Von news.de-Mitarbeiter Bernhard Mackowiak
Schadhafte oder tote Satelliten sind ein Problem: Im Weltraum gibt es keine Tankstellen und Reparaturwerkstätten. Und der Pannendienst müssten 36.000 Kilometer weit fahren. Doch es soll Abhilfe geben.
Der Weg zum Pannensatelliten ist weit. Er verursacht eine Menge Energie und Kosten – ganz abgesehen davon, dass niemand, auch nicht Organisationen wie die europäische Raumfahrtbehörde ESA, ein Fahrzeug für diesen Krisenfall besitzt.
«Lost in Space» heißt es dann lapidar. Das ist besonders bitter, wenn das schadhafte orbitale Stück nach einer Reparatur weiterhin jährlich 30 bis 40 Millionen Euro in die Betreiberkassen einspielen könnte. Denn für die meisten Satelliten gilt: Nur durch Kurskorrekturen mit an Bord befindlichen kleinen Treibstoffdüsen kann die überwiegende Zahl dieser Kunstmonde ihre Umlaufbahn halten.
Bisher klappt das für 15 Jahre nach der Reise ins All. Denn solange reicht in der Regel der bordeigene Treibstoff. Die Satellitenleichen taumeln dann durch die Unendlichkeit und gefährden sogar noch andere, aktive Kunstmonde.
600.000 Müllstücke umkreisen uns
Der spektakulärste Fall ereignete sich am 10. Februar 2009: Der Iridium-Satellit 33 kollidierte mit dem ausrangierten russischen Militärsatelliten Kosmos 2251. Dabei entstanden zwei Trümmerwolken mit 194 beziehungsweise 505 Teilen. Die zusammengeprallten Satelliten reihten sich damit in die über 600.000 Müll-Objekte auf der Erdumlaufbahn ein, deren Durchmesser größer als ein Zentimeter ist. Bereits ein nur ein Zentimeter großes Objekt hat die Explosionskraft einer Handgranate. Nur rund 13.000 Objekte können mit Hilfe des amerikanischen Space-Surveillance-Systems kontinuierlich beobachtet werden.
Selbst der sogenannte geostationäre Orbit über dem Äquator, wo die Satelliten praktisch still zu stehen scheinen, ist ein Problemfall Weltraummüll. Er ist wegen seiner besonderen physikalischen Bedingungen bei den Satellitenbetreibern sehr begehrt, und damit sind Parkplätze rar. Satellitenleichen blockieren sie dann.
Ab damit in den Friedhofs-Orbit
Was also tun? Wie auf der Erde lautet die Lösung: abschleppen zur Reparatur oder auf die orbitale Müllkippe. Die existiert tatsächlich. Es ist einfach ein höher gelegener Orbit, der auch Friedhofsorbit genannt wird. Bei geostationären Satelliten liegt er meist rund 300 Kilometer oberhalb ihrer Bahn. Solche Satelliten könnten mit einer Art Satellitenfänger dorthin gebracht werden.
Auch für Satelliten in anderen Teilen des Alls könnte es einen Weltraumpannendienst geben. Speziell ausgerüstete Hilfssatelliten könnten den alten Satelliten anfliegen, dort andocken und ihn ins Schlepptau nehmen. Die Bedingung dafür ist allerdings, dass der Satellit nicht wackelt. Manch einer taumelt nämlich, nachdem ihm der Treibstoff ausgegangen ist.
Doch selbst wenn der lahm gewordene Satellit still steht: So einfach auf den Haken nehmen geht nicht. Denn an ein solches Teil haben die Konstrukteure nicht gedacht. Bleiben als Andockmöglichkeit nur die nutzlos gewordenen Steuer- oder Lageregelungsdüsen. In eine von ihnen schiebt der Abschleppsatellit einen Stab, was allerdings wiederum eine genaue Zielvorrichtung benötigt. Eine weitere Möglichkeit ist ein Robotergreifarm wie im Space Shuttle und auf der ISS. Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt entwickeln gerade einen derartigen speziellen Greifer, der nicht nur zupacken, sondern - so das Fernziel - auch Reparaturen ausführen kann.
Aber: Viele ausgebrannte Satelliten sind technisch veraltet. Ihr Leben zu verlängern wäre in etwa das Gleiche, argumentieren Experten, als ob man einen neuen Akku für einen 15 Jahre alten Laptop kauft.
ped/iwi/news.de
Komisch... selbst in der Römerzeit kannte man schon Netze an Seilen, um harkenlose Menschen hinter sich her zu ziehen. Scheinbar sind die einfachsten Lösungen immer die nicht naheliegendsten. Aber wieso einfach, wenn es auch kompliziert geht?
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