Sa., 26.05.12

Rassisten-Mord 07.04.2010 «Ich bring euch um»

Terreblanche (Foto)
Wurde in seinem Bett von zwei jungen Arbeitern erschlagen: der berüchtigte südafrikanische Rassist Eugene Terreblanche. Bild: dpa

Von Thomas Phakane und Michelle Faul

Zwei Arbeiter haben den berüchtigten südafrikanischen Rassisten Eugene Terreblanche erschlagen. Er hatte ihren den Lohn verweigert und sie bedroht. Sein gewaltsamer Tod verschärft wenige Wochen vor der Fußball-WM die Spannung in Südafrika.

Eugene Terreblanche fand ein brutales Ende. Der berüchtigte Rassist, der selbst einmal einen schwarzen Wachmann fast zu Tode geprügelt und dafür im Gefängnis gesessen hatte, wurde im eigenen Bett erschlagen - von einem 15-jährigen Hütejungen und dessen älterem Kollegen, denen er seit Monaten keinen Lohn gezahlt und gedroht hatte, sie umzubringen. So berichtet es jedenfalls die Mutter des Halbwüchsigen in einem Interview der Fensehnachrichtenagentur APTN.

Was der Junge seiner Mutter erzählte, widerspricht dem Vorwurf von Terreblanches Gesinnungsgenossen, ein Kampflied der Schwarzen aus der Zeit der Apartheid habe zu seiner Ermordung aufgestachelt. Der Streit über das Lied Ayesaba Amagwala (»Feiglinge fürchten sich» auf Zulu) zieht sich seit Wochen hin. Im Text kommt unter anderem die Zeile vor: «Tötet die Buren», die weißen Farmer, die auch als Diebe und Vergewaltiger dargestellt werden. Der Vorsitzende der Jugendliga des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC), Julius Malema, hatte vergangenen Monat mit Studenten das Lied angestimmt. Ein Gericht in Johannesburg verbot es vorige Woche als hetzerisch.

«Die Symbole sind da»

Die Regierungspartei ANC kündigte dagegen Berufung an: Das Lied gehöre zu ihrem kulturellen Erbe, und der Text sei nicht wörtlich zu verstehen. Es zu verbieten, würde jenen den Respekt verweigern, die im Kampf gegen die Rassentrennung gestorben seien und im Gefängnis gelitten hätten, erklärte ANC-Sprecher Jackson Mthembu. Einen Zusammenhang mit gehäuften Morden an weißen Farmern, wie ihn deren Lobbygruppen herstellen, gebe es nicht.

Kampflieder gehörten zum Widerstand gegen die Apartheid dazu. Sie stifteten Gemeinschaft und machten Mut; sie wurden bei Prozessen gesungen, auf dem Weg zum Galgen und bei Massenbegräbnissen. Aus dem Ausland kamen Lieder über Exil und Revolution. «Wenn man dieses Verbot zulässt, muss man alle unsere Freiheitslieder verbieten», meint Mthembu. «Manches in unserer Geschichte war schlimm. Die Apartheid war schlimm genug. Es gibt einige Symbole in unserem Land, die aus der Zeit der Apartheid stammen. Wie können diese Symbole nicht auslöschen. Die Symbole sind da, so schlimm sie sein mögen.»

Es ist auch nicht das erste Mal, dass ein martialisches Kampflied politischen Aufruhr auslöst. Staatspräsident Jacob Zuma selbst bringt gerne Umshini Wami oder «Bringt mir meine Maschinenpistole» zu Gehör: Das Lied stammt aus Ausbildungslagern im Ausland für ANC-Untergrundkämpfer, die dort frustriert saßen und sich Waffen wünschten, um nach Südafrika zurückzukehren und das Apartheid-Regime zu bekämpfen.

«Wir wissen, wie er mit seinen Arbeitern umgegangen ist»

Doch der gewaltsame Tod Terreblanches, der wenige Wochen vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft die Spannung in Südafrika verschärft, hat offenbar auch andere Hintergründe als alte Kampflieder. «Terreblanches Tod hat nichts mit dem Lied zu tun», sagte Malema. «Wir wissen, wer Terreblanche war, wie sein Charakter war und wie er mit seinen Arbeitern umgegangen ist.»

Der 69-Jährige führte die Afrikaner Weerstandsbeweging (AWB), die in den 1970er Jahren entstand, von der Überlegenheit der weißen Rasse überzeugt ist und sich gegen jegliche Aufweichung der Rassentrennung sträubte. 2001 wurde er wegen versuchten Mordes an dem ehemaligen Wachmann Paul Motshabi im Jahr 1996 zu sechs Jahren Haft verurteilt und 2004 wieder freigelassen. «Er hat mich in den Kopf geschossen», sagte Motshabi APTN. Er trug einen Hirnschaden davon, war monatelang gelähmt und stumm; noch heute hinkt er.

Die Mutter des 15-jährigen Tatverdächtigen fürchtet Terreblanche offenbar noch im Tode dermaßen, dass sie ihn in dem Interview nicht einmal beim Namen nannte, sondern stets nur als «der Älteste» bezeichnete. Ihr Sohn habe erzählt, dass er und seine Kollegen noch kein Geld bekommen hätten, seit er im Dezember für Terreblanche zu arbeiten begonnen hatte. Als sie nach ihrem Lohn fragten, habe er sich geweigert zu zahlen. «Er sagte: ‹Ich bring euch um und jag euch zur Hölle›», gab die Frau den Bericht ihres Sohnes wieder. Da sei der 28 Jahre alte Kollege weggegangen und mit einer Eisenstange zurückgekehrt. Er habe vier Mal, der Junge drei Mal zugeschlagen. Dann seien beide aufs Polizeirevier gegangen und hätten sich gestellt.

sck/iwi/news.de/ap
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