Von Peer Meinert
Auch Golfbälle und Gummistücke schießt BP ins Bohrloch - und das offenbar mit einem gewissen Erfolg. Zumindest sagt der BP-Chef, es ströme nur noch wenig Öl ins Meer. Barack Obama kündigt den Ölkonzernen derweil ein Ende der Kuschelpolitik an.
Im Kampf gegen die schlimmste Ölpest der US-Geschichte gibt es Fortschritte: Dem Ölkonzern BP ist es nach eigenen Angaben teilweise gelungen, die seit mehr als fünf Wochen sprudelnde Ölquelle im Golf von Mexiko zu schließen.
Seit Freitagmorgen (Ortszeit) ströme nur noch wenig Öl und Gas ins Meer, sagte BP-Chef Tony Hayward dem TV-Sender CNN. Die Operation «Top Kill» wird nach Haywards Worten weitere 48 Stunden dauern - ein endgültiger Erfolg wäre also erst am Sonntag zu erwarten. Bei der Operation «Top Kill» wird unter hohem Druck Schlamm in das Bohrloch gepumpt, um den Ölfluss zu stoppen. Am Donnerstag und auch Freitag musste das komplizierte Manöver allerdings für jeweils mehrere Stunden unterbrochen werden. Laut BP sollte es am Freitagabend (Ortszeit) fortgesetzt werden.
Dennoch gab sich Hayward vorsichtig optimistisch. Die aus dem Leck am Meeresgrund aufsteigende braune Wolke, die in Live-Videos zu sehen ist, bestehe derzeit fast komplett aus Schlamm. Über Nacht habe BP außerdem Gummistücke und anderes Material in das Sicherheitsventil («Blowout Preventer») geschossen, das auf dem Bohrloch sitzt. Dies sollte dazu dienen, das Ventil zu verstopfen, damit weniger Schlamm aus der Quelle entweicht. Aktuelle Messungen hätten ergeben, dass dies erfolgreich gewesen sei, sagte Hayward.
Experten der US-Regierung sprechen inzwischen von der schlimmsten Ölpest, die es je in den USA gab. Seit Beginn des Öl-Dramas seien insgesamt mehr als 36.700 Tonnen Öl ins Meer gelangt. Beim Unfall des Tankers «Exxon Valdez» 1989 vor Alaska waren es 35.000 Tonnen.
Schluss mit der behaglichen Beziehung
Als Konsequenz kündigte Obama eine härtere Gangart gegen die Ölindustrie an. Ölfirmen sollten es künftig wesentlich schwerer haben, Genehmigungen für Tiefseebohrungen zu bekommen. Obama sprach von einer bisher «behaglichen und manchmal korrupten Beziehung» zwischen Behörden und Ölindustrie.
Falls der Versuch «Top Kill» scheitere, habe BP noch «verschiedene andere Optionen», das Leck zu schließen, sagte eine Konzernsprecherin von BP der Nachrichtenagentur dpa in London. Der Ölkonzern habe bereits Vorkehrungen für den Einsatz einer neuen Technik getroffen, sagte die BP-Sprecherin weiter.
Dabei handele es sich um ein Oberflächen-Abdichtungssystem. Bei dem Verfahren («lower marine riser package») würde das bestehende Steigrohr zur Quelle am Meeresgrund entfernt und durch ein neues, breiteres Rohr mit einer Ringdichtung ersetzt. Auf diese Weise solle der Großteil des ausströmenden Öls und Gases aufgefangen werden.
Parallel dazu bohre BP weiter an zwei Stellen, um das bestehende Bohrloch zu entlasten. Damit sei am 2. und 16. Mai begonnen worden, sagte die Sprecherin. Diese Zapfquellen sollen innerhalb von drei Monaten einsatzbereit sein. Wie viel Öl insgesamt in der Quelle steckt, wollte BP nicht bekanntgeben.
Rund 1300 Schiffe seien im BP-Auftrag unterwegs, um ausgetretenes Öl aufzusammeln, chemisch aufzulösen oder mit Barrieren aufzuhalten. Für die Schäden wolle der Ölkonzern vollständig aufkommen, sagte die Sprecherin. «Wir sind stark genug, um die Forderungen zu tragen.»
Auch mehrere EU-Länder unterstützen jetzt den Kampf gegen das Öl, nachdem die USA am späten Donnerstagnachmittag um Hilfe der EU-Mitgliedstaaten baten. Helfen sollen vor allem drei spezielle Absaugvorrichtungen, um das Öl abzufischen.
iwi/ivb/news.de/dpa
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