Von Christiane Kohlmann
1,30 Meter war es hoch, 1,30 Meter breit: Ein Loch in einer Wand im Jugendwerkhof in Torgau. Wer nicht spurte, wurde hineingequetscht, konnte weder sitzen noch stehen. Ein Besuch im schlimmsten aller DDR-Heime.
Die große, schwere Holztür der Gedenkstätte im nordsächsischen Torgau knarrt und quietscht. Sie öffnet den Weg in das ehemalige Verwaltungsgebäude der Anstalt. «Geschlossener Jugendwerkhof Torgau» hieß sie zu DDR-Zeiten. «Wenn Du nicht brav bist, dann kommst Du ins Heim», steht auf einer Wand der Ausstellungsräume.
Die oft scherzhafte Drohung von Eltern und Erziehern früherer Jahre wurde in Torgau und anderen DDR-Heimen für viele junge Menschen zur brutalen Realität. Für manche war sie verbunden mit Qualen wie Strafeinzelhaft in Minizellen und sexuellen Übergriffen durch das Anstaltspersonal.
Ein etwa 50-Jähriger Mann zeigt an diesem Ostertag Frau und Tochter den schrecklichen Ort, in dem er einen Teil seiner DDR-Jugend verbringen musste. Fotos, Briefe und anderes dokumentieren die unmenschlichen Zustände von 1964 bis Ende 1989, als der Jugendwerkhof geschlossen wurde. Die beiden Frauen, die den Mann begleiten, sind den Tränen nahe.
«So geht es vielen», sagte eine 52 Jahre Mitarbeiterin der Gedenkstätte, die namentlich nicht genannt werden möchte. «Wir wollen die Menschen vor allem aufklären. Die Kinder, die nach Torgau kamen, waren keine Verbrecher, sie waren schwer erziehbare Jugendliche.» Sie sollten hier auch zu sozialistisch geprägten Menschen getrimmt werden.
Die Frau hofft, dass nach Bekanntwerden der Missbrauchsfälle noch mehr Besucher in die Gedenkstätte kommen und sich informieren. Sie sagt auch: «Das Leben der meisten Heimbewohner nach dem Aufenthalt in Torgau war futsch.»
Einige der damals jungen Menschen kommen heute in der Ausstellung als Erwachsene selbst mit Audioerläuterungen zu Wort. Dazu werden in dem recht dunklen Raum ihre Porträtfotos aus der Kinderzeit angestrahlt. Sie berichten auch über die Folgen ihres Aufenthalts. Viele sind körperlich und seelisch krank geworden und müssen heute noch behandelt werden. Manche träumen nachts von den Zellen, in denen sie eingesperrt waren.
Zeitweise lebten bis zu 60 junge Menschen in dem Jugendwerkhof. Geschlafen haben sie in dreistöckigen Metallbetten. Auf sie wartete täglich ein straffer Zeitplan, bei dem Freizeit und Privatsphäre ein Fremdwort waren. So sollten die Insassen an das Leben im Kollektiv gewöhnt werden. Ein Kontrollsystem und Bestrafungen jeder noch so kleinen Verfehlung kamen hinzu. Strafen waren Reinigungsarbeiten, Sport bis zur Erschöpfung und Arrest.
Für manche waren die Qualen viel größer. Die 52 Jahre alte Heidemarie Puls hatte darüber berichtet. Nach einem Selbstmordversuch sei sie in den «Fuchsbau» gesperrt worden. «Das war ein 1,30 Meter mal 1,30 Meter kleines Loch in der Wand mit Stahltür, wo ich weder sitzen noch stehen konnte.» Sie schilderte auch sexuelle Übergriffe. Puls hat ein Buch geschrieben hat, um anderen Opfern Mut zu machen.
Im Oktober 1985 schrieb ein Kind in einem Brief, der in der Gedenkstätte dokumentiert ist: «Hallo Mutti! .... Wenn ich hier rauskommen würde, wäre ich der glücklichste Mensch auf Erden.»
ped/news.de/dpa
Ich war Anfang der 70er Jahre im Jugendwerkhof Drehna wegen versuchter R.-Flucht,Erziehungsschwierigkeiten usw.Von da aus bin ich dann nach Turgau gekommen.Es war die Hölle!Nach meiner Entlassung war ich dann ein Staatsfeind.Ich lebte auch so,von 1974-1979 inhaftiert in Bautzen,Cottbus in Einzelhaft.Man war kein Mensch mehr.1979 dann abgeschoben in den Westen,Mein Leben war verpfuscht.Heute lebe ich zurückgezogen in den Bergen von Tirol.Ich hätte gerne die Rente,die heute meine Peiniger und Bewacher bekommen.
jetzt antwortenKommentar meldenWas du schreibst ist nicht die DDR ,es ist rein Dein eigenes gemachtes Leben.Jugendwerkhof gab es nicht für Nichts. Leider muss ich immer wieder Verallgemeinerungen lesen die nur eine bestimmte Gruppe betreffen. Jeder hat die DDR auf seine Art und Weise erlebt. Wer sich unbedingt mit dieser damaligen Staatsmacht ohne Überlegung politisch auch aus kriminellen Gründen anlegen wollte,hatte nichts zu lachen. Der größte Teil der Bevölkerung lebte sein eigenes Leben in seinen Wänden.Die DDR war kein Rechtsstaat aber auch kein Unrechtsstaat wenn man sich im „normalen“Rahmender Gesetzgebung bewegte.
jetzt antwortenKommentar meldennicht nur Torgau, war schlimm , auch die offenen jwh waren für mich persönlich härter zwecks Selbsterziehung usw, usw-----. Ein täglicher kampf ums nackte überleben. sorry aber das ist die Wahrheit wie Ich sie kennen lernte von kippen alter an - zur Wende- und da fing die ganze Scheiße von vorne an.;.. lg. SVEN,-DEML danke Euch fürs zu hören.
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