«Die Tiere haben es ähnlich gut wie im Zoo»
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Von news.de-Redakteurin Kristina Schmidl
Artikel vom 14.05.2010
Professor Henning Scheich aus Magdeburg erforscht die Funktionsweise des menschlichen Gehirns mit Versuchen an Affen. Er erklärt, warum es in der Hirnforschung keine Alternative dazu gibt und erläutert, was genau im Labor passiert.
Professor Scheich, wie gehen Sie bei Ihren Affenversuchen vor?
Scheich: Die Affen werden bei uns im Magdeburger Leibniz Institute for Neurobiology darauf trainiert, für Belohnungen bestimmte Aufgaben zu lösen - zum Beispiel Muster wiederzuerkennen, indem sie Knöpfe drücken oder Hebel bedienen. Außerdem lernen sie, ruhig in einem Affenstuhl zu sitzen. Wenn sie das beherrschen, legen wir durch eine Operation einen Zugang zu ihrem Gehirn, indem wir einen kleinen Teil der Schädeldecke wegnehmen. Selbstverständlich mit Narkose und anschließender Rehabilitation - genau wie in der Neurochirurgie auch. Zwei, drei Tage nach der OP sind die Tiere wieder völlig fit, sodass wir die Versuche am offenen Gehirn starten können. Wir führen ihnen Mikrosonden ins Hirn ein und lassen sie dann Aufgaben lösen. So gelangen wir an neue Erkenntnisse. Die Sonden werden durch eine verschließbare und luft- und infektionsdichte Kammer eingeführt, damit die Tiere nicht krank werden. International gehen wir in der Hirnforschung alle so vor. Da ist auch der Bremer Hirnforscher Andreas Kreiter, der in den vergangenen Jahren wegen seiner Affenversuche immer wieder in die Schlagzeilen geraten ist, keine Ausnahme.
Tut es den Affen nicht unheimlich weh, wenn Sie ihnen mit Sonden im Gehirn herumstochern?
Scheich: Überhaupt nicht. Das Gehirn ist zwar der Sitz von Empfindungen - auch von Schmerzempfindungen - ist selbst aber gefühllos. Von den Untersuchungen merken die Affen also gar nichts. Für den Betrachter sieht es zwar schlimm aus, doch die Affen interessiert es gar nicht, dass sie Sonden im Hirn haben.
Was passiert nach den Versuchen mit den Affen?
Scheich: Das ist gesetzlich vorgeschrieben, gefällt uns aber gar nicht: Wir müssen sie einschläfern. In Kürze soll dieses Gesetz EU-weit aber geändert werden.
Warum müssen die Tiere getötet werden? Machen die Versuche sie also doch so krank, dass Weiterleben nur noch eine Qual für sie wäre?
Scheich: Nein. Wenn wir ein Loch in die Schädeldecke gebohrt haben, sind sie im Sinne des Gesetzes beschädigt. Und nach dem derzeit geltenden deutschen Gesetz darf man beschädigte Tiere nicht überleben lassen. Eigentlich könnten sie aber ohne weiteres überleben, weil das Loch zuheilt. Man könnte sie noch lange für Verhaltensversuche und alle möglichen interessanten Dinge brauchen.
Tun Ihnen die Versuchstiere nicht auch manchmal Leid?
Scheich: Wenn man seit vielen Jahren Tierversuche durchführt, entwickelt man ein komplexes, ambivalentes Gefühl und ist permanent ein wenig hin- und hergerissen. Man steckt in einer Werteabwägung: Könnten wir die Versuche vermeiden, würden wir das natürlich tun. Schließlich sind Tierversuche mit enormen Aufwand verbunden. Affen zu dressieren, dauert manchmal Jahre. Dann sind die Versuche selbst mühsam und langwierig. Schließlich muss der Affe Lust dazu haben. Er arbeitet für Belohnungen und wenn er genug davon hat, hört er auf. Oder er hat schlechte Laune und macht nur Unsinn. Dann können wir auch nichts machen. Wir können ihn nicht zwingen. Man muss sich intensiv mit den Tieren beschäftigen, um sie motiviert zu halten. Aber man muss sich immer vor Augen halten, warum man die Versuche macht: Man will etwas herausbekommen, um im menschlichen Bereich riesige Probleme zu lösen. Sie würden die Frage, tun Ihnen die Tiere nicht Leid, nicht mehr so einfach stellen, wenn Sie gesammelte Erfahrungen von Rehastationen hätten, wo Menschen mit neurologischen Leiden oft nur geringe Fortschritte machen. Man muss die Versuche vor folgendem Hintergrund abwägen: Wenn wir sie nicht durchführen, kann diesen kranken Leuten nie geholfen werden. Eigentlich tut man es nicht gerne, andererseits schon, weil man Menschen helfen kann.
Wie viele Affen brauchen Sie für Ihre Versuche und wie lange arbeiten Sie an ihnen?
Scheich: An dressierten, kooperativen Affen kann man ungeheure Datenmengen gewinnen, sodass wir im Institut jährlich selten an mehr als drei Affen forschen. In anderen Laboren ist es ähnlich.
Wie alt wird ein Affe bei Ihnen im Labor?
Scheich: Das ist unterschiedlich. Wir haben eine Zuchtkolonie, bestehend aus etwa 15 Tieren, in der Affen aller Altersstufen leben – ganz junge und mit um die 20 Jahre uralte. Wir beobachten die Affen schon sehr jung und selektieren die besonders intelligenten und kooperativen aus. Wenn die Affen sehr alt sind, schläfert man sie dann oft ein, weil sie – obwohl sie medizinisch gut betreut werden – doch auch gewisse Leiden haben können. Wie alt ein Affe bei uns wird, kommt auch darauf an, wie er sich in der Kolonie aufführt. Manche alten Affen machen nämlich ganz gern Terror oder werden terrorisiert. Dann wird die Suche nach mikroskopischen Altersveränderungen im Gehirn sehr wichtig.
An welchen Affen forschen Sie?
Scheich: Wir haben Langschwanz-Makaken. Das sind asiatische Affen mit genügend menschenähnlicher Hirnorganisation. Man unterscheidet Menschenaffen - zu denen Gorillas, Schimpansen und Orang Utans gehören -, Affen und Halbaffen. Menschenaffen sind noch menschenähnlicher als die üblichen Affen. Unter den Affen sind die Halbaffen einzuordnen. Das sind Tiere, die teils Affen, teils Insektenfressern wie Igeln oder Maulwürfen nahe stehen.
Gibt es Vorschriften, wie die Affen im Labor gehalten werden müssen?
Scheich: Klar. Alles ist genau vorgeschrieben und streng kontrolliert. Eine Tierethikkommission analysiert und beurteilt unsere Experimente. Man muss Anträge stellen, in denen man genau erklärt, was man warum machen will. Diese Kommission genehmigt die Anträge, lehnt sie in manchen Fällen aber auch ab oder verlangt Modifikationen. Außerdem gibt es eine extra Behörde, die die Tierhaltung genehmigt oder die Genehmigung entzieht. An jedem Institut, an dem Tierversuche durchgeführt werden, muss sich außerdem einen Tierschutzbeauftragter um sie kümmern. Das ist ein unabhängiger Wissenschaftler, der selbst keine Versuche an Tieren durchführt.
Wo liegen Ihre Grenzen? An welchen Tieren würden Sie auf keinen Fall arbeiten?
Scheich: An Menschenaffen und Hunden würde ich keine Hirneingriffe machen. Sie sind psychologisch zu nahe am Menschen. Ich hätte persönlich Hemmungen. Auch Tiere, deren Art gefährdet ist, würde ich nicht für Versuche hernehmen, außer es dient ihrer Arterhaltung. Tierschützer werfen ja immer Tier- und Artenschutz durcheinander. Das Tierschutzgesetz schreibt vor, dass wir nur an Tieren arbeiten können, die speziell für diesen Zweck gezüchtet sind. Bezüglich unserer Affen bedeutet das, wir importieren sie nicht, sondern züchten sie selbst oder kaufen sie von Zuchtstationen.
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Diese Versuche sind im wahrsten Sinne des Wortes eine "Affenschande" !
jetzt antwortenKommentar meldenVersuche an Affen sind aus ethischen Gründen zu verbieten. Es gibt keine Rechtfertigung für diese Experimente. Versuche an Affen liefern keine Ergebnisse, die vorbehaltlos auf den Menschen übertragen werden können. Versuche an Affen führen in der Forschung nicht weiter und müssen deshalb auch aus methodischen Gründen abgeschafft werden. Denn die falschen Rückschlüsse, die aus Tierexperimenten gezogen werden, dienen nicht selten der Rechtfertigung, für den Menschen schädliche Produkte oder Technologien auf den Markt zu bringen. Wir brauchen nicht mehr Tierversuche, sondern neue, intelligente Lö
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