Spinner oder Gewinner?
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Von news.de-Redakteur Björn Menzel, Magdeburg
Artikel vom 16.04.2010
Sie verbringen ihre ganze Freizeit mit Computern und Schraubenziehern: Jugendliche, die Roboter bauen. Für die einen sind es Spinner, für die anderen die technische Zukunft Deutschlands.
Wenn die Musik von Britney Spears erklingt, gibt es kein Zurück mehr. Dann können Lena und Isabel nichts mehr machen. Nur noch gucken und hoffen, dass alles klappt. In den nächsten 95 Sekunden entscheidet sich, ob sich die nächtelange Tüftelei gelohnt hat. Die beiden Berlinerinnen sind 13 und 15 Jahre alt und haben ein außergewöhliches Hobby. Sie bauen Roboter und programmieren sie. Ihr Ziel: die Teilnahme an den Weltmeisterschaften im Juni in Singapur.
Bei den Deutschen Meisterschaften in Magdeburg wetteifern derzeit mehr als 1100 Teilnehmer der Roboterszene um die begehrten Plätze. Es gibt verschiedene Disziplinen und Altersklassen. Lena und Isabel starten in der sogenannten RoboDance-Klasse. Es geht darum, die Roboter in einer Performance über die Bühne tanzen zu lassen. Dafür haben sie zusammen mit einigen Freundinnen vier Maschinen gebaut und sie programmiert. Der Grundroboter stammt aus dem Hause Lego. Damit fängt jeder Tüftler einmal an.
Auch Benno und Jonas. Die beiden Brüder, 17 und 19 Jahre alt, aus Weißenhorn bei Ulm sind da, wo Lena und Isabel erst noch hin möchten: Sie sind Weltmeister. Doch nicht nur das. Benno und Jonas sind in der Roboterszene so etwas wie Profis. Seit sieben Jahren beschäftigen sie sich mit der Robotik. 2000 Stunden im Jahr verbringen sie im Keller des Elternhauses für ihr Hobby. Sie haben eine eigene Fräsmaschine und entwickeln ihre Roboter mittels CAD-Programm. Die Maschinchen sind komplett selbst gebaut, aus mehr als 400 Teilen. «Das Abi läuft nebenbei», sagt Jonas.
Das erste Spiel ist schon nach der Hälfte der Zeit zu Ende. Der Gegner hat aufgegeben. Roboter von Benno und Jonas treten in der Junior-Soccer-Klasse an, das heißt, sie spielen gegen Roboter ihrer Konkurrenten Fußball. Eine Maschine schnappt sich den Ball, fährt ein Stück vor, schießt ihn zum Mitspieler, der umwindet einen Gegner und bringt den Ball ins Tor. Nach zehn Minuten steht es bereits 11:0. Der Gegner ist chancenlos. So wie alle Gegner in den vergangenen zwei Jahren. Benno und Jonas sind seit 66 Spielen europaweit ungeschlagen.
Ihre Roboter scheinen wirklich die besten zu sein. Sensorik, Programmierung, Schnelligkeit. Immer sind sie ihren Gegnern einen Tick überlegen. Der Ruhm der Roboter überträgt sich nun langsam auf ihre Erfinder. Benno und Jonas haben sich ihren Ruf erarbeitet. «Jungs haben aber trotzdem Vorteile», sagt Lena. Sie sitzt noch zusammen mit Isabel und bereitet ihre Roboter auf den Tanz-Auftritt vor. Mädchen und Technik sind eben seltener. «Wir werden in der Schule oft als Spinner abgetan», sagt Isabel. Doch sie hätten durch ihre Erfolge genug Selbstbewusstsein, über diesen Sprüchen zu stehen.
In Magdeburg zeigen sie eine Zirkus-Tanz-Nummer. Zu der Musik von Britney Spears fährt ein fast ein Meter hoher Clown auf die Bühne. Er pustet Seifenblasen. Zwei Affen sind mit dabei. Der eine hält tanzend ein Schild in der Hand, der andere scheint auf einem Teppich zu schweben. Außerdem kommt eine Seiltänzerin. Keinen Meter entfernt sitzt die Jury und schaut sich die Performance an. «Sollen die Jungs ruhig von Technik labern», sagt Lena. Ihnen könne man nichts vormachen. Sie kann sich vorstellen, auch später beruflich etwas mit Computern oder Technik zu machen. Isabel will zurzeit Requisiteurin werden. Der Umgang mit den Robotern fördere ihre Kreativität.
Bei Benno und Jonas stehen die Berufswünsche bereits fest. Mehr noch: Universitäten und Unternehmen haben bereits ihre Begehrlichkeiten angemeldet. «Die TU München wartet bereits auf die beiden», sagt Franz-Josef Timmermann nicht ohne Stolz. Er ist der Vater der beiden und investiert jährlich gut 10.000 Euro in die Tüftelei. Das Geld ist gut angelegt. Nicht nur Unis, sondern auch Entwicklungsabteilungen großer Firmen recken sich nach Benno und Jonas. Unter anderem BMW sponsert die beiden mit einem ordentlichen vierstelligen Betrag. «Über die Jungs brauch ich mir keinen Kopf mehr zu machen», sagt der Vater. Sie sind Gewinner.
ped/ivb/news.de
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