Bologna-Konferenz

Zwei Milliarden mehr für die Unis

Auf eine Zahl lassen sich die Ergebnisse der ersten Nationalen Bologna-Konferenz verdichten. Zwei Milliarden Euro will Bildungsministerin Schavan den Universitäten zuschanzen - für die Lehre. Doch die Studenten sind misstrauisch.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat nach der ersten Nationalen Bologna-Konferenz zwei Milliarden Euro zusätzlich für die Universitäten versprochen. Die zusätzlichen Mittel bis zum Jahr 2020 sollen für mehr Personal, Förderung von Mentoren- und Tutorenprogrammen sowie Weiterbildung an den Hochschulen genutzt werden, erklärte Schavan (CDU). Dazu will die Ministerin eine Akademie für Lehre gründen. Dort sollen Professoren Fördermittel für Lehrprojekte beantragen können. Zehn Prozent der Mittel sollen aus den Hochschulen kommen. Entsprechende Beschlüsse solle die Bildungskonferenz von Bund und Ländern am 10. Juni fassen.

Die Präsidentin der Hochschulrektorkonferenz, Margret Wintermantel, begrüßte den von der Bologna-Konferenz verkündeten «Qualitätspakt» für die Lehre. Gleichwohl kritisierte sie die Reformbemühungen in den vergangenen Jahren. «Der Geburtsfehler der Bologna-Reform war, dass sie nicht vernünftig kommuniziert und finanziert worden ist.»

Die Bildungsminister von 29 Staaten haben 1999 im italienischen Bologna einen europäischen Hochschulraum vereinbart. Grundlage dafür ist eine einheitliche Studienstruktur mit den aufeinander aufbauenden Abschlüssen Bachelor, Master und Promotion.

Zur Diskussion in der Union über Kürzungen im Bildungsbereich, die Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) entfacht hat, sagte Schavan: «Ministerpräsidenten stellen bekanntlich nicht den Bundeshaushalt auf, so wie Bundesminister keine Landeshaushalte aufstellen.»

Sparen käme Bildung teuer zu stehen

Jan-Hendrik Olbertz, der parteilose Kultusminister von Sachsen-Anhalt, erklärte zu Kochs Vorschlägen: «Sparen an dieser Stelle wäre das teuerste Projekt, das wir uns vorstellen können.» Die Studenten wollten mit Recht eine Bilanz erhalten über das Verhältnis von Dozenten und Studierenden in den einzelnen Studiengängen.

Der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks (DSW), Achim Meyer auf der Heyde, begrüßte die Initiative der Ministerin. «Bei allen Rettungsschirmen, die die Schuldenkrise noch verstärken, darf die Zukunftsinvestition in Bildung nicht unterbleiben», erklärte Meyer auf der Heyde.

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Driftmann, sagte: «Die Inhalte eines Studiums müssen den Anforderungen des Arbeitsmarktes entsprechen.» Einer Umfrage zufolge vermissen 61 Prozent der Unternehmen praktische Erfahrungen bei den heutigen Hochschulabsolventen. Das Studium müsse mehr Praxisphasen enthalten. Unternehmenspraktiker sollten auch zu Vorträgen in die Hochschulen eingeladen werden.

Studenten kritisieren «Schavan-Show»

Die erste Nationale Bologna-Konferenz stieß bei Studenten, Hochschulen, Ländern und Parteien auf ein unterschiedliches Echo. Zwei Studenten des «Bündnis Bildungsstreik» verließen sie aus Protest und erklärten, sie wollten die «Schavan-Show» durch ihre Anwesenheit nicht legitimieren. Der Juso-Vertreter Erkan Ertan sagte, die Diskussion auf der Konferenz sei unbefriedigend verlaufen. Die Linksfraktion erklärte, der Bologna-Gipfel sei ergebnislos geblieben. Die Linke unterstütze weitere Bildungsproteste im Juni. Stefan Holz vom Ring Christlich-demokratischer Studenten sagte dagegen, die Konferenz sei ein «Erfolg» gewesen. Den Auszug der Teilnehmer nannte er «unbegründet und unverständlich».

Die Präsidentin der Hochschulrektoren-Konferenz (HRK), Margret Wintermantel, sagte, sie begrüße zwar die Bundesfinanzierung für die Lehre. Aber die Hochschulen könnten kein Geld hinzugeben.

tfa/news.de/ap
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