Sa., 26.05.12

Protestaktion 26.04.2010 Nackte Brüste gegen Prediger-Hetze

Brüste (Foto)
Das Logo der Aktion. Bild: Jen McCreight

Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert

Unzüchtig gekleidete Frauen sind Schuld an Erdbeben, verkündete ein Geistlicher im Iran kürzlich. Eine US-Studentin wollte das Gegenteil beweisen und rief zum «Boobquake» auf: Weltweit hoffen tief dekolletierte Frauen heute darauf, dass wegen ihnen nicht die Erde bebt.

Wenn das so weiter geht, hat Kasem Sedighi am Ende noch recht. Fünf Stunden war der Tag in Europa gerade alt, als vor der taiwanischen Küste die Erde bebte. Doch die 6,9 auf der Richterskala sind für die US-Studentin Jen McCraight noch kein Beweis dafür, dass unzüchtig gekleidete Frauen Erdbeben auslösen, wie es der iranische Geistliche kürzlich behauptete. «Das Erdbeben in Taiwan ist nicht statistisch signifikant», schreibt McCraight in ihrem Blog. Erst wenn es heute viele solcher Ereignisse gebe, mehr, als Wissenschaftler im Durchschnitt voraussagen, sei sie bereit, «der Macht der Unanständigkeit zu huldigen».

McCraight fand das, was der muslimische Kleriker in einer Teheraner Moschee predigte, so irrwitzig, dass sie das noch irrwitziger beantworten wollte. Sie legte eine Facebook-Fanpage an und lud im sozialen Netzwerk Frauen für heute zum Boobquake (dt. etwa: Brustbeben) ein. Mehr als 180.000 folgten ihr und wollen heute im Büro und auf den Straßen Haut zeigen. Selbst kleine Demos soll es geben: In Vancouver haben sich 50 Frauen zum öffentlichen Brustzeigen verabredet.

Vor allem aber findet die Aktion im Internet statt. Frauen wie Laurel Thomson aus Edinburgh in Schottland zeigen gleich mit ihrem Twittericon, was sie haben. Und mit Tweets im Sekundentakt klettert das HashtagSchlagwort, bei Twitter gekennzeichnet mit einem Raute-Zeichen Boobquake die Trendcharts des Mikrobloggingdienstes nach oben. Die passenden T-Shirts für das Event gibt es inzwischen auch schon zu kaufen - allerdings haben die Designer dabei auf Dekolletés verzichtet, zugunsten von Boobquake-Sprüchen.

Kritiker: Frauen werden zum Objekt degradiert

McCraight scheint der Rummel um ihre Aktion fast schon peinlich zu sein. Wenn sie gewusst hätte, dass ihr «privater Witz» die weltweite Runde macht, dann hätte sie ihren Aufruf besser organisiert, schreibt sie. Doch gerade weil die Aktion ohne klare Organisation allein übers Netz zum Hype geworden ist, löst McCraight Begeisterung bei Social-Media-Enthusiasten aus. «Für viele ist das ein Beispiel dafür, wie Social Media Öffentlichkeit erzeugen und Diskussionen auslösen können», schreibt das amerikanische Blog Mashable.

Trotz allen Erfolges und aller Euphorie: Kritik an der Aktion kommt von einigen feministischen Gruppen. Das sei nur ein weiteres Beispiel, wie Frauen zu Unrecht zum Objekt degradiert würden, heißt es. «Ich vermute, wir würden uns mit tiefem Dekolleté auf eine ähnliche Ebene begeben, auf der Sedighi argumentiert. Da verweise ich lieber auf die Tücken der Plattentektonik, also auf die Wissenschaften», schreibt die deutsche Modebloggerin, Patricia Guzman. Das feministische Blog Mädchenmannschaft findet die Aktion grundsätzlich gut, bedauert aber, dass die iranischen Frauen daran nicht teilnehmen können. «Vielleicht blitzen ja ein paar Teheranerinnen mit der Fußsohle oder dem Handgelenk», schreibt Meredith.

McCreight versteht die Kritik. «Diese ekligen Kommentare, die manche Männer auf der Facebook-Seite und im Blog hinterlassen, sind wirklich ein Grund, sich zu sorgen», schreibt sie und versucht, von der politischen Dimension ihrer Aktion auf die wissenschaftliche zu lenken: Es gehe schließlich darum, die Erdbeben heute mit Durchschnittswerten zu vergleichen. Etwa 24 Erdbeben gibt es weltweit am Tag, die stärker sind als ein vor dem Haus vorbeirollender LKW, sagt die Statistik des Geo-Forschungszentrums in Potsdam. Ein starkes Erdbeben in Taiwan ist also wirklich noch kein Beweis dafür, dass Brüste Erdbeben auslösen.

iwe/ivb/news.de
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