Das Priesterjahr geht zu Ende, und es war kein gutes. Das weiß auch Papst Benedikt XVI.: Vor 15.000 Menschen auf dem Petersplatz in Rom bat er die Opfer von Missbrauch in der katholischen Kirche um Vergebung.
«Auch wir bitten Gott und die betroffenen Menschen inständig um Vergebung und versprechen zugleich, dass wir alles tun wollen, um solchen Missbrauch nicht wieder vorkommen zu lassen», sagte der Papst zum Ende des Priesterjahres bei einer abschließenden Messe vor rund 15.000 Priestern auf dem Petersplatz.
Den Skandal nannte er einen Ruf nach einer Reinigung der Kirche. Er kündigte an, junge Männer vor der Aufnahme des Priesterberufs künftig genauer zu überprüfen. «Wir werden tun, was wir können, um die Echtheit ihrer Berufung zu prüfen, und uns bemühen, die Priester auf ihrer Reise zu begleiten», sagte der Papst.
Gleichzeitig trat Benedikt den Geistlichen zur Seite. Das Priestertum sei «nicht einfach ‹Amt›, sondern Sakrament». Mit dem Priester bediene sich Gott «eines armseligen Menschen», um «durch alle menschliche Schwachheit hindurch seine Liebe in dieser Welt praktisch werden» zu lassen, sagte der Papst. Dass ausgerechnet das Jahr des Priesters von den Skandalen überschattet wurde, wolle die Kirche als «Auftrag zur Reinigung, der uns in die Zukunft begleitet», verstehen.
Bei einer Gebetswache hatte der Papst am Vorabend das durch die Missbrauchsskandale unter Beschuss geratene Eheverbot für katholische Priester (Zölibat) verteidigt. Die heutige Gesellschaft würde den Zölibat als «großen Skandal» empfinden. Er sei hingegen das «beste Gegenmittel gegen andere Skandale, die durch unsre menschlichen Unzulänglichkeiten verursacht werden», so Benedikt.
Angesichts der schweren Missbrauchsskandale in kirchlichen Einrichtungen war der Zölibat in den vergangenen Monaten nicht zuletzt auch in Deutschland aufs Neue heftig diskutiert worden. Neben anderen hatte sich vor kurzem auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, für eine Lockerung des Zölibats ausgesprochen.
Nachdem Hunderte Missbrauchsfälle aufgedeckt worden waren, hatte der Vatikan auf die Vorwürfe nur zögerlich reagiert. Nach anfänglichem Schweigen hatte Benedikt im April auf Malta und dann im Mai auf dem Weg zu einem Besuch in Portugal eingeräumt, dass «die Sünde in der Kirche selbst existiert». Aus den Reihen des Vatikans hatte es zunächst geheißen, die Medien und antikatholische Lobbygruppen seien für den Skandal verantwortlich.
Angesichts der Vorwürfe gegen die Kirche hat auch Benedikts Ansehen Schaden genommen. Er war in den 80er Jahren Erzbischof von München, als er eine Therapie für einen mutmaßlichen pädophilen Priester genehmigte. Der Mann durfte noch während der Therapie seine seelsorgerische Tätigkeit wieder aufnehmen. Später verging er sich erneut an einem Jungen.
sck/ped/ivb/news.de/dpa/ap