Mo., 13.02.12

Sexshop für Muslime Scharia-konforme Schmuddeleien

Von Thomas Burmeister

Artikel vom 20.04.2010

Es gibt je eine virtuelle Tür für Männer und Frauen - streng getrennt. Das Angebot des ersten Online-Sexshops für Muslime ist garantiert alkohol- und schweinefettfrei. Und auch von Nacktheit keine Spur.

Die Idee kam ihm auf seiner Pilgerreise nach Mekka. «Sogar unweit der heiligen Stätten gibt es, wie auch anderswo in arabischen Ländern, eine Boutique für Dessous», sagt der Amsterdamer Abdelaziz Aouragh. «Viele Leute halten so etwas kaum für möglich, weil sie Muslime als lustfeindlich ansehen.» Auch um das Gegenteil zu beweisen, hat der 29-jährige Familienvater jetzt den weltweit ersten Internet-Erotikshop eröffnet, der religiöse Vorschriften des Islam berücksichtigt. Mit Riesenerfolg.

«Bestellungen und Nachfragen kommen aus vielen Teilen der Welt», berichtet Aouragh. «Das Interesse ist enorm.» Anfangs war sogar ein zu klein dimensionierter Webserver unter rund 70.000 Klicks der ersten Stunden zusammengebrochen. Inzwischen aber steht El-Asira.eu im Netz, stabil und «Scharia-konform». So werden für Massageöle, Gleitgele und diverse Luststeigerer, die Aouragh in Schweden herstellen lässt, weder Alkohol, noch Schweinefett oder andere Produkte von Tieren verwendet, die nicht vorschriftsmäßig geschlachtet wurden.

Gäbe es ein Halal-Siegel für Sexprodukte, El Asira hätte es wohl verdient. Schon das Web-Eingangstor macht klar, dass Traditionen hochgehalten werden: Es gibt eine Tür für Männer und eine für Frauen. Islam-verträglich ist auch das Layout. «Wir haben selbstredend keine Nacktbilder oder gar pornografische Darstellungen verwendet», sagt der überzeugte Anhänger des Islam, der als Sohn eines marokkanischen Schreiners in Amsterdam geboren wurde. «Auch auf den Verpackungen gibt es keine Bilder, die in unserer Kultur verpönt wären.»

Natürlich wolle er mit El Asira Geld verdienen, sagt Aouragh. Schließlich habe er den Händlerinstinkt der Holländer verinnerlicht. Doch ebenso möchte er helfen, ein «falsches Image des Islam» zu korrigieren. «Das Bild von der Frau in der Küche, unterdrückt und eingezwängt in eine Burka ist nicht repräsentativ. Es gibt viel Liebe, Lebensfreude und Erotik zwischen muslimischen Paaren.»

«Wir wollen auch zur Diskussion in der islamischen Gemeinschaft anregen. Deshalb haben wir die Website El Asira genannt, das bedeutet Gesellschaft.» Allerdings gebe es Muslime, für die das Thema «Sex und Islam» tabu sei. «Kein Wunder, dass wir E-Mails mit Protesten und Drohungen bekommen haben. Doch das war vor allem, bevor die Website startete. Da hatten einige Leute wohl ganz schlimme Vorstellungen.»

Kritiker aus muslimischen Kreisen verweist der Online-Unternehmer auf den Imam Boularia Houari. Der 35-jährige, der in den Niederlanden predigt und muslimische Paare unter anderem in sexuellen Fragen berät, habe eigens den Rat von als konservativ geltenden Islamgelehrten in Saudi-Arabien eingeholt. «Die haben uns bestätigt, dass Sexualität im Islam grundsätzlich positiv bewertet wird, sowohl bei Männern als auch bei Frauen». Immerhin kannten Muslime schon vor Jahrhunderten Mittel zur Steigerung der sexuellen Lust und Begierde.

«Das ist heute noch so», berichtete Houari. «Viele Menschen haben zwar Vorbehalte gegen Viagra, aber nur weil das als Medizin angesehen wird», sagte er der Zeitung NRC Handelsblad. «Im Islam gibt es dafür Kräuter. Gelehrte empfehlen zum Beispiel Öl aus Mohnsamen mit Honig.» Im übrigen sei die Haltung des Islam zum Sex klar: «Außerhalb der Ehe verbietet er ihn, in der Ehe jedoch ermuntert er dazu.»

Genau darin liegt freilich ein Problem, das Aouragh mit seiner Online-Erotik für Muslime nicht lösen kann: Woher soll er wissen, ob der Käufer seiner Mittelchen mit Namen wie «Masculine», «Lovpil» oder «Pure Power» verheiratet oder single ist? Das liege nicht in seiner Verantwortung, habe ihm der Imam gesagt. «Für Sünden wird nach dem Tod jeder individuell bestraft.»

tfa/ruk/reu/news.de/dpa
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