Mo., 13.02.12

Lernstress Nicht quälen, aber dranbleiben

Artikel vom 23.04.2010

Referate, Klausuren - und das in mehr als einem Fach. Schule kann purer Stress sein. Für manche Schüler so sehr, dass sie schwänzen. Doch es gibt Tricks, mit denen sich der Druck reduzieren lässt.

Irgendwie wird alles zu viel: Der Aufsatz für Deutsch, der Test in Mathe und dann auch noch das Bio-Referat. Gute Leistung in der Schule zu bringen artet immer wieder in Stress aus. Das verkürzte Abitur hat die Situation verschärft. Es ist aber nicht das Unterrichtspensum allein, das Schüler überfordert. Mal üben ehrgeizige Eltern zu großen Druck aus, mal sind es die Lehrer oder Mitschüler.

Daraus muss aber kein Dauerzustand werden. Erste Schritte, dem Druck zu begegnen, liegen darin, Grenzen und Ziele festzustecken. Sich zum Abi zu quälen, ist keine Lösung. «Es kann besser sein, erst eine Ausbildung zu machen, die einem gefällt», sagt die Beratungslehrerin Christa Becktepe aus Aachen. «Für diejenigen, die später noch einen Abschluss machen wollen, führen auch andere Wege zum Abi - etwa über ein Abendgymnasium.»

Wer aber weiß, was das Ziel ist, kann seinen Stress aktiv reduzieren. Wichtig ist, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. «Sicherlich mögen viele Freizeitaktivitäten interessanter als das Lernen sein, aber regelmäßiges Lernen geht vor», sagt Norbert Hirschmann vom Landesverband Bayerischer Schulpsychologen. Aufschiebe- und andere Vermeidungsstrategien vergrößern die Probleme nur. «Stattdessen sollte man ‹ran an den Speck› mit dem Gefühl: ‹Ich schaff's!›»

Konsequent gegen Planlosigkeit

Stress entsteht meist durch schlechte Organisation. Ein Zeitplan kann helfen, rechtzeitig mit dem Lernen anzufangen, geballte Pauktage zu umgehen und dabei einen eigenen Rhythmus zu finden. Jeder macht es schließlich anders: «Manche setzen sich gleich nach der Schule an die Hausaufgaben, andere müssen erstmal abschalten», sagt Beate Friese vom Jugendtelefon «Nummer gegen Kummer» in Wuppertal. «Wichtig ist allerdings, den eigenen Plan einzuhalten und keine Ausreden zu suchen.»

Trotzdem werden die Pläne manchmal über den Haufen geworfen - etwa weil spontan ein Freund anruft, um sich zu verabreden. «Dann sollte man sich am Ende des Tages, vielleicht kurz vorm Schlafengehen, noch einmal überlegen, was man künftig besser machen könnte», rät Friese. Dann noch Hausaufgaben zu erledigen, hält sie hingegen für keine gute Idee.

Wer nicht allein für die Klassenarbeit üben will oder die Hausaufgaben nicht recht lösen kann, sollte versuchen, eine Lerngruppe zu gründen. «Zusammen zu arbeiten und sich den Stoff gegenseitig zu erklären, macht einem schnell klar, ob man das Gelernte wirklich verstanden hat», sagt Hirschmann. Nachhilfe ist sinnvoll, wenn große Lücken geschlossen werden müssen. «Dauerhaft ist das allerdings nicht so gut, weil das Gefühl für die eigene Leistung verloren gehen kann», warnt Friese.

Als Helfer beim Lernen erweist sich auch das Internet. Allerdings kann das auch den Stress steigern. «Am besten geht man möglichst ökonomisch mit dem PC um», rät Hirschmann. Wer im Internet recherchiere, laufe Gefahr, im Material förmlich zu ertrinken. Chatten und Mailen wird besser konsequent in die Freizeit verlegt.

Bewusst Pause machen

Zwanghaft weiterzulernen, bringt wenig. «Wenn einfach nichts mehr in den Kopf geht, dann sollte man sich bewusst entspannen», rät Friese. «Je nachdem, was man zur Entspannung mag - ob Billard spielen, lesen oder Musik hören.» Leistungsstress lässt sich zudem mit Sport bewältigen - vorausgesetzt, es handelt sich nicht um Leistungssport.

Entscheidend ist jedoch, sich den Stress selbst einzugestehen und um Hilfe zu bitten - bei Eltern und Freunden, aber auch bei Lehrern. «Betroffene können ihnen die Situation erklären, in der sie gerade stecken, und schildern, dass sie wegen des Stresses beispielsweise nicht mehr schlafen oder sich nicht mehr konzentrieren können», rät Becktepe. Dann könne gemeinsam eine Lösung überlegt oder auch ein Schulpsychologe oder Beratungslehrer dazugeholt werden.

Gängigste Anzeichen von Leistungsstress sind Konzentrationsprobleme, Nervosität und Schlaftstörungen. Bauch- und Kopfschmerzen sind ebenfalls symptomatisch. Hinweise zeigen sich zudem in der Ernährung: Einige Schüler verlieren den Appetit, andere stopfen sich hingegen voll. Im Extremfall neigen Betroffene auch dazu, die Schule zu schwänzen.

ham/iwi/news.de/dpa
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URL : http://www.news.de/gesellschaft/855052966/nicht-quaelen-aber-dranbleiben/1/
Schlagworte:
Aachen, ABI, Abitur, Abschalten, Abschluss, Anzeichen, Appetit, Arbeit, Aufsatz, Ausbildung, Ausreden, Bauch, Bauchschmerzen, Bayerischer, Beate Esser-Yildiz, Beate Klarsfeld, Beate Merk, Becktepe, Beratung, Betroffene, Bitten Eltern, Blick, Bringt, Carlo Sport, Chatten, Christa Gassmann, Christa Kleinhans, Christa Wolf, Dauerhaft, Dauerzustand, Deutsch, Druck, Einzuhalten, Eltern, Entspannung, Erklären, Ernährung, Extremfall, Folge, Folgen, Freizeit, Freizeitaktivitäten, Freund, Freunden, Geballte, Gefahr, Gefühl, Gegenseitig, Gegenteil, Gelernte, Gewalt, Geworfen, Grenzen, Ham, Handelt, Haufen, Hausaufgaben, Helfer, Hilfe, Hinweise, Hirn, Hirschmann, Hobby Grenzen, Idee, Ingwer Speck, Internet, Jones Aber, Klassenarbeit, Konzentrationsprobleme, Kopf, Kopfschmerzen, Kummer, Landesverband, Lehrer, Lehrern, Leistung, Leistungssport, León Norbert, Lernen, Lösung, Lücken, Mailen, Material, Mathe, Maxime Verlieren, Mitschülern, Mittel, München, Musik, Nachhilfe, Neigen, Nervosität, Norbert Barthle, Norbert Meier, Norbert MicheliszUngarnBMW, Norbert MicheliszUngarnSunred, Norbert Oberhaus, Norbert Tadeusz, Norbert Trelle, Norbert Vettel, Norbert Walter-Borjans, Nummer, Organisation, PC, Plan, Pläne, Pole Nummer, Probleme, Rechtzeitig, Regelmäßiges, Reihe, Rhythmus, Santiago Schüler, Schaff, Schlafengehen, Schlafstörungen, Schritte, Schulalltag, Schule, Schüler, Schulpsychologen, Situation, Speck, Sport Boxer, Sport Diät, Sport Ernährungs, Sport Gesundheit, Sport Lazio-Trainer, Sport News, Sport Studenten, Sport Überzeugung, Stoff, Stopfen, Stress, Symptome, Test, Überlegt, Umgehen, Ursel Aber, Verlegt, Verlieren, Verloren, Wege, Wesentliche, Williams Nervosität, Wuppertal, Zeitplan, Ziel, Ziele,
Leserkommentare (1)
  • Kommentar: 1
  • 25.04.2010 12:47
von
Franz Josef Neffe

Tricks sind ein Zeichen, dass man das Wesentliche nicht verstanden hat - sonst ginge es ohne Tricks. Man MUSS in unsere Schulen gehen und KANN sie schwänzen - sie selber haben die Vorgabe so doof konstruiert. Wer will schon jeden Tagb alles nur MÜSSEN? Als Ich-kann-Schule-Lehrer zeige ich experimentell,dass die Du-musst-Schule nur Probleme groß machen aber nicht lösen kann. Für Lösung braucht es als erstes einen EHRLICHEN Umgang mit GEIST; der weiß & kann nämlich immer, was die Pädagogik nicht weiß und nicht kann. Daher: Umkehren! Freundlich grüßt Franz Josef Neffe

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