Von Frank Brandmaier
Diesmal ist die Säge steckengeblieben beim Versuch, das Öl zu stoppen. Das Scheitern des BP-Konzerns wirkt immer lächerlicher. Derweil zittert Floridas Urlaubsindustrie und das deutsche Unternehmen Kässbohrer will die Strände säubern.
BP hat im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko erneut einen Dämpfer erlitten. Der Konzern musste seinen neuesten Versuch, das ausströmende Öl einzudämmen, am Mittwoch wegen einer eingeklemmten Säge unterbrechen, sagte der Einsatzchef der US-Regierung, Admiral Thad Allen.
Nach mehreren gescheitern Anläufen, das Öl zu stoppen, bemüht sich BP seit Dienstag, das aufgerissene SteigrohrEin Steigrohr bzw. Steigleitung leitet das Öl vom Meeresboden auf die Bohrinsel. Durch Explosion und Sinken der Deepwater Horizon wurde es beschädigt. Um einen Auffangtrichter anbringen und das Öl sauber auffangen zu können, versucht BP, die zerstörte Leitung glatt abzuschneiden. in 1500 Metern Meerestiefe aufzutrennen, um einen Auffangtrichter anzuschließen. Dabei blieb die Hightech-Säge auf halbem Wege stecken. Das Werkzeug konnte zwar nach rund zwölf Stunden befreit werden. Allerdings habe BP die Arbeiten nicht wieder aufgenommen, weil die Diamantsägeblätter zu stumpf für das massive Rohr zur Ölquelle seien, berichtete die New York Times. Der Zeitung zufolge sollen nun ersatzweise 30 Zentimeter lange Scherenmesser zum Einsatz kommen, die sich an anderer Stelle des Rohrs als erfolgreich erwiesen hätten.
Kässbohrer will Touristenparadiese retten
Für die Kinder von Michelle Rolls-Thomas hätte es der Sommer ihres Lebens werden können. Der Strand des Ferien-Eilandes Dauphin Island vor der Küste Ost-Alabamas ist der schönste und breiteste, den Michelle je gesehen hat, der Sand blendend weiß und puderfein. Aber das Meer ist menschenleer. «Ich lasse die Kids nicht ins Wasser», sagt die Fotografin, die hier aufwuchs. Neben den Urlaubern laufen Helfer mit Klarsichttüten den Strand ab, auf der Suche nach dem nächsten Teerklumpen. Seit ein paar Tagen werden es immer mehr, und sie werden immer größer.
In Baden-Württemberg steht unterdessen der Fahrzeugbauer Kässbohrer bereit, um den Kampf gegen das Öl an der Küste mit aufzunehmen - und ein Geschäft zu machen. Denn Kässbohrer baut nicht nur Pistenfahrzeuge, sondern auch Strandreinigungsgeräte. Die sammeln normalerweise Zigarettenstummel, Glasscherben, Dosenverschlüsse oder Seegras. Aber auch der Einsatz im Öl ist für Kässbohrer nicht neu: die Geräte seien bereits nach dem Tankerunglück der «Erika» (1999) und der Havarie der «Prestige» (2002) im Einsatz gewesen.
Derzeit sei ein Kässbohrer-Mitarbeiter in den USA, um den Bedarf an den Geräten zu klären, berichtet der Leiter des Bereichs Beachtech von Kässbohrer, Stefan Spindler. Noch sei das Öl allerdings oft zu flüssig, um es vom Strand zu entfernen. «Es muss von der Konsistenz eher fester sein, damit die Geräte zum Einsatz kommen können», erklärt Spindler. Um die Ölklumpen vom Sand zu trennen, wird die oberste Sandschicht komplett entfernt, gesiebt und fällt dann auf den Strand zurück.
«Das Öl ist hier»
Mit dem Ostzipfel Alabamas und damit praktisch Florida sind die Touristenhochburgen von der schlimmsten Ölpest der US-Geschichte bedroht. Und zu allem Überfluss liegt dort auch der atemberaubend schöne Insel-Naturpark Gulf Islands National Seashore, der sich von Mississippi bis nach West-Florida erstreckt. Galt bislang Louisiana als der Brennpunkt der Öl-Katastrophe, schwappt die Angst vor der klebrig-braunen Soße nun Richtung Ost - dort, wo Tourismus Big Business ist.
«Für eine Menge Leute hier wird die Ölpest um einiges greifbarer, und die Wut auf BP wächst gewaltig», sagt Pressefotografin Rolls-Thomas. «Das Öl ist hier», macht die Lokalzeitung auf. Die Lage scheint dramatisch: Zweimal in zwei Tagen weitete die US-Wetterbehörde NOAA die Fischfang-Verbotszone aus. Inzwischen sind sogar die Gewässer vor der Südwest-Küste Floridas Sperrgebiet - unmittelbar vor dem Nationalpark Dry Tortugas. Im Urlaubsort Gulf Shores, direkt an der Grenze zwischen Alabama und Florida, begrüßt ein Schild die Touristen: «Willkommen an unseren schönen Stränden!» Kurz dahinter liegen als dicke weiße Würste die Ölbarrieren bereit. Auch vor der Küste von West-Floridas Touristenzentrum Pensacola leuchten sie schon orangerot im Wasser.
Floridas Urlaubsindustrie zittert
In Angst um Floridas riesige Urlaubsindustrie, die jährlich rund 60 Milliarden Dollar in die Kassen spült und knapp eine Million Menschen beschäftigt, macht sich unter Spitzenpolitikern des Sonnenscheinstaates Krisenstimmung breit. Eilig verkündete Gouverneur Charlie Crist eine sieben Millionen Dollar schwere Werbekampagne, um Urlauber in Kernmärkten in den Nordwesten seines Staates zu locken. «Obwohl es noch keine greifbaren Auswirkungen der Ölpest an Floridas Stränden gibt, spürt das Tourismusgewerbe sehr wohl bereits die wirtschaftlichen Folgen», erklärte der Gouverneur.
Von den Konsequenzen für die einmalige Natur ganz zu schweigen. Die Schönheit seiner schneeweißen Strände und sanften Dünen lässt den Naturpark Gulf Islands unwirklich scheinen, zerbrechlich. In seinem Marschland wimmelt es von Arten. Fast 260 Kilometer misst er von West nach Ost. «Ein Ort von unglaublichen Reichtümern», schwärmt die Nationalpark-Verwaltung. Schildkröten leben dort, Gürteltiere, das Opossum. Der braune Schlick scheint sie eingeholt zu haben. «Es gibt Berichte, dass Öl an Stränden angekommen ist», sagt ein Park-Ranger. Was wäre, wenn es Bestätigung gibt? «Das wäre sehr schlecht.»
In Dauphin Island, eine Fähren-Überfahrt und dann eine Autostunde von dem Naturpark in Florida entfernt, halten sich die Menschen schon vom Meer fern. «An einem Tag wie heute wäre der Strand sonst rappelvoll», weiß Michelle Rolls-Thomas. Natalie Murphy von der Küstenwache will derweil gerne daran glauben, dass der Kampf gegen das Öl gewonnen werden kann. «Ich habe Vertrauen in den Stufen-Plan aus Überwachung, Abschöpfen des Öls und kontrollierter Verbrennung auf See und schließlich das Aufsammeln am Strand», sagt die Frau im Rang eines Kapitänleutnants, und es klingt sehr offiziell. Nach einer Pause fügt sie aber leise hinzu: «Ich stamme von hier. Das ist alles sehr emotional für mich.»
iwi/reu/news.de/dpa
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jetzt antwortenKommentar meldenIch finde es einfach unverschämt von einem so großen Millionenkonzern,das sie mit den billigsten Mitteln versuchen,dieses Leck abzudichten. Bis jetzt sind mehr als 800 Millionen(!)Liter Öl in das Meer geronnen.X-ig tausend Pflanzen und Tiere sind lebensgefährlich bedroht.Wenn kümmert das?Anscheinend diesen Konzhern überhaupt nicht.Es kann bis August andauern,bis wieder alles so läuft.Garantie gibt es keine dafür.Und wer muss für den Schaden der Menschheit wieder aufkommen??Unschuldige Tiere und Pflanzen,deren Lebensraum zerstört wird!!!!!Die Menschheit zerstört die Natur!!!!!!
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