Von Kathrin Zeilmann
Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick wagt einen überraschenden Vorstoß: Er stellt das Zölibat infrage. Die Reformbewegung «Wir sind Kirche» applaudiert, noch unklar ist aber, wie Rom auf die mutigen Worte des fränkischen Hirten reagiert.
Mitten in der Krise ist er auf der Suche nach einem neuen Profil für die katholische Kirche - und rüttelt dabei sogar am Zölibat und am Weiheverbot für Frauen. Bambergs Erzbischof Ludwig Schick hat mit einem Vorstoß überrascht, der ganz konkret Alternativen zum Gebot der Ehelosigkeit für Priester zeigt. «Ich meine, Bischöfe, Ordensleute und Domkapitulare müssen es leben. Ob jeder Pfarrer das Zölibat leben muss, ist eine andere Frage», sagte Schick dem Nachrichtenmagazin Spiegel. Er empfahl, «ernsthaft» darüber nachzudenken, die Priesterehe zu erlauben.
So weit aus dem Fenster hatte sich nicht einmal Robert Zollitsch gelehnt, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK). Der Freiburger Erzbischof hatte sich schon kurz nach seiner Wahl zum DBK-Chef gegen «Denkverbote» beim Thema Zölibat ausgesprochen, doch deutlicher wurde er nicht. Nun aber glaubt Schick, dass in der katholischen Kirche ein Diskussionsprozess eingesetzt hat. Es werde über das Thema gesprochen, versicherte er. «Ich bin nicht der Einzige.»
Zwar hatte auch Alois Glück, der Vorsitzende des Zentralkomitees der Katholiken (ZdK), eine Lockerung des Pflichtzölibats gefordert - doch ein Bischofswort hat in der katholischen Hierarchie ein anderes Gewicht als das eines Laienvertreters. Schicks Worte könnten nun einen Dammbruch auslösen, könnten zeigen, dass die Institution katholische Kirche angesichts der Krise reformfähig ist oder zumindest diskussionsbereit. Hat Schick, der regelmäßig zum Joggen geht, die Zeichen der Zeit schneller erkannt als viele andere Bischöfe, und läuft er nun mutig voran? Oder wird er Kritik und Widerspruch aus dem Vatikan und von seinen Amtskollegen ernten? An einen weiteren Karrieresprung wäre für den Kirchenrechtler dann nicht mehr zu denken.
Schick ist keiner, der gerne polemisiert. Beobachter schildern ihn als nachdenklichen Kirchenmann. Und nun zeigt er laut und deutlich Alternativen zum Zölibat auf - und das auch noch im Spiegel, einem Nachrichtenmagazin, das die katholische Welt im Februar noch mit einer Titelzeichnung empörte, auf der ein Kirchenmann unter die Soutane fasst. Schicks Sprecherin sagte, das Interview sei autorisiert worden.
Der 60-Jährige galt eigentlich bislang nicht gerade als liberaler Hirte, unter dem einstigen erzkonservativen Fuldaer Bischof Johannes Dyba war er Weihbischof, ehe er 2002 auf den Bischofsstuhl von Bamberg gerufen wurde. Dort musste Schick selbst schmerzhaft erfahren, dass die Kirche schrumpft: Die Fakultät der Katholischen Theologie an der Bamberger Uni musste im vergangenen Jahr mangels Auslastung schließen, wegen akuten Priestermangels müssen Pfarreien zu großen Verbänden zusammengelegt werden. 2004 wurde wegen klammer Kassen ein Ausbildungsstopp für Pastoralreferenten verhängt, der aber mittlerweile wieder aufgehoben ist.
Dass Schick das heiße Eisen Zölibat nun offensiv anpackt, ist nicht der einzige Vorstoß. Bei einer Diskussionsrunde vor einigen Wochen erklärte er, er halte die Weihe von Frauen zu Diakoninnen für möglich. «In der alten Kirche gab es die Diakoninnenweihe, und wenn sie heute wieder gesehen wird, dann habe ich nichts dagegen», wird er im bistumseigenen Heinrichsblatt zitiert. Die Weihe von Frauen ist in der katholischen Kirche verboten. Im Zuge der Missbrauchsfälle, die die katholische Kirche seit Monaten erschüttern, war Schick einer der ersten, die eine engere Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft forderten und sich für eine Verlängerung der Verjährungsfrist bei sexuellem Missbrauch aussprachen.
Die Reformbewegung «Wir sind Kirche» erkennt in Schicks Überlegungen ein «Hoffnungszeichen. Er sieht die Nöte der Kirche», sagte Sprecher Christian Weisner. «Man kann ihm nur wünschen, dass andere ihm nicht in die Parade fahren und dass er auch in Rom gehört wird.» Schicks Vorstoß dürfte auch Thema beim II. Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) sein, der an diesem Mittwoch in München beginnt: Die Vereinigung katholischer Priester und ihrer Frauen e.V. hat einen Stand aufgebaut und lädt zu Begegnung und Diskussion ein - mit nun ganz aktuellem Gesprächsstoff.
iwe/ivb/news.de/dpa
Hallo, lieber Grünpfeil, DEN Zölibat ist richtig und das ist das einzig richtige daran, genau wie bei DIE oder DAS oder DER Spachtel ;--))) Ich achte jeden Priester oder jede Priesterin, die freiwillig oder aus Erfahrung ehelos sind, ansonsten finde ik det mit det Zölibat einfach unmenschlich. Ich bin aus DIE RKK ausgetreten und jetzt da. wo man den, kategorischen Imperativ in Form von Jesus Christusens Lehre ungezwungen leben darf.
jetzt antwortenKommentar meldenWie ich ja schon mal sagte; der Papst kriegt keine Frau, sonst hätte die, nachher noch das Sagen! ;--)) Aber wo wir schon einmal dabei sind; wie währe es denn mit Priesterinnen, wie die viel ältere und trotzdem emanzipiertere Jüdische Religion sie hat. Das währe auch endlich mal ein Bollwerk gegen die Religionsgemeinschaft, die der Männerwirtschaft frönt und alles andere als emanzipiert ist. Man hätte es einfacher haben können, wenn man die Thesen von Johannes Paul I. befolgt hätte. Nochmal; Hätte Luther die Reformation wirklich zu Ende gebracht währe vielleicht etwas Gutes daraus geworden.
jetzt antwortenKommentar meldenVorweg: es handelt sich um DEN Zölibat, nicht um DAS. Wie so manches in der Kirche, ist er Menschenwerk, bereits - oder erst - 1079 unter Papst Gregor VII eingeführt. Damit steht dieser Beschluss zu einem Bibeltext im Widerspruch: "Es soll aber ein Bischof unsträflich sein, eines Weibes Mann, nüchtern, mäßig, sittlich, gastfrei, lehrhaft..." (1. Timotheus 3,2) Eigentlich bräuchten sich die Ablehner des Zölibats nur auf diesen Text berufen. Und was für Bischöfe recht ist, sollte für alle anderen Ämter billig sein.
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