Mo., 13.02.12

Royales Grab? Königliche Zähne unterm Mikroskop

Artikel vom 17.05.2010

1100 Jahre nach ihrer Geburt ist Königin Editha in Teilen wieder in ihre englische Heimat zurückgekehrt - wenn es denn ihre Gebeine sind, die in Magdeburg entdeckt wurden. Wissenschaftler untersuchen jetzt die Zähne der Leiche, um die Identität zu klären.

Bei der Öffnung eines steinernen Sarkophags im Dom von Magdeburg waren Archäologen vor eineinhalb Jahren auf einen Bleisarg gestoßen. Darin befinden sich laut Aufschrift die Gebeine von Königin Editha, die 910 in England geboren und nach ihrer Heirat mit König Otto I. in die heutige Hauptstadt von Sachsen-Anhalt gekommen und dort 946 gestorben war. Behutsam wurde der Sarg samt Inhalt geborgen und wird seither im sachsen-anhaltischen Landesamt für Archäologie in Halle untersucht. Das Ergebnis interessiert nicht nur deutsche Historiker. Es wird auch in Großbritannien mit Spannung erwartet.

«Die angelsächsische Periode im 9. und 10. Jahrhundert ist für England das, was die ottonische Epoche für Deutschland ist», erklärt Mark Horton von der Universität Bristol. «Damals hat sich England formiert. Editha ist eine Schlüsselfigur, Enkelin von König Alfred und Schwester von Ethelstan, dem ersten angelsächsischen König.» Als die Engländer hörten, dass in Magdeburg das Grab von Königin Editha gefunden wurde, waren sie begeistert, schwärmt Horton. «Editha ist das älteste Mitglied des englischen Königshauses, und Sie wissen ja: Wir Engländer lieben unsere Royals.»

Ältestes Mitglied des englischen Königshauses

Doch allein der Aufschrift auf dem schlichten Bleisarg wollen die Altertumsforscher nicht vertrauen. Einzelne Teile des Sarginhalts wurden zur Bestimmung mit naturwissenschaftlichen Methoden in andere Forschungseinrichtungen geschickt. Die Wissenschaftler erhoffen sich Gewissheit darüber, ob die sterblichen Überreste tatsächlich Editha gehören.

«Alle Quellen weisen darauf hin, dass tatsächlich Edithas Gebeine in dem Sarg ruhen», erklärt Mark Horton. Der Professor für Archäologie und Anthropologie an der Universität Bristol benennt jedoch auch Zweifel. «Das Grab im Magdeburger Dom wurde erst im frühen 16. Jahrhundert errichtet, Editha starb aber bereits 946. Im Mittelalter wurden die Gebeine mehrfach umgebettet. Niemand weiß, was alles in diesen 500 Jahren geschehen ist.»

Zahnanalyse soll Aufschluss geben

Antwort auf die Identität der Toten soll unter anderem eine Strontium-Isotopen-Analyse geben. Die Bristoler Archäologen praktizieren diese noch relativ neue Methode. Strontium kommt in verschiedenen geografischen Regionen mit einem unterschiedlichen Isotopenverhältnis vor. Über die Nahrung wird das chemische Element vom Körper aufgenommen und wie Kalzium in Zähnen und Knochen eingelagert. Da der Zahn während der Kindheit wächst und der Zahnschmelz nicht umgebaut wird, gibt das dort gefundene Strontium Aufschluss darüber, wo ein Mensch aufgewachsen ist.

Alistair Pike öffnet ein kleines rundes Schächtelchen. Darin sind Zähne aus dem Magdeburger Grab, Schafszähne und Steine fixiert. Mit einem Laser hat er winzige Proben entnommen und die Moleküle bei über 7000 Grad getrennt. Alistair Pike legt die Schachtel unter ein Mikroskop. Auf einem Computerbildschirm erscheint ein Zahn mit winzig kleinen Löchern. «Ein Zahn wächst über einen längeren Zeitraum. Hier oben die Krone wurde im Alter von drei Monaten angelegt, dieser Teil hier unten an der Wurzel im Alter von sechs Jahren», erläutert Pike.

Er deutet auf einen zweiten Zahn, der im Alter von sechs bis 15 Jahren wuchs. Auch darauf sind winzige Löcher in gleichmäßigen Abständen. Jedes davon repräsentiert eine andere Lebensphase. «Wenn wir mehrere Proben an unterschiedlichen Stellen der Zähne entnehmen und ihre Strontiumzusammensetzung mit der in den Steinen und Tierzähnen vergleichen, können wir sehen, ob sich die Besitzerin der Zähne in Wessex aufgehalten hat.»

Wiederbestattung Ende Juni geplant

Die Vergleichsmaterialien stammen aus der Gegend um Winchester und aus der um Magdeburg. In Winchester hat Prinzessin Editha ihre Kindheit verbracht. In Magdeburg lebte sie seit ihrer Hochzeit mit Otto I. Spricht nun die Strontiumzusammensetzung für einen Aufenthalt der Verstorbenen in Winchester, ist das ein Hinweis, dass tatsächlich die sterblichen Überreste Edithas gefunden wurden.

Die Strontium-Isotopen-Analyse allein bringt allerdings keine endgültige Gewissheit. «Wenn wir aber die anderen Untersuchungen wie etwa die Radiokarbonanalyse hinzunehmen, können wir mit einer Sicherheit von 99,9 Prozent sagen, dass es sich bei der Toten um Editha handelt. Oder auch nicht», meint Alistair Pike. Noch liegen die Untersuchungsergebnisse nicht vor. Sie werden in den nächsten Wochen erwartet. Für Ende Juni ist die Wiederbestattung des Editha-Sarges im Magdeburger Dom geplant. Bis dahin sollen die Ergebnisse aller Untersuchungen der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

sck/news.de/ap
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