Sa., 26.05.12

Ina Alexandra Tust 30.03.2010 Die Anwältin der toten Kinder

Ina Alexandra Tust (Foto)
Freut sich, wenn sie einen Fall beendet, ohne dass die Eltern des Opfers vor Gericht erscheinen müssen: Anwältin Ina Alexandra Tust. Bild: ddp

Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach, Leipzig

Ab und zu betreut sie auch ein Bußgeldverfahren. Doch das sei eher «Sport», sagt Ina Alexandra Tust. Denn die Leipziger Anwältin setzt sich für Opfer ein. Sie ist die Anwältin der toten Kinder.

Traurige Kinderaugen starren sie an. In Ina Alexandra Tusts Büro in der Leipziger Südvorstadt hängt mahnend ein Poster des Weißen Rings. Ein Mädchen - ein Opfer - mit blondem, dünnen Haar ist zu sehen, «Diese Hure hat ihren Onkel verführt» zu lesen.

Der Schreibtisch der Anwältin ist aufgeräumt. Gerade ist der Prozess um den Mord an Michelle abgeschlossen. Der 19-jährige Mörder muss neun Jahre und sechs Monate in den Knast. Ina Alexandra Tust hätte sich die Höchststrafe gewünscht, nach Jugendstrafrecht ist das ein halbes Jahr mehr. «Es wäre ein Zeichen für die Eltern gewesen», sagt sie.

Das Ende des Prozesses hat Ina Alexandra Tust gar nicht miterlebt, sie ist krank geworden. Ihr Mann, auch Anwalt für Strafrecht, sprang ein. «Das war fürchterlich für mich», sagt sie. Eine Angina hat sie vom Gerichtssaal weggehalten. «Was Leichtes nehme ich grundsätzlich nicht mit», sagt die 40-Jährige, schmunzelt und weiß um die Vieldeutigkeit dieser Aussage.

Auf dem Flyer der Kanzlei sind Bußgeldverfahren und Verkehrsstrafrecht als ihre Fachgebiete genannt. «Das ist mehr so Sport», sagt sie. Denn ihre eigentliche Profession ist die Opfervertretung vor Gericht. Ina Alexandra Tust ist eine der Nebenklage-Spezialistinnen in Deutschland. Ihre Fälle sind spektakulär, und sie tragen Kindernamen: Mitja, Michelle, Corinna. Alle drei waren neun Jahre alt, wurden vergewaltigt, ermordet.

Im Gerichtssaal sitzt Ina Alexandra Tust vom Richtertisch gesehen immer rechts. Der Platz der Nebenklage. Mit ihren blonden Haaren und dem kritischen Blick wirkt sie kühl. Ein Pokerface, denn hinter ihrem Schreibtisch in der Kanzlei macht sie einen umso herzlicheren Eindruck.

Pressesprecher der Opfer-Familien

«Ich vergleiche meine Arbeit mit der von Ärzten auf einer Krebsstation», sagt die Opferanwältin. «Die müssen auch mit den Schicksalen leben, um arbeiten zu können.» Und so versucht sie, die Bilder der ermordeten Kinder, der verzweifelten Eltern, der brutalen Mörder zuhause auszuklammern. Zuhause, wo ihr kleiner Sohn eigentlich nicht Fernsehen darf. Ausnahme: Mama ist zu sehen. In den Nachrichten oder einmal auch bei Günther Jauch.

Die Anlässe sind meist grausam, doch mittlerweile ist Ina Alexandra Tust zum Medienprofi geworden. «In solchen Fällen bin ich Pressesprecher der Familien.» Ihre Hauptaufgabe sei es, die Eltern der Opfer so human wie möglich durch ein Verfahren zu bekommen. Dazu gehört, dass sie nicht vor Gericht erscheinen müssen und auch nicht von Kameras belagert werden. Durch Rechtsgespräche mit Richter, Angeklagten und Verteidiger klappe das auch meist. «Ich bin bei jedem Fall, den ich gut zu Ende bringe, dankbar, dass ich den Mandanten die Vernehmung ersparen konnte und der Täter trotzdem bestraft wurde», sagt die 40-Jährige.

Seit 1998 arbeitet die Nordrhein-Westfälin als Anwältin in Leipzig. Ihr erster Nebenklage-Fall war ein Mädchen, das durch eine Drückerkolonne vergewaltigt wurde. Mittlerweile ist Ina Alexandra Tust eine Art Koryphäe der Nebenklage. «Auch andere Anwälte schicken Mandanten zu mir, weil sie wissen, dass ich mich darauf spezialisiert habe.» Die meisten Fälle würden ihr allerdings über den Weißen Ring vermittelt. Und sie selbst engagiert sich im Koordinierungskreis gegen sexualisierte Gewalt, gibt Seminare für die Mitarbeiter im Opferschutz.

Ein Thema, das ihr am Herzen liegt. Und so macht ihr das schlechte Image der Nebenklage in Deutschland zu schaffen. Denn sie als Nebenklagevertreterin hat keine Anwesenheitspflicht vor Gericht. «Ob ich da bin oder in China ein Sack Reis umfällt, ist egal», sagt sie ein wenig sarkastisch. Opfer von Verbrechen gingen oft ganz ohne Anwalt zu Gericht.

Dabei sei dieser Schutz so wichtig. Das merke sie auch, wenn noch lange nach den Verfahren die Eltern von Mitja und Michelle den Kontakt zu ihr suchen. «Man hat ja auch ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut. Das bricht man nicht so einfach ab.»

iwi/news.de
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • julia zunke
  • Kommentar 1
  • 14.11.2010 13:55
 

also echt daniel war so ein Ar***** loch was hat der nur gegen kinder die arme michelle ich hab sie zwar nicht gekannt aber ich glaube das sie ein guter mensch gewesen ist

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