Sa., 26.05.12

Ölpest 04.05.2010 Das dicke Ende kommt bestimmt

Tödlicher Ölteppich erreicht US-Südküste (Foto)
Augentropfen für einen ölverschmierten Vogel. Bild: dpa

Öl sprudelt, Tiere sterben und die BP-Aktie sinkt. Noch betrifft das große Sterben hauptsächlich Mikroorganismen. Doch das dicke Ende droht, weil das Öl monatelang weiterrinnen wird. Experten fragen: Könnte im Wattenmeer Ähnliches passieren?

Die Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko nimmt immer größere Ausmaße an. Das Bohrloch, aus dem seit zwei Wochen Erdöl ins Meer strömt, kann nach Expertenmeinung erst in einigen Monaten abgedichtet werden. Der verantwortliche Energiekonzern BP teilte in London mit, die Arbeiten würden «rund drei Monate» dauern. Die BP-Aktie verlor unterdessen weiter an Wert.

Die Ölpest habe allmählich Folgen wie ein schweres Tankerunglück, meinte der Meeresbiologe Christian Bussau von der Umweltschutzorganisation Greenpeace. «Das wirkliche Drama spielt sich bislang noch unter der Wasseroberfläche ab», sagte Bussau im ZDF-Morgenmagazin. Bislang seien vor allem Kleinlebewesen betroffen. Was noch komme, sei bisher nicht absehbar.

Metallglocke ist einzige Chance

Die Einsatzkräfte im Golf von Mexiko wollen möglicherweise heute damit beginnen, Öl von der Wasseroberfläche abzuschöpfen. BP hofft auch, erneut Öl auf See abfackeln zu können. Hohe Wellen hatten beides in den vergangenen Tagen verhindert. Bis zum Dienstagmorgen (Ortszeit) gab es keine Hinweise, dass Ölklumpen in größerer Menge die nahe gelegene US-Küste erreichten.

BP will eine 65 Tonnen schwere Kuppel über das offene Bohrloch stülpen. Damit soll das austretende Öl aufgefangen und kontrolliert an die Oberfläche geleitet werden. Erfahrungen damit haben die Experten nicht: Nach Angaben von BP-Manager Doug Suttles vom Montag wurde diese Methode bisher nur in flachem Wasser angewandt. Das offene Bohrloch liegt aber in 1500 Metern Tiefe.

US-Küste
Ölteppich immer näher
Video: Youtube

Geologie-Professor Lorenz Schwark von der Universität Kiel hält den Einsatz der Metallglocke allerdings für die einzige Möglichkeit, den Ölfluss relativ rasch unter Kontrolle zu bekommen. «Kurzfristige Möglichkeiten sind extrem begrenzt», sagte Schwark. Auch dies helfe aber nur für den Übergang: «Man muss ein zweites Loch bohren», erklärte der Professor.

Gefahr fürs Wattenmeer?

Schwark schätzte die Gefahr, dass ein ähnliches Unglück das Wattenmeer verschmutzt, als eher gering ein. Das einzige deutsche Bohrloch auf der Mittelplate sei mit einer Betonwanne gesichert. Die Umweltorganisation Nabu warnte allerdings: «Ein Ölunfall in dem äußerst empfindlichen Wattenmeer könnte unter anderem den gesamten europäischen Bestand der Brandgans gefährden.»

Der Nabu forderte deshalb einen Verzicht auf weitere Ölbohrungen im Wattenmeer, wie die Betreiber sie planten. Auch der stetig wachsende Schiffsverkehr bedrohe die empfindlichen Ökosysteme an Nord- und Ostseeküste. Für den Golf von Mexiko fürchten Fachleute schlimmere Auswirkungen als beim Unglück mit dem Tanker «Exxon Valdez» vor der Küste Alaskas im Jahr 1989.

Damals strömten knapp 40.000 Tonnen Rohöl ins Meer und mindestens 250.000 Seevögel verendeten. Im Golf von Mexiko bedrohe das Öl brütende Küstenvögel wie Braunpelikane und Rötelreiher, sagte Nabu-Präsident Olaf Tschimpke. Neben Strandbrütern wie Seeregenpfeifern seien auch Delfine, Meeresschildkröten und Fische im weit verzweigten Mississippi-Delta gefährdet.

BP übernimmt die Verantwortung

BP-Chef Tony Hayward räumte die Verantwortung des Konzerns für die Katastrophe ein. «BP ist verantwortlich für dieses Leck. BP wird die Rechnung begleichen», sagte Hayward nach Angaben des britischen Rundfunksenders BBC. Die BP-Aktie knickte deutlich ein. Im frühen Handel an der Londoner Börse verlor das Papier angesichts der erwarteten Milliardenkosten 4,60 Prozent seines Werts.

In scharfen Worten hatte  US-Präsident Barack Obama das Unternehmen am Sonntag für die Ölpest verantwortlich gemacht und betont: «BP wird die Rechnung dafür bezahlen.» Britische Zeitungen errechneten, dass dem Ölkonzern Kosten von bis zu acht Milliarden Dollar (gut sechs Milliarden Euro) drohen könnten - Schadenersatz für die Fischerei- und Touristikbranche eingeschlossen.

iwi/reu/news.de/dpa
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Kommentar  
Ihr Name
Ihre Emailadresse
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.
'6Ld52csSAAAAAKTxfdwmi0Ay4Tjghi64k3PAcWrj'

Ölpest: Das dicke Ende kommt bestimmt » Gesellschaft » Nachrichten

URL : http://www.news.de/gesellschaft/855055414/das-dicke-ende-kommt-bestimmt/1/

Schlagworte:

Alaskas , Angaben , Äußerst , Ausmaße , Auswirkungen , Barack , BBC , Behörden , Bestand , Betont , Betreiber , Betrifft , Bohrloch , Börse , BP , BP-Chef , Britische , Christian Berkel , Christian Danner , Christian Görlitz , Christian Jaletzke , Christian Jeltsch , Christian Klaue , Christian Lademann , Christian Polanc , Christian Redmann , Christian Schacht , Christian Schönhals , Christian Stief , Christian Taube , Christian Theede , Delfine , Dienstag , Dienstagmorgen , Dollar , Doug Hutchison , Doug Spradley , Drama , Droht , Einsatz , Einsatzkräfte , Energiekonzern , Erdöl , Erfahrungen , Erreichten , Euro BP , Euro Dollar , Euro Handel , Experten , Expertenmeinung , Exxon , Fachleute , Farben Fürs , Firmen , Fische , Fischerei , Folgen , Fürchten , Gefahr , Gefährdet , Geleitet , Gering , Gesichert , Golf , Greenpeace , Größere , Handel , Hauptsächlich , Hayward , Hertel Passieren , Hinweise , Hobby Golf , Höhe , Informationen , Internet , Jahr , Katastrophe , Kiel Baltic , Kiel Berlin-TuS , Kiel FC4310 , Kiel Hammerlose , Kiel HC-TSV , Kiel Hildesheim-Füchse , Kiel Mona , Kiel Prof , Kiel Vorlauf , Kleinlebewesen , Kontakte , Kontrolle , Kontrolliert , Konzerns , Kosten , Kuppel , Kurzfristige , Küste , Leck , Loch , London , Londoner , Lorenz Caffier , Lund Universität , Meer Aber , Meer Altstadt , Meer Fische , Meer Griechische , Meer Schweiz , Meer Wärmer , Meeresschildkröten , Menge , Metern , Methode , Mexiko , Milliarden , Milliardenkosten , Mississippi-Delta , Möglichkeit , Möglichkeiten , Monate , Monaten , Montag , Morgenmagazin , Nabu , Nachrichtenagentur , Obama , Oberfläche , Offene , Ökosysteme , Öl , Olaf Fechner , Olaf Kreinsen , Olaf Markhoff , Olaf Neuenfeld , Olaf Tschimpke , Olaf Wolters , Olaf Wortmann , Ölbohrungen , Ölklumpen , Ölkonzern , Ölpest , Orte , Ortszeit , Ostseeküste , Papier , Passieren , Präsident , Professor , Prozent , Rasch , Rechnung , Rohöl , Schadenersatz , Schiffsverkehr , See Genezareth , See Lipowo , See Map , Sonntag , Stetig , Sturm Londoner , Suttles , Tagen , Tanker , Tiefe , Tiere , Tonnen , Tony Bennett , Tony Brown , Tony Campbell , Tony Hayward , Tony Martin , Tony McQuay , Tony Montana , Tony Skinn , Tschimpke , Übergang , Umweltkatastrophe , Umweltorganisation , Umweltschutzorganisation , Unglück , Unglücksstelle , Universität , Unternehmen , URL , US-Präsident , USA Gut , Valdez , Verantwortung , Verhindert , Verlor , Veröffentlichung , Verzicht , Wasser , Wasseroberfläche , Wattenmeer , Wellen , Wert Ausschlaggebend , Werts , Wochen , Worten , ZDF , Zeitungen , Zweites ,
Wir empfehlen
Anzeige
Facebook
Twitterbox
Follow Us!
Anzeige