Obama kämpft, BP beschwichtigt
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Mehr als zwei Tage nach Beginn von «Top Kill» pumpt BP weiter Schlamm ins Bohrloch. Ob das riskante Verfahren erfolgreich ist, wissen wir wohl frühestens am Sonntag. Obama verdreifacht unterdessen die Einsatztruppen am Golf von Mexiko.
Mit dreimal so vielen Einsatzkräften im Kampf gegen die schlimmste Ölpest der US-Geschichte tritt Präsident Barack Obama wachsender Kritik an seinem Krisenmanagement entgegen.
Die Katastrophe für Mensch und Tier weitet sich unterdessen aus. Der verantwortliche Ölkonzern BP bittet um Geduld im Zusammenhang mit seiner schwierigen Operation, das Ölleck im Meer unter Hochdruck zu verstopfen. Noch immer pressen Experten unter hohem Druck Schlamm in das Loch am Meeresgrund. Frühestens am Sonntag soll klar sein, ob die Operation «Top Kill» klappt.
Die US-Umweltbehörde NOAA teilte mit, dass inzwischen für etwa ein Viertel des Golfs von Mexiko ein Fischereiverbot besteht. Die Behörde gab die Fläche mit 60 683 Quadratmeilen an, was in etwa 157 000 Quadratkilometern entspricht und damit einer Fläche, die mehr als doppelt so groß ist wie Bayern.
Bei seinem Besuch in der vom Öl verschmutzten Regio machte Obama deutlich, dass es selbst bei einem «Top-Kill»-Erfolg noch lange dauern werde, bis die Folgen der Katastrophe beseitigt sind. Der US-Präsident sprach auf Grand Isle, einer besonders schwer betroffenen Insel vor Louisiana. Zuvor hatte er mit einem Hubschrauber das Mississippi-Delta überflogen. «Am Ende trage ich die Verantwortung für die Lösung dieser Krise», sagte er.
Experten: «Top Kill» bisher maximal mit kleinem Erfolg
Der Versuch, die seit fünf Wochen sprudelnde Quelle im Golf von Mexiko mit Schlamm zu verschließen, verläuft laut BP «grundsätzlich nach Plan.» Zuvor hatte es Verwirrung gegeben, weil der Ölkonzern das Einleiten des Schlamms unterbrochen hatte. Suttles betonte, das sei nicht ungewöhnlich. «Es gibt Perioden, in denen wir pumpen, es gibt Perioden, in denen wir beobachten.»
Experten erklärten, anhand der Bilder der Webcam auf dem Meeresboden, die ständig auf das defekte Bohrloch gerichtet ist, sei derzeit bestenfalls ein geringer Fortschritt zu erkennen. Tony Wood von der Universität Texas A&M sagte, wenn das, was aus dem Bohrloch komme, zumeist schwarz bleibe, dann handele es sich um Öl und BP habe verloren. Wenn es weißlich sei, dann sei es meist Gas und BP habe ebenfalls verloren. Wenn das austretende Material schlammig-braun sei, wie dies am Freitag häufig der Fall war, dann könne es ein Zeichen dafür sein, dass BP langsam gewinne.
Professor Philip W. Johnson von der Universität von Alabama erklärte, den Kamerabildern zufolge seien zwei Löcher offenbar etwas kleiner geworden. Top Kill habe möglicherweise einen geringen, aber keinen dramatischen Effekt gehabt.
Bislang sind wohl mehr als 240 Kilometer der Küste Louisianas verseucht, berichtete CNN. Noch am Vortag war lediglich von 160 Kilometern die Rede gewesen. Hunderte Vögel und Meeresschildkröten starben bereits, auch Dutzende Delfine und Wale. Die Katastrophe nahm ihren Lauf, nachdem am 22. April die Bohrinsel «Deepwater Horizon» untergegangen war.
ped/news.de/dpa/ap
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