Arme Kinder blicken in eine düstere Zukunft
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Von Andrea Barthélémy
Artikel vom 01.06.2010
Auch mit Kinderaugen gesehen wird die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland größer: Die meisten Sechs- bis Elfjährigen sind ist mit ihrem Leben zwar zufrieden. Aber 20 Prozent sehen sich stark benachteiligt. Das belegt die zweite World Vision Kinderstudie.
Wer arm ist und wenig familiäre Unterstützung erfährt, hat deutlich kleinere Gestaltungsräume für Freizeit und Schullaufbahn - und registriert dies auch frühzeitig. Das beweist die zweite World Vision Kinderstudie, die nun in Berlin vorgestellt worden ist. «Kinder aus den gehobenen Schichten können von Anfang an ihre besseren Chancen nutzen», betonte Studien-Mitautor Prof.essor Klaus Hurrelmann aus Berlin.
Über 2500 Kinder wurden für die repräsentative Studie, eine «kleine Schwester» der Shell-Jugendstudie, von TNS-Infratest dazu befragt, wie sie ihre Lebenswelt wahrnehmen. «Anders als bei der ersten Studie von 2007 wurden erstmals auch Sechs- und Siebenjährige einbezogen», sagte World Vision-Vorstand Christoph Waffenschmidt. Das Ergebnis zeigte unter anderem eins: Schon früh blicken Kinder sehr realistisch auf ihre Umwelt und wünschen sich mehr Möglichkeiten, ihre Stimme einzubringen und damit gehört zu werden.
Ein gesundes Selbstbewusstsein und die Erfahrung, als Person etwas bewirken zu können, nennen die Forscher Klaus Hurrelmann und Professor Sabine Andresen als die wichtigsten Bausteine für eine positive Entwicklung der Kinder. «Aber das untere Fünftel bricht uns weg», beschreibt Hurrelmann einen Trend im Vergleich zu 2007. «Diese Kinder sehen ihre Zukunft negativ und trauen sich keine erfolgreiche Schullaufbahn zu. Ihr Alltag ist bei einem größeren Teil einseitig auf Fernsehen oder sonstigen Medienkonsum ausgerichtet. Jungen sind hierfür besonders anfällig.»
Zuwendung der Eltern lieber zeitweise und intensiv
Kinder aus gehobenen Schichten hingegen haben nicht nur mehr Unterstützung und Aufmerksamkeit in den Familien selbst, sie haben auch neben der Schule ein deutlich vielfältigeres Freizeitleben. So ist dort der Anteil an Kindern, die in ihrer Freizeit neben Verabredungen, Medienkonsum und Sport auch kreativ-musische Dinge tun, um ein Vielfaches höher: 43 Prozent in der Oberschicht, fünf Prozent in der Unterschicht. «Aber die Brücke hin zu mehr Bildungsorientierung läuft gerade über diese Beschäftigungen jenseits der Schule», betonte Hurrelmann.
Zuwendung der Eltern ist dabei aus Kindersicht sehr wichtig, aber nicht ständig erwünscht - lieber zeitweise und dann intensiv. «Das dürfte alle berufstätigen Eltern erleichtern», sagen Hurrelmann und Andresen. Die Studie belegt den Trend weg von der Ein-Mann-Verdiener- Familie (40 Prozent) zur doppelten Berufstätigkeit (51 Prozent). «Das wirkt sich aber nicht auf die Zufriedenheit der Kinder aus. Im Gegenteil: Die Kinder wünschen sich Eltern, die sozial integriert sind. Über zu wenig elterliche Zuwendung beklagen sich hingegen öfter Kinder, deren Eltern arbeitslos sind und wenig Struktur im Alltag bieten.»
Besondere Sorgen machen sich die Forscher auch unter diesem Aspekt um die Kinder von Alleinerziehenden. «Sie werden in unserer Gesellschaft nach wie vor massiv benachteiligt», betonte Andresen. Als Wegweisung an die Politik fordern die Autoren deshalb vor allem: «Es muss mehr Geld dorthin fließen, wo alle Kinder sich aufhalten.» Sprich: Ausbau von Ganztagsschulen mit attraktiven Freizeitangeboten und der Möglichkeit, dort Freundschaften zu pflegen, mehr Kooperationen zwischen Schulen und Vereinen am Nachmittag - aber bitte kein Betreuungsgeld.
sck/news.de/dpa
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Was heißt hier, arm sein ist schlecht? Wer deffiniert denn arm? Beginnt die Verantwortung vor oder nach dem Zeugungsakt? Wer aus sogenannten ärmlichen Verhältnissen kommt, hat diese Ärmlichkeit nicht so empfunden, wie die Meinungsmacher es ständig der Gesellschaft suggerieren. Diese Meinungsmache ist schäbig. Würden z. B. Schulkleidung während der Ausbildung Pflicht sein, die sogenannten Armen könnten die ja unentgeldlich erhalten, gäbe es nach anerkannter Pädagigig eine ausgewogene soziale Prägung. Wo sind denn die Gutmenschen, wenn sie lieber einen Verbraucher erziehen als einen Menschen?
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