Sa., 26.05.12

Nachwuchs-Problem 11.06.2010 Bei der Feuerwehr brennt es lichterloh

Feuerwehr (Foto)
Auf der Messe Interschutz demonstrieren Feuerwehrleute das Löschen. Bild: ap

Von news.de-Redakteur Björn Menzel, Leipzig

Nicht immer sind die Freiwilligen Feuerwehren in Deutschland einsatzbereit. Die Folgen kann sich jeder ausmalen. Doch das Problem wird größer - und lässt jetzt sogar die Kanzlerin aufhorchen.

Die Zahl hört sich erst einmal sehr gewaltig an. Und sie verspricht viel Sicherheit. In Deutschland sind zurzeit mehr als eine Million Menschen Mitglied in einer Feuerwehr. Um genau zu sein: 1.039.737. Sie alle sind mehr oder weniger auf den Ernstfall vorbereitet. Sie helfen und retten Menschen tausendfach. Doch manchmal sind sie dazu einfach nicht in der Lage. Viele Feuerwehrleute, besonders in dörflichen Regionen, arbeiten nicht in ihrem Ort. Sollte 12 Uhr mittags die Sirene heulen, ist keiner da, der zum brennenden Haus eilen kann.

Laut dem Deutschen Feuerwehrverband sind 95 Prozent der Fläche Deutschlands mit rund um die Uhr einsatzbereiten Wehren versorgt. Das Problem sind die restlichen fünf Prozent. Und dieses Problem könnte größer werden. «Denn die Feuerwehren verlieren Mitglieder», sagt Sprecherin Silvia Darmstädter auf news.de-Anfrage. Jedes Jahr würde es ein Prozent weniger werden. «Aber wir machen auch etwas dagegen», sagt sie. In den vergangenen Jahren habe man besonders junge Frauen zum Mitmachen gewinnen können. Laut Damstädter hat sich in den vergangenen fünf Jahren deren Anzahl von 40.000 auf 80.000 Mitglieder verdoppelt.

Das kann Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) freuen. Sie ist als Schirmherrin des gerade stattfindenden Deutschen Feuerwehrtages am Freitag nach Leipzig geeilt. In alter Tradition sprechen die Bundeskanzler alle zehn Jahre auf dem Feuerwehrtag zu den mehr als eine Million Mitgliedern. Das Thema der schwindenden Wehr wurde nach news.de-Informationen der Kanzlerin angetragen. Angela Merkel nimmt das Problem auf, auch wenn sie davon spricht, dass flächendeckend der Einsatz von Wehren sichergestellt sei. Dennoch: «Der Rückgang an Mitgliedern gibt zu denken», sagt die Kanzlerin und stellt Hilfe in Aussicht.

Es sei besonders wichtig, Nachwuchs zu gewinnen und für die Feuerwehr zu begeistern. «Besonders die Integration von jungen Menschen mit Migrationshintergrund muss gestärkt werden», sagt Merkel. Der Bund könne mit seinen Integrationsprogrammen helfen. Merkel weiß genau, dass die Feuerwehren in Deutschland neben der Rettung von Leben besondere gesellschaftliche Aufgaben übernehmen. Sollten die verloren gehen, wird es in Zukunft in vielen Gemeinden im gesellschaftlichen Miteinander düster aussehen.

Der Grund für den verheerenden Mitgliederschwund ist vor allem im demografischen Wandel zu suchen. Die Bevölkerung wird im Durchschnitt älter. Besonders in sogenannten strukturschwachen Regionen ist es schwierig, Nachwuchs zu rekrutieren. Die Wehren halten ihre Einsatzbereitschaft mit Nebenlösungen aufrecht. «Zum Beispiel legen wir Feuerwehren aus Nachbargemeinden zusammen», sagt Verbandssprecherin Darmstädter. Ein weiteres Konzept sehe vor, dass im Einsatzfall Wehren aus anderen Orten mit alarmiert werden. Doch Darmstädter warnt auch: «Das Nachwuchsproblem ist unser Thema der Zukunft.»

Das hat auch die Vorsitzende des Beirates des Deutschen Feuerwehrverbandes, Claudia Crawford, erkannt. «Wie sehen unsere Feuerwehren in der Zukunft aus», fragt sie. Und: «Wie werden sie in der Fläche vertreten sein?» Problem erkannt. Antworten hat sie allerdings nicht parat.

«Wir müssen Lösungen finden, mit weniger Personalaufwand Hilfe zu leisten», sagte Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) zur Eröffnung der Feuerwehr-Weltleitmesse «Interschutz» und des 28. Deutschen Feuerwehrtages am Montag in Leipzig. Dies könne unter anderem mit technischen Innovationen im Brand- und Katastrophenschutz geschehen, die auf der «Interschutz» gezeigt würden. Auf der Leitmesse für Sicherheit, Rettung, Brand- und Katastrophenschutz präsentieren mehr als 1350 Aussteller ihre Produkte - fast 200 mehr als vor fünf Jahren.

Sachsen-Anhalt hält unterdessen eine positive Meldung parat. Das Bundesland ist zwar stark von Strukturschwäche und demografischen Wandel betroffen, doch Innenminister Holger Hövelmann (SPD) meldete, dass im vergangenen Jahr die Kinder- und Jugendfeuerwehren einen Mitgliederzuwachs erfahren haben. «Insgesamt 10.295 Mädchen und Jungen waren 2009 in den Feuerwehren des Landes aktiv. Damit haben sich 2.556 junge Menschen mehr als im Vorjahr in den Feuerwehren Sachsen-Anhalts engagiert», sagte er jüngst bei der Vorstellung des Feuerwehrberichtes. Ob sich daraus ein Trend entwickelt, ist unklar. Und trotz dieses kleinen Aufschwungs beim Nachwuchs verliert auch Sachen-Anhalt weiterhin Mitglieder bei den Freiwilligen Feuerwehren.

sck/ivb/news.de
Leserkommentare (3) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • hagal
  • Kommentar 3
  • 14.06.2010 13:17
 Antwort auf Kommentar 2

Was die Politik macht?Blödsinn wie immer!Die Bundesländer und die Bundesregierung geben genug Geld für die Feuerwehr aus!Zwar nicht für die Erhöhung der Einsatzbereitschaft oder für Technik,aber dafür für Integrationsbeauftragte der Deutschen Jugendfeuerwehr wie Willi Donath dessen Welt bunt ist,Markus Priesterath vom Bündnis für Demokratie und Toleranz,der intolerantest gegen alles Andersdenkende hetzt,oder Karina Gottschalk,die geschärften Blicks rechte Brandherde erkennt usw.Das giftet diese Antideutschen,daß Rechte in der Feuerwehr sind und helfen anstatt wie die Linken anzuzünden, zu hetzen,zu verfolgen!

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  • kato
  • Kommentar 2
  • 13.06.2010 11:38
 

... Fortsetzung Darüber hinaus sollte man vielleicht auch nicht vergessen, dass die Menschen bei den FFW diese Einsätze ehrenamtlich ausüben. Wenn also der Not gehorchend einige Zusammenlegungen stattgefunden haben, stellt sich mir die Frage, wie hier ein Zusammngehörigkeitsgefühl erhalten bleibt. War meines Wissens ein wesentlicher Bestandteil für ehrenamtl. Arbeit. Welche Motivation hat ein aktives Mitglied derzeit noch? Was tut die Bundesregierung hierfür? Die Länder haben ja immer weniger Geld, wegen "Haushaltsverschuldungen" und Steuergeschenken.

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  • kato
  • Kommentar 1
  • 13.06.2010 11:30
 

"Besonders die Integration von jungen Menschen mit Migrationshintergrund muss gestärkt werden" Habe ich falsch gelesen? Problem war doch in der Abdeckung der Infrastruktur, arbeitsfähige Bevölkerung muss eben erst einmal Brötchen verdienen! Derzeit einige Km vom Einsatzort der FFW entfernt. Man könnte natürlich Asylanten in diese Strukturen versetzen, dann sind Sie auch aus dem Blickpunkt. Meines Wissens sind ja wohl auch Aktionen bei den FFW gelaufen, zu denen Menschen mit willkürlich festgelegten Risikowertungen heraus gedrängt wurden, bevor der Nachwuchs einsatzbereit war...

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