Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert
Nackt, nur mit Strapsen und Amtskette begleitet: So malte die Künstlerin Erika Lust das Dresdner Stadtoberhaupt. Helma Orosz (CDU) war empört, klagte - und gewann. Jedenfalls vorerst: Seit heute darf Lust das nackte Stadtoberhaupt wieder ausstellen.
Irgendwo in Dresden wartete ein Gastwirt heute auf ein Gerichtsurteil, mit dem er eigentlich nichts zu tun hat. Er will das Bild, dass er für 1500 Euro von der Malerin Erika Lust gekauft hat, endlich zeigen. Darauf zu sehen: Die Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz, nackt, mit Strapsen und Amtskette.
Per Eilverfahren hatte die CDU-Politikerin der Malerin verboten, das Bild im Internet zu zeigen und auszustellen. Heute fiel die Entscheidung im Berufungsprozess vor dem Dresdner Oberlandesgericht (OLG): Das Bild darf wieder gezeigt werden. Es sei «ein Bildnis der Zeitgeschichte und eine satirische Darstellung», begründeten die Richter ihr Urteil. «Ich bin glücklich und sehr zufrieden», sagte die Künstlerin Erika Lust.
Der Dresdner Gastwirt, der lieber anonym bleiben will, kann das Bild nun also aus dem Tresor holen, in dem es bisher lag. Dabei war das eigentlich gar nicht nötig: Das Landgericht hatte nur der Künstlerin verboten, ihr Bild auszustellen oder im Internet zu zeigen. «Aber Orosz Anwälte haben jeden, der das Bild zeigen wollte, sofort eingeschüchtert», sagt Erika Lust.
Malerin: Bild hat politische Aussage
Die aus Kasachstan stammende Künstlerin hatte das Dresdner Stadtoberhaupt im Juni 2009 nur mit Strapsen bekleidet vor der umstrittenen Waldschlösschenbrücke gemalt, deretwegen dem Dresdner Elbtal der Unesco-Welterbetitel aberkannt worden war. Sie hat es aus Protest gegen den Brückenbau gemalt. «Ich wollte mich nur politisch engagieren», sagt sie zu news.de.
Orosz sieht in dem Gemälde ihre persönliche Schamgrenze verletzt. Der Richter im ersten Verfahren gab ihr damit Recht. Orosz sei mit dem Bild nicht nur privat getroffen, sondern auch in ihrem Amt. Die Darstellung zeige Orosz «in Würden, aber nicht in Würde». Vor allem, da «der Geschlechtsbereich frontal gezeigt» werde.
Auch die Dresdner hielten bisher in der Mehrzahl zu ihrer Oberbürgermeisterin. In Foren und den Kommentarspalten der Lokalzeitungen wird Erika Lust das Attribut «Künstlerin» nur mit dem Zusatz «angeblich» oder in Anführungszeichen zuteil. Erika Lust ärgert das. «Ich hoffe, dass die Dresdner irgendwann etwas positiver zu mir stehen», sagt sie.
Künstlerin will nicht nur «Skandalnudel» sein
Zumindest die rechtliche Stimmung schlug bei der mündlichen Verhandlung vor einer Woche um. Die Richterin am OLG regte den Kompromiss an, dass Lust das Bild zwar noch auf Ausstellungen, aber nicht mehr im Internet zeigen darf. Orosz lehnte das ab. «Sie ist sehr angespannt, und ich denke, dass sie nicht auf ihre Berater gehört hat», sagte Lust nach der Verhandlung. Schon damals ahnte die Künstlerin, dass der Streit doch noch für sie ausgehen könnte: «Die drei Richter sind sich nicht einig, aber die Vorsitzende hat einen Sieg für mich angedeutet.»
So richtig profitieren konnte die vor dem Prozess weitgehend unbekannte Malerin von der ganzen Aufregung in ihrer Arbeit bisher nicht. «Bis jetzt bin ich nur als Skandalnudel berühmt und nicht als Künstlerin», sagt sie.
Auch ihre anderen Bilder, die nackte Mona Lisa oder der nackte Sonnenkönig, seien bisher nicht öfter für Ausstellungen gebucht worden. Umso wichtiger war es Erika Lust, den Prozess zu gewinnen. «Wenn ich einmal berühmt werde, möchte ich die Chance haben, das Bild zu zeigen.»
iwi/ivb/news.de/ddp/ap
die Baustelle und den geänderten Brücken-Vorschlag beguachtet hatten und die das verneint hatten. Wo also war der Vorschlag der Frau Orosz in Sevilla zum Schutz des Welterbes? Das, was Sie dort vorzutragen hatte, war so durchsichtig nicht zum Schutz des Welterbes geeignet, wie das Kostüm aus Kaisers neuen Kleidern, das Frau Lust Ihr anzog. Diese Satire hat offenbar getroffen. Und dass das Gericht im Sinne der Kunstfreiheit und der Meinungsfreiheit entschied, ist ein Sieg der Demokratie, die ohne Meinungs und Kunstfreiheit nicht auskommt.
jetzt antwortenKommentar meldendass das Gerichtsurteil des VG Dresden sich nicht mit der rechtlichen Zulässigkeit des Elbtunnels befasst hat. Sie hat in Sevilla gelogen. Was den Umstand der angeblichen Nichtvorzugswürdigkeit des Elbtunnels gegenüber der Brücke angeht, so beruhte der nur darauf, dass die Flächen für die Pontons zum Verschieben der Brückenbögen von der Planfeststellung noch gar nicht erfasst waren. Das verschaffte der Brücke einen nicht wirklich vorhandenen Vorteil in der erheblichen Beeinträchtigung von geschützten Lebensraumtypen.Trotz allem behauptete Frau Orosz, die nur unscheinbar veränderte Brücke sei welterbtauglich - trotz Ergebnis der UNESCO-Gutachter
jetzt antwortenKommentar meldenStatt auf die UNESCO einzugehen und das Welterbe mittels eines Elbtunnel-Kompromiss zu schützen, ignorierte sie alle berechtigten Forderungen deutscher Politiker, die Finanzierung des Elbtunnels abzuklären.Stattdessen interpretierte Sie das Urteil des VG Dresden zur Klage der Grünen LIGA gegen die Brücke so, dass ein Elbtunnel aus umweltrechtlichen Gründen nicht in Frage käme. Dabei war diese Frage vom Gericht gar nicht behandelt worden. Dazu gab es schon vor Sevilla im Internet veröffentlichte Stellungnahmen von hochrangigen Rechtsgelehrten,
jetzt antwortenKommentar meldenKein Bild kann die politische Erbärmlichkeit solcher Gestalten jemals angemesssen zum Ausdruck bringen!
jetzt antwortenKommentar meldenJohann Peter Hebel hat es schon gewusst: http://www.ghshauseniw.de/jphebel/geschichten/schmachschrift.htm Von Dresden nach Brassenheim ist nur ein kleiner Schritt. Nur schade, dass die Dresdner Bürger die Kosten für diesen unsinnigen Rechtsstreit tragen müssen. Allerdings ist das Urteil in Dresdener Foren durchaus nicht so eindeutig: http://forum.dnn-online.de/showthread.php?t=9464
jetzt antwortenKommentar meldenDas ist doch endlich mal ein Gerichtsurteil, dass ich in Ordnung finde. Und es ist ein Urteil, das verhindert, dass sich eine für den Verlust des Welterbes Mitverantwortliche aus ihrer Verantwortung stehlen kann. Danke Erika Lust!
jetzt antwortenKommentar meldenDas ist einfach nur geil! das hat sich Orosz mehr als verdient denn sie soll nicht glauben das sie das was in Dresden an den Elbwiesen passiert nicht zu verantworten hat! normalerweise beugen sich die sächsischen Gerichte den Interessen der Landesregierung, so wie auch bei allen Urteilen gegen dieses Brückenmonster!
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