1:0 für Mutter Natur: Ein US-Gericht hat zwei Patente auf Brustkrebs-Gene annulliert. Eine Bürgerrechtsorganisation hatte gegen das Schutzrecht geklagt, weil der Konzern Myriad Genetics das Monopol auf eine Gensequenz beansprucht hatte.
Ein Gericht in den USA hat Patente auf Gene grundsätzlich infrage gestellt. Bezirksrichter Robert Sweet annullierte die Patente des US-Konzerns Myriad Genetics auf zwei Gene, die mit einem erhöhten Risiko für Brust- und Eierstockkrebs einhergehen. Er halte DNA-Sequenzen für nicht patentierbar, erklärte Sweet zur Begründung. Schließlich habe das Unternehmen sie weder erfunden noch an ihrer Funktion etwas geändert. Myriad Genetics hat in den USA ein Monopol auf Tests zur Untersuchung der sogenannten BRCA-Gene.
Mutationen dieser Gene erhöhen bei Frauen das Risiko für Brustkrebs um das Drei- bis Siebenfache und steigern auch die Wahrscheinlichkeit von Eierstockkrebs. Bei Männern erhöhen sie die Gefährdung durch Tumore etwa von Prostata oder Speiseröhre. Die BRCA-Gentests von Myriad Genetics kosten fast 4000 Dollar (2900 Euro).
Sweet wies in seiner Entscheidung von Montag die Argumentation des Unternehmens zurück, DNA könne patentiert werden, wenn das Patent für die isolierte Gensequenz gelte. Diese Formulierung sei lediglich ein juristischer Trick, erklärte der New Yorker Richter. Das Unternehmen habe zweifellos «nützliche wissenschaftliche Erfolge» erzielt, könne dafür aber kein Patent zugesprochen bekommen. Isolierte DNA entscheide sich nicht wesentlich von DNA in ihrer natürlichen Form. Es gilt als sicher, dass das Urteil angefochten wird.
Urteil ermöglicht Wettbewerb unter Test-Anbietern
Die US-Bürgerrechtsorganisation Aclu und die Stiftung für öffentliche Patente (Pubpat) hatten vor rund einem Jahr gegen die Patentierung der BRCA-Gene geklagt. Sie argumentierten, wegen des Monopols von Myriad Genetics auf die Tests könnten Frauen, die ein erhöhtes Krebsrisiko befürchteten, nicht einmal eine zweite Meinung einholen. Aclu-Anwalt Chris Hansen erklärte, Sweets Entscheidung könnte etliche der Patente auf schätzungsweise 20 Prozent des menschlichen Genoms zu Fall bringen.
Die Wissenschaftlerin Mary-Claire King von der University of Washington, die 1990 das Gen BRCA-1 entdeckte, nannte die Gerichtsentscheidung «eine sehr gute Nachricht» für Frauen mit einem potenziell erhöhten Krebsrisiko. Statt einem monopolistischen Ansatz könne es nun Wettbewerb bei den Anbietern entsprechender Tests geben. Gen-Patente seien sinnlos, erklärte die Wissenschaftlerin: «Das ist, als wenn man den Daumen von jemandem patentieren wollte.»