Ein ausgezeichneter Riecher
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Von news.de-Redakteurin Kristina Schmidl
Artikel vom 07.06.2010
Wie das Riechen unser Leben bestimmt, verrät Hanns Hatt in seinem Bestseller Das Maiglöckchen-Phänomen. Der Forscher macht Wissenschaft verständlich. Warum die das dringend nötig hat, erklärt Eva-Maria Streier von der Deutschen Forschungsgemeinschaft.
Als «Botschafter des Riechens» sieht sich der Bochumer Zellphysiologe und Riechforscher Hanns Hatt selbst. Und so wird er auch in der wissenschaftlichen Öffentlichkeit wahrgenommen. Nicht zuletzt, weil er seine Forschungsergebnisse gekonnt kommuniziert. So gut, dass der 62-jährige Professor nun sogar in Magdeburg den mit 50.000 Euro dotierten Communicator-Preis verliehen bekommt. Er gilt als die wichtigste Auszeichnung für die Vermittlung von wissenschaftlichen Ergebnissen in Medien und Öffentlichkeit in ganz Deutschland.
Mit dem Preis zeichnen die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Stifterverband seit dem Jahr 2000 Wissenschaftler aus, die ihre Forschungsarbeiten einem breiten Publikum besonders gut, vielfältig, originell und kreativ nahebringen. Sie machen sich damit um den laut der DFG «immer notwendigeren Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit» verdient.
«Professor Hanns Hatt hat auf auf äußerst originelle Weise langjährig und nachhaltig seine Erkenntnisse über die Wirkung von Duftstoffen bei Mensch und Tier in der wissenschaftlichen Öffentlichkeit dargestellt», betont Eva-Maria Streier, Direktorin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DFG in Bonn.
Um den Communicator-Preis gewinnen zu können, müsse man in der Lage sein, auch komplexe wissenschaftliche Zusammenhänge so einfach auszudrücken, dass sie für die Öffentlichkeit - egal ob es sich um Schüler oder interessierte Erwachsene handle - verständlich seien, erklärt Eva-Maria Streier. Professor Hanns Hatt sei das immer wieder geglückt. Zum Beispiel mit der mehrteiligen ZDF-Sendung Vom Reiz der Sinne, einer Reihe von Buchpublikationen und Hörbüchern sowie in Hunderten von Vorträgen und Auftritten in Hörfunk und Fernsehen.
Sein größter wissenschaftlicher und öffentlichkeitsrelevanter Erfolg gelang dem Bochumer Forscher 2003, als er entdeckte, dass auch menschliche Spermien einen Riechrezeptor für Maiglöckchenduft besitzen. Das daran anknüpfendende Buch Das Maiglöckchen-Phänomen wurde zum internationalen Bestseller. Es sei wissenschaftlich völlig korrekt, aber gleichzeitig auch für die Öffentlichkeit verständlich geschrieben, sagt Eva-Maria Streier. Und das gelinge nicht jedem Wissenschaftler.
Wissenschaftler in der Bringschuld
Forscher wie Hatt trügen dazu bei, die Wissenschaft mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Was das bewirken kann, zeige die Debatte um die Kürzungen im Bundeshaushalt. «Die einzigen Felder, die ausgenommen sind, sind Bildung und Forschung. Man weiß, das sind Zukunftsbereiche, in die man auf Dauer investieren muss, um konkurrenzfähig bleiben zu können», erklärt Eva-Maria Streier. Dieses Ergebnis habe damit zu tun, dass man Wissenschaft und Forschung immer wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit und der Politik bringe. «Und ein kleiner Baustein ist der Communicator-Preis.»
In den vergangenen zehn Jahren habe sich im Bereich Kommunikation wissenschaftlicher Ergebnisse viel getan. Heute sei es für gute Wissenschaftler nicht mehr ehrenrührig, ihre Forschungsergebnisse über die Medien möglichst breit zu kommunizieren. «Mit Selbstvermarktung hat das nichts zu tun», betont Eva-Maria Streier. Schließlich bekämen Wissenschaftler, die ihre Ergebnisse nicht nur in die Wissenschaft hinein, sondern auch in die Öffentlichkeit kommunizieren, deswegen auch kein größeres Gehalt als andere.
Der Communicator-Preis sei ein Signal, mit dem gezeigt werden solle, dass die DFG es belohne, wissenschaftliche Ergebnisse in der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Kommunikation gehöre einfach zur Wissenschaft dazu, betont Eva-Maria Streier. Sie sei auch deshalb so wichtig, da die Öffentlichkeit über die Steuergelder der Geldgeber für die Wissenschaft sei und Wissenschaftler der Öffentlichkeit gegenüber daher in einer gewissen Bringschuld seien.
Dass Professor Hanns Hatt den Communicator-Preis bekommt, hat eine siebenköpfige Jury, bestenend aus Wissenschaftsjournalisten, Kommunikations- und PR-Fachleuten entschieden. 47 Forscher aus allen Wissenschaftsgebieten hatten sich um den Preis beworben oder waren für ihn vorgeschlagen worden.
ped/ivb/news.de
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