So., 12.02.12

Bildung in den USA Nur noch vier Tage Schule

Artikel vom 08.06.2010

Weil die Kommunen pleite sind, sparen Gemeinden im US-Bundesstaat Georgia an der Bildung. Doch statt die Stellen von Lehrern zu streichen, haben sie den Rotstift bei den Schultagen angesetzt. Mit Erfolg: Es wird Geld gespart und die Schulabbrecherquote sinkt.

Montags spielen die Schüler in Peach County im US-Staat Georgia den lieben langen Tag Videospiele. Oder sie statten ihren Omas einen Besuch ab. Zuweilen sind sie auch im örtlichen Jugendzentrum zu finden. Wer an diesem Tag zur Schule will, steht nämlich vor verschlossenen Türen. Peach County ist einer von 120 Schulbezirken in Georgia, in dem die Schüler nur vier Tage pro Woche zur Schule gehen müssen. Der Grund: die leeren Kassen der Kommunen.

Um das Haushaltsdefizit von einer Million Dollar (rund 840.000 Euro) auszugleichen, begann der 4000 Schüler zählende Bezirk damit, einen Schultag zu streichen. Ansonsten hätten 39 Lehrer entlassen werden müssen, erklärt die Leiterin der Schulaufsichtsbehörde Susan Clark: «Wir standen mit dem Rücken zur Wand.» Es sei keine andere Wahl geblieben.

Schlechter sind die schulischen Leistungen durch die Vier-Tage-Woche nicht geworden. Im Gegenteil: Sie wurden besser. Das gilt auch für die Anwesenheit. Die Schulbehörde gebe jetzt ein Drittel weniger für Vertretungslehrer aus als vorher, sagt Clark. Die Quote der Schulabgänger mit High-School-Abschluss werde zum ersten Mal seit vielen Jahren mehr als 80 Prozent betragen. Auch bei den Lehrern ist die verkürzte Woche beliebt. Sie hätten nun mehr Vorbereitungszeit. Zudem schliefen die Schüler am Dienstagmorgen im Unterricht nicht mehr ein, erklärt Clark.

Hausaufgabenhilfe statt Unterricht

Deshalb wird es die Vier-Tage-Woche nach Angaben Clarks auch im kommenden Schuljahr geben. Durch die Regelung würden jährlich 400.000 Dollar (rund 330.000 Euro) eingespart.

Während der Vier-Tage-Woche sind die Schultage nun etwas länger und die Klassen größer. Nach dem Unterricht können die Schüler Nachhilfe in Anspruch nehmen. An ihrem freien Tag gibt es in Kirchen oder im Jugendzentrum die sogenannte Montagsbetreuung, bei der Lehrer den Schülern bei den Hausaufgaben helfen. Die Betreuung kostet für jeden Schüler nur ein paar Dollar.

Die Kritik bleibt freilich nicht aus. So steht vielen Behörden nach eigener Aussage zwar nun mehr Geld zur Verfügung. Viele Schüler hätten aber Defizite, weil ihnen Unterrichtszeit fehle, berichten etliche Schulen. Eine Schulaufsichtsbehörde in Oklahoma hat nach einer Testphase umgeschwenkt und wieder die Fünf-Tage-Woche eingeführt. «Für die Lehrer war das hart», erklärt Behördenleiter Bennie Newton. «Die jungen Leute mussten sich den Lernstoff schneller aneignen.» Newton hofft, dass es im kommenden Schuljahr nicht zu einer Neuauflage der Kurzwoche kommt.

Hawaii hat das kürzeste Schuljahr

Auch so manche Eltern machen sich Sorgen um die schulischen Leistungen ihrer Kinder. «Ich glaube nicht, dass sie dadurch genügend Unterrichtszeit bekommen», sagt Heather Bradshaw, deren Sohn in eine Grundschule in Peach County geht. «Der neue Stundenplan hat seine Entwicklung beeinträchtigt», erklärt sie.

Andere Eltern hingegen sprechen sich für die viertägige Schulwoche aus. «Dadurch wird für die Kinder das Wochenende schöner, weil sie sich länger ausruhen können», findet LaKeisha Johnson. Sie schickt ihre Tochter jeden Montag ins Jugendzentrum.

Der Trend zur kürzeren Schulwoche begann in den 1970er Jahren in New Mexico, als die Ölkrise ausbrach. Seitdem hat die Vier-Tage-Woche vor allem in ländlich geprägten US-Staaten Schule gemacht, wo Kinder oft lange Schulwege zurücklegen müssen. Hauptgrund für die Einführung war aber die prekäre finanzielle Lage in vielen Gemeinden. Der Sparkurs trifft Hawaii am stärksten: Dort fällt zusätzlich zur Vier-Tage-Woche jeden zweiten Freitag der Unterricht aus. Damit ist das Schuljahr in Hawaii kürzer als in allen anderen US-Staaten.

ham/sca/ivb/news.de/ap
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Leserkommentare (4)
  • Kommentar: 4
  • 11.07.2010 16:24
von
Hartmuth Möhse

Engel Sie haben recht! Beim Fußball sind alle blöde geeint und toben jubelnd durch die Straßen. Ein Volk von Blöden! geht´s aber einmal um Politisches läßt sich kein Aas blicken. Was wir brauchten ist mal wieder einen Generalstreik wie Weiland in dn 6oigern, der fegte auch so schön durch das politische Geäst und hinterließ für Jahre gereinigte Luft. Vorschlag, alle gehen bei der nächsten Wahl wählen, kreuzen aber alle an! Die Erklärungen unserer Politiker möchte ich dann hören. 80% Wahlbeteiligung aber nur 5% für den "Bestplazierten" - ein Traum für mich, ein Alptraum für CDU7CSU FDP SPD Grüne

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  • Kommentar: 3
  • 08.06.2010 21:37
von
Matthias Engel

Genau; - Da kommen wir wirklich noch hin!! Wenn die Merkel CDU Koalition FDP Westerwelle Fraktionsvorsitzender jetzt nicht aufpassen, welcher Wege sie Ungerecht dem Kapitalismus falsch zuwenden und dort nicht und keine Einsparungen so vornehmen wollen, wie bei; - aber immer nur dem Schwachen Glied der Kette dem HartzIV Sozialhilfe sowie der Transfernbezieher. Der Verdi DGB hat in allen Städten Deutschland Demos angekündigt, nur ich habe Merkel und der Delegation androhen müssen, das es diesmal Krieg Bürgeraufstände und Zustände werden wie in Frankreich und noch heftiger und schlimmer!

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  • Kommentar: 2
  • 08.06.2010 17:09
von
tommy
Antwort auf Kommentar 1

Sa kommen wir auch noch hin. Deutschland liegt am Hindukusch. Dumme Leute brauchen die Politiker.

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  • Kommentar: 1
  • 08.06.2010 13:52
von
Hartmuth Möhse

Dementsprechend ist auch das Bildungsniveau. Geografie ist ein Fremdwort, den Brüssel ist die Hauptstatt von Peru und Austria ist Australien. So geht es immer weiter. Wenn man mit Teens uns Twens in den Staaten einmal locker plaudert, aber bloß nicht zeigen, dass man eine bessere Allgemeinbildung hat, dann wird der Kerl aus den 40igern (Bärtchenträger) ausgegraben und von Weltherrschaft schwadroniert. AMI´s sind aus eigener Erfahrung, bis auf die Eliteschicht STROH-DOOF!

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