Sa., 26.05.12

Weltraum 23.05.2010 Wie kommen wir gesund zum Mars?

mars (Foto)
Der Mars Rover findet sich schon auf dem roten Planeten zurecht, der Mensch hätte Probleme - allein wegen der langen Anreise. Bild: dpa

Von news.de-Mitarbeiter Bernhard Mackowiak

Geht man von den optimistischen Raumfahrtplanungen der 1960er Jahre aus, hätten wir schon 1990 auf dem Mars gelandet sein sollen. Aber der Mensch ist auch heute noch gar nicht bereit. Derzeit käme er wohl haarlos und mit blauem Auge auf dem roten Planeten an.

«Auf zum Mars!» hieß es vor wenigen Tagen für die vier US-amerikanischen Astronauten Chris Hadfield, Thomas Marshburn, Andrew Abercromby und Steve Chappel. Allerdings starten sie nicht mit der Ares-Rakete aus Cape Canaveral, sondern fuhren vor den Florida-Keys-Inseln 20 Meter in die Meerestiefe. Hier, unter der geringen Auftriebskraft des Wassers und damit fast unter Schwerelosigkeit, umgeben von einer Welt, in der man ohne Schutzanzug nicht lange überleben kann, sollen für fremden Welten trainieren.

Voraussetzung ist allerdings, sie kommen dort gesund an - körperlich und geistig. Denn während des halbjährigen Hin- und Rückfluges befinden sich die Astronauten nicht unter dem schützenden Schirm der irdischen Atmosphäre und sie müssen die Halt gebende Wirkung der irdischen Schwerkraft entbehren.

Der Weltraum bedeutet nicht nur «unendliche Weiten». Er bedeutet auch ein ständiges Bombardement mit harter, hochenergetischer Strahlung. Sie kommt zum einen von unserer Sonne. Unser Zentralgestirn sendet neben Licht auch Protonen, Elektronen und Heliumkerne aus, und zwar nicht nur in einem konstanten Strom, sondern kurzzeitig auch in heftigen Ausbrüchen, CMEs genannt, aus einem regional aktivem Gebiet. Diese sogenannten Sonnenstürme haben auf der Erde schon zu Stromausfällen geführt.

Und auch der Kosmos selbst strahlt. Energiereiche, schwere Atomkernen, aber auch Röntgen- und Gammastrahlung gehen von sterbenden Sterne (Supernovae) und Gammastrahlenausbrüchen aus. Beide Strahlungsarten zerstören das Gewebe und insbesondere die DNA eines Lebewesens. Teilweise sind solche Schäden nicht reparabel und können zu Zellmutationen führen.

Eine Studie der Georgetown University beschreibt das Krebsrisiko als sehr groß, vor allem im Bereich des Dickdarms. Bei ruhiger Sonne soll die Strahlenbelastung eines Astronauten während des 15-monatigen Hin- und Rückfluges mindestens ein SvSV steht für die Einheit Sievert. In Sievert wird die sogenannte Äquivalentdosis gemessen, die die Stärke der biologischen Wirkung einer bestimmten Strahlendosis angibt. betragen, bei heftigen Sonneneruptionen um Größenordnungen höher liegen. Neuere Schätzungen gehen jedoch davon aus, dass die Strahlenbelastung nicht höher ist als bei einem längeren Aufenthalt an Bord der ISS.

Schwermut und Arbeitsverweigerung bei Langzeitflügen

Daneben wird die lang anhaltende Schwerelosigkeit während des Raumfluges als größtes medizinisches Problem gesehen. Fehlende Schwerkraft schwächt die Muskeln, Knochen und den Kreislauf, wenn sie nicht laufend trainiert werden. So setzen denn auch einige Konzepte auf Zentrifugen im Raumschiff oder eine Drehung des Fahrzeuges, wodurch künstliche Schwerkraft erzeugt würde.

Bleibt als nicht weniger vernachlässigbar der Faktor Mensch - will sagen: die psychologischen Aspekte eines Raumfluges. Immerhin ist eine kleine Gruppe, abgeschottet von der Außenwelt, für sehr lange Zeit auf engem Raum zusammengepfercht. Hier soll das russische Experiment Mars-500 detailliertere Antworten geben.

Doch schon die Beobachtungen während bemannter Langzeitflüge rufen Stirnrunzeln hervor. Es kam zu Schwermut und Arbeitsverweigerung; die Konzentrationsfähigkeit nahm rapide ab und Fehler häuften sich. Während des Vorläuferprojekts «Simulation of a Flight of International Crew on Space Station – '99» (SFINCSS-99) zwischen Juli 1999 und April 2000 kam es sogar zu Prügeleien unter der Besatzung.

Während eines Marsfluges würde dieser psychische Supergau das Scheitern der Mission bedeuten. Es gibt also noch viel zu tun. Denn es wäre kein schönes Bild, wenn die ersten Menschen den roten Planeten mit ausgefallenen Haaren beträten, sich vor Schwäche kaum auf den Beinen halten könnten und beim Flaggenhissen untereinander keines Blickes würdigten.

iwi/news.de
Leserkommentare (5) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Glaudio
  • Kommentar 5
  • 25.05.2010 21:05
 

Ich war schon dort, es gibt nix interessantes zu sehen. Also was solls!

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  • August
  • Kommentar 4
  • 23.05.2010 21:43
 Antwort auf Kommentar 2

Sehr gut, wir müssen nicht auf den Mars, wenn wir alle, die unsern schönen Planeten versauen, auf den Mars schicken! Fangen wir mit BP an, weitere Vorschläge dürfen gemacht werden.

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  • Felix Kroll
  • Kommentar 3
  • 23.05.2010 15:58
 

Solche Artikel erschienen auch schon damals, als die Eisenbahn erfunden war. Man hielt damals Geschwindigkeiten von über 30km/h für nicht gut aus wissenschaftlich-und ärtztlicher Sicht. Nur der Mensch kann den Mars besuchen. Dass die Erde schon Besuch von anderen Planeten gehabt haben könnte, wird ins Lächerliche gezogen. Die Entwicklung bis zum intelligenten Lebewesen nimmt mehr Zeit in Anspruch als das Erdalter beträgt. Der Affe lebt immer noch in den Bäumen. Also, wo kommen wir denn her? Der Wissenschaftler glaubt nur das was er sieht.

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  • Natur
  • Kommentar 2
  • 23.05.2010 14:35
 

Wir sollten erst einmal unsere irdischen Probleme in den Griff bekommen. Die da wären: Naturschutz, Kriege, Lobbiesten, Politik, Finanzen und Menschenrechte. Glaube, wenn wir das geschafft haben in 200-300 Jahren (Oder auch nicht) wird die Menscheit vielleicht reif für den Weltraum sein. Eher nicht. GT

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  • tommy
  • Kommentar 1
  • 23.05.2010 14:19
 

Müssen wir unbedingt zum Mars? Noch ein bisschen warten, dann kommt die Mardlandschaft zu uns. Am Golf von Mexiko hat es schon angefangen

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