Von Hazhem Mohammed und Anne-Beatrice Clasmann
Er fiel einfach aus seiner Mutter und versetzt seitdem seine Umwelt immer wieder in Panik. Denn Abbudschi kam handtellergroß und mit schlohweißem Haar zur Welt. 15 Jahre nach seiner Geburt ist der winzige Iraker einen halben Meter klein und soll ins Guiness-Buch.
Als Abbas Hussein al-Helu vor 15 Jahren in einem irakischen Provinzkrankenhaus zur Welt kam, rannten die Ärzte schreiend aus dem Zimmer. Sie glaubten, einen Geist vor sich zu haben. Denn der Säugling, der da vor ihnen auf dem Boden lag, hatte schlohweißes Haar und war nur so groß wie ein Handteller.
Abbas, der fünfte Sohn eines Fabrikarbeiters aus der 170 Kilometer südlich von Bagdad gelegenen Stadt Al-Kut, ist auch heute noch ein Winzling. Seine Eltern wollen, dass er als kleinster Mann der Welt ins Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen wird. Sie sagen, Abbas, den sie zärtlich Abbudschi nennen, sei heute 45 Zentimeter groß.
«Als ich die Wehen spürte, brachten sie mich ins Al-Noamanija-Krankenhaus in Al-Kut. Doch die Ärzte sagten mir, sie sähen keinerlei Anzeichen für eine bevorstehende Geburt. Da sprang ich mit aller Kraft vom Bett hinunter und plötzlich kam Abbudschi ganz von allein aus mir heraus», erzählt seine Mutter. In einer Plastiktüte trug sie ihren Sohn nach Hause, wo er seither für viel Aufregung sorgt. «Abbudschi ist ein wildes Kind, das mir im Haus immer viel Ärger macht und Streit mit den Nachbarskindern anzettelt. Er verprügelt die anderen Kinder und schlägt auch den eineinhalb Jahre alten Sohn seines älteren Bruders fast täglich», klagt die Mutter.
Als sie sich zur Wallfahrt in die zentralirakische Stadt Kerbela aufmachte, nahm sie Abbas in einem Einkaufskorb mit. Weil der Kleine schlief, stellte sie den Korb neben einer Gruppe fremder Frauen ab und ging allein los, um die schiitischen Heiligtümer der Stadt zu besuchen. Plötzlich wurde Abbas wach, er zog eine Grimasse und rief einer fremden Frau zu: «Tante, bitte bring mir Wasser! Ich bin so durstig.» Kreischend lief die Frau davon. Auch sie glaubte, ein Geist hätte mit ihr gesprochen, wie die Mutter weiter erzählte.
Warum Abbudschi im Irak als Nils bekannt ist
Abbas macht seiner Familie nicht nur Kummer. Er hat die Familie auch berühmt gemacht. Das freut seine Eltern, deren fünf ältere Söhne alle arbeitslos sind. Demnächst wollen sie mit ihm nach Beirut reisen, wo ein arabischer Fernsehsender, der seine Bewerbung um den Guinness-Buch-Eintrag unterstützt, Abbas vermessen lassen will. Bislang galt der 1988 in China geborene He Pingping mit einer Körpergröße von 74,61 Zentimetern als kleinster Mann der Welt. Der Chinese starb im vergangenen März in Rom.
Abbas verbringt seine Zeit am liebsten mit einem Glas Milch in der Hand vor seiner Videospiel-Konsole. Sein Vater, der in einer Tuchfabrik arbeitet, erinnert sich daran, wie es seinem kleinen Sohn einst gelang, einem Mann den Schock seines Lebens zu versetzen. Der Vater hatte diesen Herrn, mit dem er auf der Straße in Streit geraten war, in sein Haus gebeten. Da fiel der Strom aus, was im Irak jeden Tag mehrfach passiert. In der Dunkelheit kletterte Abbas leise auf den Schoß seines Vaters. Als es wieder hell wurde im Zimmer, sah der Fremde Abbudschi. Er fiel vor Schreck in Ohnmacht.
In seiner irakischen Heimat ist Abbas Hussein al-Helu unter dem Namen «Nils» bekannt. Denn in den 1980er Jahren, als das Land Krieg gegen den Iran führte und Saddam Hussein in Bagdad an der Macht war, war im Irak die Zeichentrick-Serie Die Abenteuer des Nils sehr populär. Die Serie basiert auf dem Roman Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen von Selma Lagerlöf, in dem es um einen Jungen geht, der wegen seiner Boshaftigkeit in einen Däumling verwandelt wird.
iwi/ivb/news.de/dpa