Von news.de-Redakteurin Kristina Schmidl
105 Tage lang war Oliver Knickel in einem nachgebauten Raumschiff eingeschlossen, um eine Mars-Reise zu simulieren. News.de erklärt er, warum er es trotz Monotonie und Enge wieder tun würde. Denn jetzt lassen sich seine Nachfolger 500 Tage lang einschließen.
Das Big Brother ähnliche Weltraum-Projekt «Mars 500» geht in die zweite Runde. Diesmal ohne den Bundeswehr-Hauptmann Oliver Knickel. Beim ersten Experiment im Frühjahr 2009 ließ er sich 105 Tage lang für eine simulierte Marsmission mit fünf anderen Freiwilligen auf engstem Raum in einem nachgebauten Raumschiff einsperren und rund um die Uhr mit modernster Technik überwachen - zum wissenschaftlichen Erkenntnissgewinn. «Mars 500» ist ein Experiment der russischen Weltraumagentur Roskosmos und der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA, bei dem Psychologen die Versuchsteilnehmer beobachten und ihr Sozialverhalten analysieren.
Das Experiment klingt stark nach Big Brother, doch rausgeworfen wird niemand. Erst bei akuten Problemen wollen die Versuchsleiter eingreifen. Selbstverständlich können die Probanden das Experiment aber jederzeit von sich aus abbrechen. Für Oliver Knickel persönlich kam das jedoch nie in Frage. «Ich wollte es schaffen. Das habe ich mir von Anfang an zum Ziel gesetzt», sagt der 29-Jährige. Schließlich sei es ein tolles Gefühl, die Wissenschaft voranzubringen und ein Teil des einmaligen Mars-Projekts zu sein.
Obwohl der Soldat beim zweiten, längeren Mars-500-Experiment nicht mit an Bord des nachgebauten Raumschiffs geht, spielt er trotzdem noch eine bedeutende Rolle: Er hat seine Nachfolger beraten, wie sie mit der belastenden Eintönigkeit in der Isolation umgehen und sich beschäftigt halten können. Für die neuen Probanden ist der Erfahrungstaustausch ungeheuer wichtig, denn in der zweiten Testreihe, die jetzt startet, sind die Bedingungen noch härter: Jetzt bleiben die Freiwilligen nämlich gleich fünfmal so lang - 520 Tage - in dem engen Container am Institut für biomedizinische Probleme (Bimp) in der Nähe von Moskau abgeschottet. So lange würden der Hin- und Rückflug von der Erde zum Mars dauern.
Mit fünf Menschen auf engstem Raum
Alles soll so realistisch wie möglich sein. Daher sind auch die Arbeiten und der Tagesablauf der Besatzung so gewählt, dass sie einem Hin- und Rückflug zum Mars möglichst nahe kommen. Es ist das bisher längste Weltraum-Experiment. Wissenschaftler erhoffen sich von dem Langzeitversuch noch mehr wichtige Erkenntnisse für eine wirkliche Mars-Mission in einigen Jahrzehnten.
Oliver Knickel möchte die Erfahrungen, die er vor einem Jahr während der ersten Teststufe von «Mars 500» gesammelt hat, nicht missen. Für zirka hundert Tage würde er sich auch nochmal in ein Raumschiff sperren lassen. Doch ob er für eineinhalb Jahre in die Isolation gehen würde, das kann er spontan nicht beantworten. Die psychischen Belastungen seien nicht zu unterschätzen.
Mitunter sei es schon ziehmlich an die Nerven gegangen, mit fünf anderen Menschen auf engstem Raum eingesperrt zu sein, daher praktisch keine Privatsphäre genießen und keinen direkten Kontakt zu Familie und Freunden pflegen zu können. Denn telefonieren ist an Bord nicht möglich. Schließlich soll die simulierte Mars-Exkursion so real wie möglich sein. Und bei einer echten Marsreise gäbe es eine Echtzeit-Verzögerung von 40 Minuten zwischen Frage und Antwort, erklärt der Soldat.
Zum Glück gab es die Versuche
Das größte Problem in der Isolation seien Monotonie und Langeweile gewesen. «Ich war froh, dass wir ein so intensives wissenschaftliches Programm zu absolvieren hatten», sagt Oliver Knickel. Den größten Teil des Tages führten die Probanden Experimente durch, sie füllten psychologische Fragebögen aus, gaben Haar- oder Speichelproben ab und ließen ihre Körper verdrahten - und wurden dabei selbst zum Untersuchungsobjekt. Denn Forscher möchten durch diese Simulationen vor allem herausfinden, wie sich die Isolation im Raumschiff auf Körper und Psyche auswirkt.
Besonders begeistert ist Oliver Knickel von den Experimenten zur Telemedizin, die er 2009 mit den anderen «Mars-Reisenden» durchgeführt hat. Dabei werden aus dem Raumschiff Bilder - zum Beispiel von einer Verletzung - zur Erde geschicht, dort wird eine Diagnose gestellt und die Besatzung des Raumschiffs bekommt eine Anleitung, wie sie zu behandeln sei. Natürlich ist auch ein Arzt mit an Bord, doch der könne nicht auf alles spezialisiert sein. So müsste ein Allgemeinmediziner unter Anleitung auch eine Zahnoperation durchführen können.
Außerdem vertrieb sich die Besatzung täglich mit einem intensiven Sportprogramm die Zeit, damit sich die Muskeln auf dem engen Raum nicht zu sehr zurückbildeten. Der längste Weg, dem man im Container an einem Stück habe gehen können, sei 15 Meter lang gewesen, sagt der Soldat.
Teamfähigkeit und Sprachkenntnisse
Grundvoraussetzungen, um überhaupt an dem Projekt teilnehmen zu dürfen, seien Teamfähigkeit sowie körperliche und psychische Gesundheit und Stärke, sagt der junge Hauptmann. Außerdem hätten alle Freiwilligen ein abgeschlossenes naturwissenschaftliches Studium sowie Englisch- oder Russischkenntnisse vorweisen müssen, um die Experimente durchführen und miteinander kommunizieren zu können. Denn die anderen Teilnehmer waren vier Russen und ein Franzose. Die ESA hat die sechs Männer aus 5600 Bewerbern ausgewählt.
Persönlich habe er vor allem von «Mars 500» profitiert, weil er selbstverständliche Dinge wie den Sonnenschein oder jederzeit telefonieren und im Internet surfen zu können, mehr zu schätzen gelernt habe, sagt der 29-Jährige. Denn all das war im Raumschiff nicht möglich. Am meisten gefehlt habe ihm sein persönliches Umfeld.
Eines Tages wirklich zum Mars reisen zu können, fände Oliver Knickel toll. Allerdings müsste er sich dann trotzden nochmal genau überlegen, ob er an Bord steigen würde oder nicht. Denn: «Eine echte Exkursion zum Roten Planeten kann man nicht einfach abbrechen, wenn man das Gefühl hat, den Belastungen nicht mehr standzuhalten.»
iwi/reu/news.de
Wenn das alles einen Sinn haben soll, müssen die Menschen langsam anfangen auf dem Mars eine Atmosphäre zu schaffen. Das nimmt einige Zeit in Anspruch, ist aber durchaus möglich. Nur um Fussabdrücke im Marssand zu hinterlassen sind die bemannten Marsflüge viel zu teuer. Interessant wären Ausgrabungen zu machen. Dort würde man fündig werden, wie unter der Asche von Pompeji.
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