Die wabernde Gefahr vor der Küste
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Von Kevin McGill
Artikel vom 27.04.2010
Noch zittern sie nur. Seit einer knappen Woche treibt das Öl aus der Bohrinsel «Deepwater Horizon» vor der US-Südküste, es nähert sich langsam und bedrohlich. Ökosysteme sind in Gefahr - Umweltschützer haben so etwas noch nie erlebt.
Die Köchin Oleander Benton war gerade in der Wäschekammer, als das Licht ausging. Dann krachte es. Die Bohrinsel «Deepwater Horizon» erbebte, Teile der Decke fielen herunter. Benton rannte durch die Gänge, immer einem Mann im weißen T-Shirt hinterher. «Ich konnte nichts sehen, außer dem Mann. Er sagte immer wieder: ‹Komm hier lang, komm da lang.› Er hat mich zum Rettungsboot geführt.» Sie schaffte es über das mit Ölschlamm verschmierte Deck ins Boot, in Sicherheit. 115 Menschen konnten sich retten, elf Arbeiter werden vermisst und sind vermutlich tot.
Eine Woche nach der Explosion der inzwischen untergegangenen Plattform breitet sich an der Unglücksstelle ein schillernder Ölteppich aus, so weit das Auge reicht. Experten bemühen sich mit allen erdenklichen Mitteln, eine Umweltkatastrophe an der Südküste der USA zu verhindern. Mit Tauchrobotern versuchten sie, Ventile gängig zu machen und so das Leck an der Bohrstelle abzudichten, aus dem tagtäglich rund 150.000 Liter Rohöl ins Meer fließen.
«Etwas in dieser Größenordnung haben wir noch nie gesehen»
Wenn das den Experten nicht rasch gelingt, werden sie möglicherweise eine neue Bohrung niederbringen müssen, um das Öl abzuleiten. Der Ölmulti BP hat dafür bereits zwei weitere Bohrinseln aufgetrieben. Doch eine Entlastungsbohrung kann zwei Monate brauchen - und bis dahin droht längst eine Ölpest an den Küsten mehrerer US-Staaten, von den weißen Sandstränden Floridas bis zu den Sümpfen Louisianas.
Zudem plant BP, eine riesige Kuppel auf den Meeresgrund hinabzulassen, um das austretende Öl aufzufangen und nach oben in einen Tanker zu pumpen. Doch bis die Ausrüstung vor Ort ist, kann auch ein Monat vergehen. «Das System ist schon in flacherem Wasser eingesetzt worden, aber noch nie in 1.500 Metern Tiefe. Also müssen wir vorsichtig sein», erklärte ein Unternehmensvertreter.
In drei Tagen schon könnte die Brühe an Land schwappen. Der schillernde Ölteppich bewegt sich langsam nordwärts und breitet sich zugleich in östliche und westliche Richtung aus. Die Chandeleur-Inseln vor Louisiana hat er fast erreicht.
Der Ozeanograph George Crozier vom Dauphin Island Sea Lab in Alabama beobachtet die Luft- und Meeresströmungen und versucht abzuschätzen, wohin das Öl treibt. Pensacola in Florida bilde vermutlich den Ostzipfel des gefährdeten Gebiets, meint er, wenn auch die Auswirkungen nicht abzusehen seien. «Etwas in dieser Größenordnung haben wir noch nie gesehen», sagt er. «Das Problem werden die Strände selbst sein. Dort wird man es wirklich sehen.»
Vögel und Austern sind in Gefahr
Die Besorgnis gilt vor allem den Chandeleur- und Breton-Inseln vor Louisiana, wo tausende Vögel brüten. «Das ist ohnehin ein fragiles System», erklärt der Wissenschaftler Mark Kulp von der Universität New Orleans. «Es wäre verheerend, wenn diesem System etwas passiert.»
Gefährdet sind auch die Austernbänke in der Breton-Meerenge östlich des Mississippis. Die Muschelzüchter können nur abwarten. «Das ist unser ertragreichstes Gebiet», erklärt John Tesvich, Austernfischer in vierter Generation. Wenn das Öl kommt, sind 1.600 Hektar Austernbänke seiner Firma in Gefahr. Er hält nicht viel von der Idee, sie auf gut Glück umzusiedeln. «Du weißt doch nicht, wohin. Vielleicht bringst du sie wohin, wo es noch schlimmer wird.»
iwi/ivb/news.de/ap
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