Im Golf von Mexiko ist der zweite Versuch gestartet, das lecke Bohrloch zu schließen. Derweil verlangt der US-Senat vom Mineralölkonzern BP und den anderen beteiligten Unternehmen, die Verantwortung für eine «Kaskade von Fehlern» zu übernehmen.
Im Golf von Mexiko ist ein zweiter Versuch angelaufen, ein Bohrloch in 1500 Metern Tiefe mit einer Stahlbetonglocke abzudichten. BP-Experten wollen diesmal mit einer leichteren Stahlkuppe verhindern, dass sich die Ölpest an der Südküste der USA weiterhin unkontrolliert verschärft. Am Mittag strömten aber noch immer Unmengen Öl ins Meer. Drei Wochen nach der Explosion auf der Bohrinsel sind bereits mindestens 15 Millionen Liter Rohöl ausgelaufen.
«Am Donnerstag werden wir wissen, ob die alternative Top Hat-Dämmung funktionieren wird oder nicht», sagte US-Innenminister Ken Salazar dem Sender CNN. Die zylinderförmige Kuppel (Top Hat) ist wesentlich kleiner als die erste - sie wiegt weniger als zwei Tonnen und ist nur etwa so groß wie ein Ölfass.
Der Behälter ist mit inneren und äußeren Leitungen ausgestattet: zum Absaugen des Öl-Wasser-Gemischs und zum Einleiten von heißem Wasser und Methanol, um eine Kristallbildung zu verhindern. Dies hatte beim ersten Versuch das Abdichten und Absaugen verhindert.
Gummigeschosse als Plan B
Falls der Kuppel-Versuch wieder schiefgeht, setzt der Plattformbetreiber auf Gummigeschosse. Golfbälle, geschredderte Reifen und ähnliche Objekte sollen mit hohem Druck auf ein Abstellventil, den sogenannten Blow-out-Preventer, geschossen werden. Das Ventil hatte sich nicht vollständig geschlossen, als die Bohrinsel versank.
In Washington forderte der Kongress, dass der Ölkonzern BP und andere beteiligte Unternehmen die Verantwortung für eine «Kaskade von Fehlern» übernehmen, die zum Untergang der Förderplattform «Deepwater Horizon» führten.
BP, der Plattform-Besitzer Transocean und der technische Dienstleistungskonzern Halliburton hatten sich gegenseitig die Schuld an der Katastrophe zugeschoben. BP-America-Chef Lamar McKay sagte aber zu, alle «legitimen» Ansprüche auf Schadenersatz zu begleichen. Die Schäden durch die Ölpest könnten sich auf mehrere Milliarden Dollar belaufen.
Gesetzesentwurf sieht Vetorecht gegen Bohrungen vor
Als Reaktion auf die Ölpest planen zwei US-Senatoren eine Gesetzesinitiative, die den Einzelstaaten ein Vetorecht gegen Bohrungen vor der Küste geben würde. Das geht aus einem Entwurf hervor, der heute vorgestellt werden sollte.
Darin fordern der demokratische Senator John Kerry und sein unabhängiger Kollege Joe Lieberman, dass US-Staaten zum einen ein Vetorecht bekommen, falls Bohrungen in Nachbarstaaten möglicherweise negative Auswirkungen auch auf sie haben könnten. Zum anderen sollen Staaten das Recht bekommen, Bohrungen bis zu 120 Kilometer vor ihrer eigenen Küste abzulehnen. Im Gegensatz zur bisherigen Regelung sieht der Gesetzentwurf vor, Einzelstaaten an den Einnahmen des Bundes aus der Ölförderung zu beteiligen.
Außerdem begann in den USA eine Debatte um Schadenersatzzahlungen. Das Unternehmen BP bekräftigte, es werde alle «legitimen» Forderungen befriedigen. Experten rechnen mit einem Milliardenschaden für Fischer, Tourismus und Privatleute. 350 Millionen Dollar (etwa 275 Millionen Euro) hat BP nach eigenen Angaben bereits ausgegeben, um die Ölpest-Schäden zu bewältigen.
sck/tfa/news.de/ap