Sa., 26.05.12

Wie damals 19.05.2010 Trabifahren für die Gemeindekasse

Kommunen Finanzen Trabi (Foto)
Gemeindemitarbeiter Uwe Gustke transportiert mit dem dorfeigenen Trabanten Material vom Bauhof der Gemeinde. Bild: ap

In Lohmen tuckert es noch im Zweitakt, wenn ein Gemeindefahrzeug durch die Straßen fährt. In dem Dorf in der Sächsischen Schweiz gibt es nach wie vor Dienst-Trabis. Das ist kein Ostkult, sondern reine Sparsamkeit.

Ausgesessene Polster, karge Ausstattung, hoher Geräuschpegel: Wenn die Angestellten aus dem kleinen Ort Lohmen in Sachsen dienstlich mit dem Auto unterwegs sind, ist das mitunter alles andere als eine Vergnügungsreise. Denn auch zwei Jahrzehnte nach der deutschen Wiedervereinigung setzt man dort noch auf Trabis als Dienstwagen.

In dem idyllischen Ort am Rande der Sächsischen Schweiz waren gleich nach der Wende vier Zweitakter aus DDR-Produktion zu einem Schnäppchenpreis angeschafft worden. Zwei davon sind bis heute als Dienstfahrzeuge im Einsatz. Einer der beiden grauen Kombis hat bereits 35 Jahre auf dem Buckel, der andere wurde 1986 erstmals zugelassen. «Mit Nostalgie hat das nichts zu tun», versichert Bürgermeister Jörg Mildner (CDU). Es gehe vielmehr darum, die Gemeindekasse zu schonen.

Es gebe sicherlich komfortablere, leisere und formschönere Autos. Doch für kurze Strecken seien die Trabis völlig ausreichend, sagt der Bürgermeister. Und so knattern Mitarbeiter in den Dienst-Trabis regelmäßig auch die paar Kilometer zur bekannten Festung Königstein hinüber, um auf dem dortigen gemeindeeigenen Parkplatz für Ordnung zu sorgen.

Auch, wenn das Fernsehen schon zu Gast war - es gehe ihm nicht um Effekthascherei, sondern um solide Finanzen, betont der 51-jährige Kommunalpolitiker. Auf die Trabis schwört er, weil sie auch im Unterhalt «unschlagbar günstig» seien. Immerhin könnten kleinere Reparaturen von Bediensteten mit handwerklichem Geschick an Ort und Stelle selbst erledigt werden. «Für ehemalige Trabi-Besitzer und gelernte DDR-Bürger ist das kein Problem.»

Bürger spenden Ersatzteile

Viele Bürger unterstützen den straffen Sparkurs ihres Bürgermeisters, der seit 1990 in dem 3000-Seelen-Ort immer wiedergewählt wurde. Einige spendierten nach entsprechenden Aufrufen sogar Trabi-Ersatzteile, die sie noch übrig hatten. Auch sonst achtet die ostdeutsche Kommune streng aufs Geld. So verzichtete der Ort trotz möglicher hoher Zuschüsse auf ein neues Freibad - wegen der erwarteten laufenden hohen Kosten.

Statt auf schöner, aber teurer Pflasterstraße rollt man auf vergleichsweise günstigem Asphalt durch die Gemeinde. Zuletzt verzichtete der Ort auch auf besonders effiziente Energiesparlampen - zugunsten einer immer noch umweltfreundlichen, aber nicht ganz so teuren Variante. «Unterm Strich kommen wir so besser weg», rechnet der Bürgermeister vor. Kräftig investiert hat Lohmen bereits vor längerem in ein eigenes Wasserkraftwerk, das Strom produziert und damit rund um die Uhr Geld in die Gemeindekasse spült.

Zwei Trabanten blieben im Tüv hängen

Die Sparanstrengungen scheinen sich zu lohnen. Während andere Kommunen in der Republik mit dem Rücken zur Wand stehen und in Europa sogar milliardenschwere Rettungspakete für hochverschuldete Euro-Staaten geschnürt werden mussten, steht die Trabi-Kommune richtig gut da. Die Pro-Kopf-Verschuldung liege bei knapp zweihundert Euro und damit deutlich unterm Landesdurchschnitt, sagt Mildner.

Die beiden betagten Trabis werden mindestens noch zwei Jahre in Lohmen und Umgebung unterwegs sein, nachdem sie Anfang des Jahres ein weiteres Mal die Tüv-Plakette bekommen hatten. Für die beiden anderen Limousinen aus volkseigener Fertigung war da allerdings endgültig Feierabend. Sie wurden stillgelegt. Bürgermeister Mildner hatte die Sache zuvor ganz nüchtern durchgerechnet. Um die Autos noch einmal durch den Tüv zu bekommen, wären größere Reparaturen nötig gewesen, bilanzierte er. «Das hätte sich am Ende nicht mehr gelohnt.»

tfa/sck/reu/news.de/ap
Leserkommentare (4) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Matthias Engel
  • Kommentar 4
  • 19.05.2010 22:44
 

Das sollten sich mal hier in NRW die Oberbügermeisterd... anheim stellen! Wuppertal Düsseldorf Köln.. Das die Merkel jetzt sagt, dass wir wieder Sparen müssen ist eine Schweinerei ein Verbrechen auf uns so los zu gehen, der Koch der kriminelle, der sollte mal seinen Lohn als erstes abgeben und mit HartzIV Regeln 1 Jahr lang Leben: 778,00 €! Frau Merkel was Sie heute sagten im Parlament ist stunken erlogen, Ihr Politiker asst genauso wie die in Griechenland mit dem Geld herum!! Ihr müsst sparen nicht aber die Bürger, Klage wird eingereicht wenn wir Steuererhöhungen bekommen sollten!

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  • Bernd Herbert
  • Kommentar 3
  • 19.05.2010 18:32
 

Klasse. Dieser Bürgermeister hat begriffen was es heisst Bürgermeister zu sein! Bei uns muss doch gleich jeder sein eigenes Denkmal erschaffen in Form eines Freibades ode sonstigem. Zum Glück halten seine Leute zu ihm seit 1990.

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  • der Frosch
  • Kommentar 2
  • 19.05.2010 16:28
 Antwort auf Kommentar 1

Bla bla...rändändäng!

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  • Norbert
  • Kommentar 1
  • 19.05.2010 14:48
 

das hat mit Sparen nichts zu tun. Das ist vorsätzlich und unnötig Dreck und Mief in die Gegend geblasen.

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