Sa., 26.05.12

Ölkatastrophe 02.06.2010 James Cameron soll die Küste retten

Ölpest: BP sägt defektes Steigrohr ab (Foto)
Vor der Küste von Louisiana wird eine Probe des mit Öl verschmutzten Wassers genommen. Bild: dpa

Weil die Ingenieure nicht mehr weiter wissen, soll jetzt Regisseur James Cameron Ideen beisteuern. Derweil startet BP einen neuen Versuch, und Präsident Obama kündigt an, die Schuldigen vor Gericht zu bringen.

Angesichts des bisher erfolglosen Kampfes gegen das sprudelnde Öl im Golf von Mexiko soll nun Hollywood den Durchbruch bringen. Die Bundesbehörden erhoffen sich von Regisseur James Cameron (Avatar, Titanic) neue Ideen, um die Lecks in der Tiefe endlich zu schließen. Cameron gehörte zu einer Gruppe von mehr als 20 Wissenschaftlern und Ingenieuren, die sich am Dienstag mit Vertretern der Umweltschutzbehörde, der Küstenwache und des Energieministeriums trafen. Der Regisseur gilt als Experte für Unterwasserfilme und ferngesteuerte Unterseeboote.

Nach diversen Fehlschlägen unternimmt BP derzeit einen neuen Anlauf, die Ölpest vor der US-Küste in den Griff zu bekommen. Allerdings ist das Vorgehen nicht ohne Risiko. Da das defekte SteigrohrEin Steigrohr bzw. Steigleitung leitet das Öl aus dem Meeresboden auf die Ölplattform. Am Ozeanbett ist sie mit einer sogenannten Ausblas- Verhinderungseinrichtung verbunden, dem Blow Out Preventer (BOR), der verhindert, dass das Öl ungebremst austritt. Lange Unterwasser-Steigleitungen sind aus Abschnitten zusammengesetzt, die typischerweise 15 oder 25 Meter lang sind. in 1500 Meter Tiefe dabei abgesägt wird, droht zeitweise wesentlich mehr Öl als bisher in den Golf von Mexiko zu fließen.

BP-Ingenieure haben am Dienstag mit dem Absägen begonnen, gab der Einsatzleiter der US-Regierung, Thad Allen, bekannt. Anschließend soll ein Auffangbehälter über der Öffnung platziert und das Öl auf ein Schiff abgeleitet werden. Alle Arbeiten werden in 1500 Meter von Robotern durchgeführt. Ob die Aktion zum Erfolg führt, könne man erst in einigen Tagen sehen.

Experten warnen, die auslaufende Ölmenge könnte zeitweise um 20 Prozent zunehmen. Selbst BP geht davon aus, dass mit dieser Methode nicht alles ausströmende Öl aufgefangen werden kann.

Warum Greenpeace nicht zum Boykott aufruft

Grünes Image
So umweltfreundlich gibt sich BP
Video: YouTube, Zapp

Die Umweltschützer von Greenpeace haben zwar die Firmenflagge des BP-Konzerns in London durch eine ölverschmierte ersetzt und rufen zur Gestaltung eines ölgetränkten BP-Logos auf. Einen Boykott aller BP-Tankstellen halten sie allerdings für zu kurzsichtig: «Während BP im Golf von Mexiko versagt, ist Shell weiter am Ölsandabbau in Kanada beteiligt - einem massiven Umweltverbrechen. Shell hält auch an Plänen zur Ölbohrung in der Arktis fest», betont die Organisation auf ihrer Website. Und in den Gewässern Alaskas sei noch immer Öl aus der Exxon Valdez zu finden, dem Öltanker, für dessen verheerende Havarie ExxonMobile, also Esso, verantwortlich war.

«Es gibt unzählige Beispiele für das Versagen der Ölindustrie», heißt es bei Greenpeace. Nachhaltigstes Mittel gegen die Risiken sei nun mal, den Verbrauch einzuschränken: «Auch wer sein Auto betankt, trägt seinen Teil der Verantwortung.»

Obama will BP-Verantwortliche vor Gericht sehen

Nach US-Medienberichten erreichte die Ölpest am Dienstag (Ortszeit) auch die Bundesstaaten Mississippi und Alabama. Dort seien erste Teerklumpen an Land gespült worden. Bisher war die Katastrophe auf die Küsten Louisianas beschränkt.

Sechs Wochen nach dem Unfall der Bohrinsel «Deepwater Horizon» bemüht sich die US-Regierung nun um ausländische Hilfe. Man denke dabei an Unterstützung aus Ländern wie den Niederlanden, Kanada und Mexiko, sagte Allen. Es gehe um Hilfen, wie das Ölleck in der jetzt beginnenden Hurrikansaison geschlossen werden kann.

Unterdessen zeichnet sich ein juristisches Nachspiel ab. Präsident Barack Obama droht, die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen. «Wenn unsere Gesetze gebrochen wurden, und dies zu Tod und Zerstörung führt, dann verspreche ich, dass wir die Verantwortlichen vor Gericht bringen.»

Justizminister Eric Holder machte klar, dass seine Behörden bereits ermitteln. «Wir werden das Handeln derjenigen, die mit dem ausfließenden Öl zu tun haben, genau untersuchen», sagte er nach Gesprächen mit lokalen Staatsanwälten in New Orleans. «Falls wir Hinweise illegalen Verhaltens finden, werden wir energisch reagieren.» Als einer der Hauptverantwortlichen gilt der britische BP-Konzern.

Angesichts dieser Entwicklung gerät BP auch ökonomisch erheblich unter Druck. BP-Aktien fielen an der Londoner Börse am Dienstag zum Teil bis zu 15 Prozent, der Unternehmenswert sank zeitweise um 18 Milliarden Euro.

iwi/news.de/dpa
Leserkommentare (2) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Mario Markiefka
  • Kommentar 2
  • 04.06.2010 20:44
 

Funktioniert wie ein Gartenschlauch.Drück in vorne ab,und du hast weniger Durchfluss,aber mehr Druck. Die Roboter müssten doch diese Rohre quetschen können.Sie könnten auch eine Glocke,über das Rohr schieben und direkt eine Steigleitung nach oben zu ihren Supertankern verlegen.

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  • Mario Markiefka
  • Kommentar 1
  • 04.06.2010 20:38
 

Hallo!! Ich weiß zwar nicht mit welchen Dimensionen die BP-Leute zu kämpfen haben,aber warum wird die Steigleitung abgeschnitten.Dadurch wird der durchfluss ja vergrößert. Ok die Leitung zu kürzen ist nicht verkehrt,aber das rohr könnte an der Spitze gequetscht werden,so hat man z.B.Schwarzrohrleitungen abgestopft und Blindstopfen daraus gemacht. Die beste Idee ist es zwar nicht,aber so kann der Mengenfluss mit Sicherheit verringert werden. Ich denke diese Rohre sind so beschaffen,daß sie dem Druck standhalten.Durch das quetschen wird andererseits der Druck erhöht.Funktioniert wie ein Gartens

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