieten in ganz Deutschland. Das gehe aus Berechnungen der Marktmiete in den 500 größten deutschen Städten hervor, die B und F regelmäßig durchführe. Hof stehe am Ende dieser Liste, München mit Abstand ganz vorne. In der bayerischen Landeshauptstadt seien derzeit 11,14 Euro pro Quadratmeter für eine normal ausgestattete Durchschnittswohnung zwischen 50 und 80 Quadratmetern üblich. In Hof hingegen zahle man lediglich 3,87 Euro pro Quadratmeter.
Mietpreis nur bei Vertragsabschluss frei vereinbar
Bei Vertragsabschluss festgelegt sind Mieten gemäß Ropertz nur bei Sozialwohnungen. Die allerdings machten nur noch zehn Prozent des deutschen Mietwohnungsbestandes aus. Ihren Höhepunkt hätten sie vom Zweiten Weltkrieg bis in die 1970er Jahre gehabt.
Bei allen anderen Mietwohnungen ergebe sich der Mietpreis bei Vertragsabschlus aus den Gesetzen von Angebot und Nachfrage; er könne also frei vereinbart werden. Sei der Vertrag allerdings einmal abgeschlossen, dürfe der Vermieter den Preis nicht beliebig erhöhen, sondern sei an bestimmte Spielregeln gebunden. Dazu gebe es den Mietspiegel. «Nach Vertragsabschluss kann der Vermieter die Miete nur auf das ortsübliche Vergleichsmietenniveau anheben, das der Mietspiegel wiedergibt», erklärt Ropertz.
Der Mietspiegel beschreibe die Situation am örtlichen Wohnungsmarkt für einzelne Wohnungstypen – unterteilt etwa nach Baujahr oder Lage. Im Laufe des Mietverhältnisses dürfe der Mietzins nicht über das Vergleichsmietenniveau klettern.
Doch mit dem Thema Mieten müssen sich die Deutschen nicht überall gleichermaßen beschäftigen. Am wenigsten in niedersächsischen und bayerischen Dörfern, wo es laut Ropertz den größten Anteil an Eigentumswohnungen gibt. Auf dem Land lebten deutlich weniger Menschen zur Miete als in der Stadt. Zur Miete zu wohnen sei typisch für Städter, insbesondere für Großstädter.
Die Stadt mit dem höchsten Mieteranteil sei Berlin. Roperts schätzt, dass 88 Prozent aller Haushalte in der Hauptstadt Miete zahlen. In anderen deutsche Großstädten wie Hamburg oder Köln wohnten zwei Drittel bis drei Viertel der Einwohner zur Miete. «Das liegt daran, dass auf dem relativ knappen Raum, auf dem Menschen in Großstädten leben, nicht überall Einfamilienhäuser stehen können», erklärt der Pressesprecher des Deutschen Mieterbunds.
ham/reu/news.de