Sa., 26.05.12

Rente für Bauern 07.05.2010 Mit Hof nichts los

Bauernhof (Foto)
Die Bauernhofidylle würden viele Landwirte auch im hohen Alter länger genießen. Bild: ddp

Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert

Wer als Bauer Rente beziehen will, muss seinen Hof abgeben. Doch mehr als 40 Prozent finden keinen Nachfolger, weshalb die Grünen das Gesetz ändern wollen. Regierung und Bauernverbände sind dagegen, viele Bauern aber unzufrieden.

Schon 1999 gab es mehr Höfe als Bauern. Nur bei knapp 35 Prozent aller Betriebe mit Landwirten über 45 Jahren war die Nachfolge geklärt, 43 Prozent hatten definitiv keinen Nachfolger. Die Tendenz ist seit Jahren ungebrochen, das Höfesterben ein großes Problem, sagt Jens Dörschel, Mitarbeiter der Grünen-Politikerin Cornelia Behm. Die Hofnachfolge wird zwar nur alle zehn Jahre statistisch untersucht, aber was er meint, sind die anderen Strukturdaten der Landwirtschaft: 2001 gab es noch 450.000 landwirtschaftliche Betriebe, seitdem gehen die Zahlen zurück. 2007 waren es noch 375.000 Betriebe.

Das Problem: Landwirte bekommen erst dann Rente, wenn sie mindestens 65 Jahre alt sind, vor allem aber ihren Hof abgegeben und ihre Arbeit niedergelegt haben. Cornelia Behm findet das ungerecht gegenüber Arbeitnehmern in anderen Branchen, die eine Rente beziehen, auch wenn sie weiter arbeiten. Deshalb hat die Politikerin zusammen mit ihrer Fraktion die Regierung aufgefordert, die Hofabgabeklausel von 1957 abzuschaffen.

«Es kann angesichts von demographischem Wandel, Höfesterben und vielfach fehlenden Hofnachfolgern nicht mehr richtig sein, Landwirte bei Eintritt ins Rentenalter zur Aufgabe der Erwerbstätigkeit auf dem eigenen Hof zu drängen», sagt Behm. Der Antrag ihrer Partei wurde im Bundestag noch nicht verhandelt, aber schon jetzt ist klar, das er kaum eine Mehrheit finden wird.

Regierung hält an Hofabgabeklausel fest

«Wir würden dann mit den 3,8 Millionen Euro, die der Bund jährlich für die Alterssicherung der Landwirte bezahlt, laufende Betriebe subventionieren», erklärt Peter Bleser, landwirtschaftlicher Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, warum er für die Hofabgabeklausel ist. «Außerdem wollen wir jüngeren Nachfolgern die Hofübernahme nicht erschweren», sagt Bleser.

Genau das ist der vorrangige der Zweck der Hofabgabeklausel: die Verjüngung der Landwirtschaft. Dieses Ziel trage nicht mehr, heißt es von den Grünen, weil die Kinder von ins Rentenalter gekommenen Landwirten meist selbst in einem Alter seien, in dem sie beruflich und familiär oft an einem anderen Ort Fuß gefasst hätten.

«Wie soll das denn gehen?», sagt auch Reiner Lämmel, Milchbauer aus dem sächsischen Erzgebirge, der mit 62 Jahren gerade nach einem Nachfolger sucht. «Wir haben in Deutschland ein Durchschnittsalter von 43 Jahren, ich schätze in der Landwirtschaft liegt das deutlich höher.»

«Die junge Generation muss rankommen»

Genau das ist für Gunther Hiestand ein Argument für die Hofabgabeklausel. Der Vorsitzende des Bundes deutscher Landjugend (BDL) kritisiert, dass es trotz dieser Regelung heute noch immer Höfe gebe, auf denen die junge Generation nicht zum Zuge komme.

«Da gibt der ältere Herr den Hof nicht ab, bis er 80 ist und gar nicht mehr kann. Der Nachfolger ist bis dahin auch schon 50», sagt Hiestand. Zwar entscheide sich nicht jeder Sohn mehr automatisch für die Landwirtschaft, aber es gebe viele Quereinsteiger, die bereit wären einen Hof zu übernehmen.

Das kann auch Reiner Lämmel bestätigen, der zwar keine eigenen Kinder hat, dem es an Interessenten für seinen Hof aber nicht mangelt. Allerdings sei es schwierig, da Quereinsteiger oft nicht viel von der Landwirtschaft verstünden. Außerdem will Lämmel mit seiner Mutter auf seinem Hof wohnen bleiben. «Wir haben genug Platz, sogar noch ein zweites Haus, aber das muss mit dem Nachfolger dann schon passen», sagt er.

Auf die Unterstützung der Bauernverbände baut Lämmel nicht. «Die schauen doch nur zu, wie der Bauernstand zerstört wird.» Zumindest in Sachen Hofabgabe ist der Deutsche Bauernverband (BDV) ebenso wie der BDL gegen den Antrag der Grünen. Im Oktober vergangenen Jahres hat sich der DBV mit der Hofabgabeklausel beschäftigt und die Rechtslage bis auf wenige Details verteidigt.

Bauern wollen gegen Hofabgabeklausel klagen

Werner Seeger ärgert das. Der Landwirt aus dem ostwestfälischen Landkreis Herford will sogar gegen die Klausel klagen und hat sich dafür mit anderen älteren Bauern zusammengeschlossen. Früher sei die Regelung durchaus sinnvoll gewesen, damit die Nachfolger schneller ans Ruder kamen, sagt Seeger. Heute sehe das aber oft anders aus: «Auf vielen Höfen fehlen die Nachfolger, weil die Ehe kinderlos geblieben ist oder die Kinder den Aufwand scheuen», sagt Seeger.

In diesen Tagen führt das Statistische Bundesamt die Landwirtschaftszählung durch, bei der zum ersten Mal seit 1999 Landwirte über 45 Jahre explizit danach gefragt werden, ob sie einen Hofnachfolger haben. Reiner Lämmel ist noch nicht befragt worden. Aber er ist sowieso optimistisch. «In drei Jahren, wenn ich in Rente gehen kann, habe ich hoffentlich jemanden gefunden.»

iwi/news.de
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