Agatha wütet in Mittelamerika, 150 Menschen sind ums Leben gekommen - und schon wieder klafft ein Loch in Guatemala-Stadt. 30 Meter tief ist ein dreistöckiges Wohnhaus in die Erde gebrochen. Das verblüffende: So ein Loch gab es doch schon einmal.
Die Bilder ähneln sich frappierend. Kreisrund und wie ausgestochen klafft das Loch in Guatemalas Hauptstadt. Sind die Medien einer Falschmeldung aufgesessen, bei der das Foto von 2007 mit den aktuellen Tropenstürmen in Mittelamerika in Verbindung gebracht wurde?
Doch es gibt tatsächlich wieder so ein «agujero» in Guatemala. Diesmal verschwand der Erdboden im Bezirk 2, 30 Meter tief und 15 Meter im Durchmesser klafft das Loch, das der Sturm mitten auf einer Kreuzung in das schachbrettförmige Straßennetz der Hauptstadt gerissen hat. Im März 2007 hatte das Loch im Stadtviertel San Antonio den Kolumnisten der guatemaltekischen Zeitungen als Metapher für die katastrophale Situation des Landes gedient.
Jetzt ist es wieder passiert. Ein dreistöckiges Wohnhaus stürzte rund 30 Meter in die Tiefe gestürzt, glücklicherweise war es jedoch unbewohnt. Es heißt, ein Wachmann werde vermisst. Die Anwohner diskutieren über die marode Kanalisation, die durch die Regenmassen kollabiert sein und so den Erdrutsch ausgelöst haben sollen. Genau so zumindest war auch vor drei Jahren das Loch entstanden.
150 Menschen sterben unter «Agatha»
Doch das Loch ist nicht der einzige Erdrutsch, den Tropensturm «Agatha» in Guatemala ausgelöst hat. Im Westen von Guatemala-Stadt seien etliche Dörfer begraben und dabei mindestens 60 Menschen in den Tod gerissen, sagte der Gouverneur der Provinz Chimaltenango, Erick de Leon. «Wir haben viele Tote. Die Straßen sind blockiert. Die Notunterkünfte sind überfüllt. Wir brauchen Wasser, Nahrung, Kleidung, Decken und mehr als alles andere Geld», sagte er.
Die Zahl der Toten nach dem ersten Tropensturm dieses Jahres ist in ganz Mittelamerika auf mindestens 150 gestiegen. Zahlreiche Menschen werden noch vermisst, Tausende wurden obdachlos. Mehrere Ortschaften waren von der Außenwelt abgeschnitten. Guatemala war am stärksten betroffen, wo nach Behördenangaben 123 Menschen ums Leben kamen. Rund 110.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen.
Anhaltende Regenfälle bergen neue Gefahr
Auch in El Salvador und Honduras hinterließ «Agatha» eine Spur der Verwüstung, in allen drei Ländern wurde der Notstand ausgerufen. In Honduras wurden 17 Todesopfer gemeldet. Nach heftigen Regengüssen führen die Flüsse Hochwasser und Meteorologen können noch keine Entwarnung geben. Die Regenfälle sollen noch drei weitere Tage anhalten. Die Behörden forderten die Menschen auf, sich von den Gewässern fern zu halten. Tausende haben bereits ihre Häuser verlassen.
Im Nachbarland El Salvador trat der Fluss Lempa bereits über die Ufer und überflutete mindestens 20 Dörfer. Nun bedrohen die anhaltenden Regenfälle die Hauptstadt San Salvador. Behörden haben bereits gewarnt, der Fluss Acelhuate könnte die Hauptstadt überfluten. Vorsorglich wurde der Unterricht an allen Schulen und Universitäten ausgesetzt. Über 11.000 Menschen wurden in Sicherheit gebracht. Bisher kamen in El Salvador zehn Menschen durch die Unwetter ums Leben. Die Zahl könnte allerdings noch steigen, zwei Personen werden noch vermisst.
iwi/news.de/ap