Von news.de-Redakteur Michael Kraft, Leipzig
Nachts kommt man normalerweise nicht in den Leipziger Zoo. Die Ausnahmen: Virginia Jetzt! und Peter Heppner spielten Konzerte. Wir haben geschaut, wie das Mensch und Tier gefallen hat.
Ein Rockkonzert im Zoo? Genug Affen, wilde Tiere und junge Gazellen treiben sich ja auch sonst bei derlei Veranstaltungen vor, hinter und auf der Bühne herum. Aber in Leipzig wollte man das gestern wirklich ausprobieren. «Nachtaktiv» heißt der Event, bei dem man genau zu der Zeit in den Zoo darf, zu der sich sonst Fuchs und Hase (und in diesem Fall auch Elefant, Tiger & Co.) gute Nacht sagen. Knapp 2000 Gäste treffen auf rund 6500 Tiere.
Das ist für alle, die Vierbeiner sehen mögen, zwar eine kleine Mogelpackung: Viele Bereiche sind abgesperrt. Wer aber wegen der Musik gekommen ist, der wird deutlich besser bedient: Wolfsheim-Sänger Peter Heppner lässt bis kurz vor Mitternacht Klänge ertönen, die mindestens so düster sind wie die nicht mehr genutzte Bärenburg bei Nacht. Und davor geben Virginia Jetzt! ihr erstes Konzert, seit sie die das Ende der Band bekanntgegeben haben. «Es roch besser als bei manch einem Festival», verrät deren Sänger Nino Skrotzki nach dem Konzert. Und das, obwohl kurz vorher noch ein Lama auf der Bühne gestanden hatte.
Auch in Zeiten, in denen die Veranstalter bei Rockkonzerten gerne selber Gehörschutz anbieten (für Menschen!), scheint sich um die akustische Gesundheit der Tiere keiner so richtig zu sorgen. Der Mann, der am Mischpult über Sound und Lautstärke wacht, erklärt jedenfalls, dass es keine besonderen Vorkehrungen gibt. Er hat auch keine Angst vor tanzenden Gorillas oder um ihren Schlaf gebrachten Amurtigern: «Die sind ja alle eingesperrt.»
Zumindest verhalten sich die Flamingos später ganz normal, deren Gehege am nächsten an der Bühne ist. Sie stehen also still und rosa rum. Nur Alpaka Harry macht später sehr seltsame Sprünge, als Virginia Jetzt! ein Eye Of The Tiger-Zitat bringen.
In ihrer Show verlassen sich die sympathischen Brandenburger sonst auf viel Material vom Erfolgsalbum Anfänger. Und ein bisschen macht das Konzert auch deutlich, warum sich die Band entschlossen hat, nicht mehr weiter zu machen und somit im Zoo quasi als vom Aussterben bedrohte Art aufzutreten: Dass sie für die Coolen nicht cool genug sind und für die Harmlosen nicht harmlos genug, ist vielleicht das Dilemma, an dem Virginia Jetzt! gescheitert sind.
Im Aquarium sitzen derweil Menschen im Halbdunkel auf Liegestühlen, schlürfen Cocktails und schauen zu, wie Haie um sie herumschwimmen. Dazu sorgt DJ NielOn mit Akustik- und Elektroklängen für entspannte Atmosphäre. «Das ist der schönste Ort, an dem ich je aufgelegt habe», schwärmt er - und genießt den Abend offensichtlich fast genauso wie das Publikum auf den Liegestühlen. Einen Effekt seiner Musik hat der DJ auch schon bemerkt: «Die Fische schwimmen ein bisschen langsamer.» Da können die Tierschützer ja wieder beruhigt sein.
news.de