Eltern müssen für die Betreuung im Kindergarten im Schnitt weniger zahlen als vor zwei Jahren. Das Gebührensystem bleibt jedoch kompliziert. Dies zeigt eine Studie im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (ISNM) und der Zeitschrift Eltern.
Eltern hätten einen Anspruch darauf, Preise für öffentliche Leistungen ohne wissenschaftliche Unterstützung ermitteln zu können, sagte INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr, als die Studie zu den Gebühren für die Betreuung in Kindergärten am Montag in Berlin veröffentlicht wurde. Das Gebührensystem sei ein regelrechter «Gebühren-Dschungel». Teilweise sei die Informationspolitik in den Städten skandalös.
Der vorgelegte Kindergartenmonitor vergleicht zum zweiten Mal die Gebühren in den 100 größten Städten Deutschlands. Neun Städte verzichten aktuell ganz auf Gebühren, im Jahr 2008 war es lediglich Heilbronn. Zudem ist in ganz Rheinland-Pfalz der Kindergarten nun kostenlos, Berlin könnte 2011 folgen. Neun Bundesländer befreien Eltern im letzten Jahr vor der Schulzeit von Gebühren. Erstellt wurde die Studie von einer Tochtergesellschaft des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln. Die ISNM wird von den Arbeitgeberverbänden getragen.
Bremen und Cottbus für Durchschnittsverdiener teurer
Am teuersten wird es für Durchschnittsverdiener in Bremen: 1752 Euro zahlen sie pro Jahr, wenn sie ein Kind in den Kindergarten schicken. Durchnittlich verdienende Eltern geben in Cottbus mit 2672 Euro am meisten aus, wenn sie zwei Kinder im Kindergarten haben. Für Besserverdienende mit zwei Kindergartenkindern sind Potsdam und Tübingen die teuersten Städte Deutschlands; sie zahlen 3696 Euro pro Jahr.
Auch wenn in den Rathäusern eine sehr unterschiedliche Gebührenpolitik verfolgt wird, befinden sich die Gebühren der Studie zufolge trotz knapper Kassen im Sinkflug. Je nach Einkommen der Eltern haben die Kommunen die Gebühren um 12 bis 16 Prozent innerhalb der letzten beiden Jahre im Bundesschnitt gesenkt.
Pellengahr plädierte nicht grundsätzlich für eine kostenlose Betreuung. Besserverdienende seien etwa bereit, für mehr qualifiziertes Personal zu zahlen. Geringverdienern müsse aus Steuermitteln geholfen werden, auch aus dem Haushalt der Bundesländer. «Am Geld darf kein Kindergarten-Besuch scheitern», sagte Pellengahr.
Nord-Süd-Gefälle und teurer Osten
Nicht immer seien die Städte für hohe und intransparente Gebühren zu verurteilen, sagte der stellvertretende Chefredakteur der Zeitschrift Eltern, Oliver Steinbach. In Duisburg habe etwa die Bezirksregierung wegen der maroden Haushaltslage verhindert, dass für das zweite Kind keine Gebühren anfallen. Zugleich müssten alle Eltern im benachbarten und wohlhabenderen Düsseldorf nichts für den Kindergarten zahlen.
Desweiteren macht die Erhebung ein Nord-Süd-Gefälle deutlich, dass sich die Forscher nicht erklären können: Vor allem Städte in den nördlichen Bundesländern verlangen mehr Gebühren, und auch in den neuen Bundesländern ist der Kindergarten im Schnitt teurer. Dies ist teilweise auch darauf zurück zu führen, dass die Mindestzeit für Betreuung zwischen vier und sechs Stunden täglich schwankt.