Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert
Seit der Explosion der Bohrinsel «Deepwater Horizon» sind etwa 1000 Tonnen Öl ins Meer geströmt. Eine Katastrophe? Ja, aber ein Klacks gegen das, was Alltag ist auf den Meeren: Plattformen leiten Öl stetig und legal ins Meer, Schiffe verklappen es schnell und illegal.
1000 Tonnen Öl sorgen seit sieben Tagen für Schlagzeilen. 1000 Tonnen, die abgefackelt werden sollen, weil sie die Strände von Louisiana bis Texas bedrohen und Vögel mit verklebten Flügeln verenden lassen. Allein die 400 Plattformen in der Nordsee leiten jedes Jahr mehr als das Zehnfache davon ins Meer - einfach so, im normalen Betrieb und völlig legal.
Das zumindest sagen Schätzungen von Greenpeace und unabhängigen Meeresbiologen einhellig. Weitere 10.000 Tonnen Öl verklappen Schiffe demnach, weil sie Reste aus ihrem Maschinenraum oder ihrer Ladung nicht teuer im Hafen entsorgen wollen. Übers Jahr passieren also zwischen Deutschland und Skandinavien 20 Katastrophen, die das aktuelle Ausmaß von «Deepwater Horizon» haben. Nur, dass es über sie keine Schlagzeilen gibt.
Dabei leiden Fische und Algen unter dieser sogenannten chronischen Ölverschmutzung langfristig viel stärker als bei einem leckgeschlagenen Tanker oder einer gesunkenen Ölplattform. «In der Nordsee ist der Meeresboden im Umkreis von 500 Metern um eine Ölplattform tot. Dort gibt es keine größeren Tiere mehr», sagt Christian Bussau, Schifffahrtsexperte bei Greenpeace und meint mit «größeren Tieren» nicht etwa nur große Fische, sondern auch Seeigel und Seesterne. «Bei 400 Ölplattformen summiert sich das auf 4000 bis 5000 Quadratkilometer Nordseeboden, die so stark geschädigt sind, dass nur noch Kleinsttiere überleben», erklärt Bussau.
Öltanker dürfen Teil der Ladung ablassen
Diese schleichenden Öleinleitungen sind nicht verboten, sie passieren, weil Ölplattformen eben so funktionieren: Die Bohrer fördern kein reines Öl, sondern ein Gemisch aus Gas, Öl und Wasser. Letzteres wird auf der Plattform vom Öl abgeschieden und zurück ins Meer geleitet. «Da sind noch Reste vom Öl drin und die summieren sich unglaublich auf», sagt Bussau.
Auch Schiffen ist es erlaubt, unter bestimmten Umständen Öl ins Meer zu pumpen. Wie, das regelt das internationale Umweltübereinkommen Marpol. Öltanker können demnach auf großen Meeren wie dem Pazifik oder dem Atlantik einen Teil ihrer Ladung ins Meer leiten, wenn sie in voller Fahrt sind und das abgelassene Öl 1/30.000 der Gesamtladung nicht übersteigt. Doch selbst bei einem recht kleinen Tanker, der 28.000 Tonnen Öl geladen hat, könnte das knapp eine Tonne sein - bei jeder Fahrt.
Den größten Anteil an der Ölverschmutzung haben Schiffe jedoch über illegale Einleitungen von Öl, das sie im Hafen eigentlich teuer entsorgen müssten. 200 Schiffe inspiziert die Bremer Wasserschutzpolizei im Jahr, und manchmal sind die Kapitäne besonders kreativ, wenn es darum geht, Ölschlamm vom Betrieb des Schiffes loszuwerden. Auf einem Frachter zum Beispiel fanden die Beamten eine komplizierte Konstruktion, die über mehrere Gartenschläuche Öl ins Meer ableitete.
Polizei Hamburg: Weniger Fälle illegaler Öleinleitung
Solche Fälle kommen auch bei Andreas Schöpflin in Hamburg manchmal vor. Insgesamt aber würden immer weniger solcher illegaler Öleinleitungen auf Schiffen gefunden, sagt der Sprecher der Polizei der Hansestadt. «International hat sich der Kontrolldruck erhöht und durch bessere, ölsparende Technik an den Schiffen gibt es heute auch gar nicht mehr so viel Ölschlamm, der entsorgt werden müsste.»
Auch die Zahlen von Schifffahrtsexperte Christian Bussau scheinen das zu bestätigen - zumindest in der Ostsee, wo es keine Ölplattformen gibt und tatsächlich nur Schiffe für schleichende Öleinleitung sorgen können. Ging er 2006 noch von jährlichen 20.000 Tonnen Öl aus, schätzt er heute, dass noch etwa 5000 Tonnen im Meer landen.
Bussau widerspricht Schöpflin von der Polizei Bremen allerdings, wenn der sagt, die Strafen für Schiffskapitäne und Reedereien, die illegal Öl einleiteten, seien ausreichend. «Die meisten werden ja gar nicht erwischt», sagt der Experte von Greenpeace. Und wenn es Strafen gebe, dann seien die viel zu niedrig und für eine Reederei locker zu bezahlen.
iwi/ivb/news.de
Irgendwie ist schon fast irre: Im Golf seit drei Monaten das Umweltdrama der "Deepwater Horizon".Bei uns z.B. in der Nordsee sind ähnliche Fälle an der Tagesordnung und werden pressemäßig garnicht erwähnt-oder bewußt todgeschwiegen! Scheint schon genau abgestimmt: Nur nichts an die Presse-wir werden schon mit den Vorfällen fertig!Was seit der Nordsee-Ölförderung danebengegangen ist-weis nur Greenpeace und einige andere Umweltaktionisten! Was tun die Anrainerregierungen? nichts- jedenfalls nichts einschränkend gravierendes! Obwohl mindestens 20(!)ähnliche prekäre Vorfälle in den letzten Jahre..
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