Die Landwirtschaft könnte zu den Gewinnern des Klimawandels gehören. Wenn genug Wasser da ist, werden durch die steigenden Temperaturen zwei Ernten möglich, prognostizieren Meteorologen vom Deutschen Wetterdienst.
Deutschlands Landwirte müssen sich mittelfristig auf deutlich trockenere Sommer einstellen. Vor allem im Nordosten wird es im Frühling und Sommer weniger Regen geben, dafür mildere, feuchte und frostfreie Winterm sagt der Deutsche Wetterdienst (DWD) in seinem Klima-Report 2009 voraus.
Es gelte deshalb, vielerorts auf andere, wärmeliebende Getreide- und Fruchtsorten auszuweichen und auch neue Wege bei der Bewässerungstechnik zu gehen, betonte DWD-Klimaexperte Paul Becker in Berlin. Trotz des vergangenen kalten Winters gehe die Reise des Klimazuges langfristig klar in eine Richtung. «Er fährt bergauf», sagte DWD-Präsident Wolfgang Kusch.
Die vergangene Dekade sei die wärmste seit 130 Jahren gewesen. «Von einer Trendumkehr kann keine Rede sein», wies Kusch kritische Einwände gegen den Klimatrend zurück, die nach einigen Berechnungsfehlern des Weltklimarates laut worden waren. «Hier muss man die Kirche im Dorf lassen.» Zudem gebe es anders als bei der Durchschnittstemperatur bei der CO2-Konzentration keinerlei Auf und Ab: «Jedes Jahr bringt höhere Werte. Wir müssen handeln!»
Erträge steigen, wenn genügend Wasser da ist
Bis zum Ende des Jahrhunderts erwarten die DWD-Experten trotz derzeitiger Klimaschutzbemühungen einen Temperaturanstieg von zwei bis vier Grad Celsius. Neben ihren eigenen umfangreichen Messdaten legten die Wetterexperten dazu auch diverse Klimamodelle anderer Forschungseinrichtungen zu Grunde.
Für die Landwirtschaft heißt das laut DWD zweierlei: «Die Erträge können steigen, weil zweimal geerntet werden kann. Entscheidend ist allerdings, ob ausreichend Wasser vorhanden ist», sagte Becker. So bringen auch die milderen Winter mögliche Probleme: Durch den fehlenden Frost werden die Böden nicht aufgelockert. «Alle Landwirte müssen damit rechnen, dass mildere Winter die Gefahr von Schädlingsbefall erhöhen und neue Schädlinge einwandern», sagte Becker und erinnerte an die Blattlausplage nach dem milden Winter 2006/07.
Auch die Wälder müssten sich verändern, um bestehen zu können: Statt auf die Hitze- und Trockenheits-empfindlichen Fichten werden Förster vermehrt auf robustere Douglasien und Roteichen setzen. Auch gegen Schädlinge wie Mai- oder Borkenkäfer seien Mischwälder widerstandsfähiger. Viele regionale Details seien noch unklar, betonte Becker. Aber vermutlich werde die nordeuropäische Landwirtschaft, wenn sie sich den veränderten Bedingungen anpasse, zu den Profiteuren des Klimawandels gehören.
tfa/news.de/dpa