Ungeklärtes Abwasser ist eine der größten Umwelt- und Gesundheitsgefahren der Erde. Der Weltwassertag macht auf die 900 Millionen Menschen aufmerksam, die kein sauberes Trinkwasser haben.
Die Behandlung von Abwässern muss nach Ansicht des UN-Umweltprogramms (UNEP) verbessert werden. «Wir müssen gemeinsam klüger und intelligenter werden, wenn es darum geht, wie wir mit Abfall und Abwässern umgehen», sagte UNEP-Chef Achim Steiner. Dies gelte allein schon mit Blick auf die wachsende Weltbevölkerung; im Jahr 2050 werden voraussichtlich mehr als neun Milliarden Menschen auf der Erde leben. Die UN-Organisation in Nairobi veröffentlichte am Weltwassertag eine Studie zum Thema Abwasser und nachhaltige Entwicklung. Die Studie geht davon aus, dass gegenwärtig mehr Menschen an verschmutztem Wasser sterben als bei Kriegen.
Der Umgang mit Abwasser sei eine zentrale Herausforderung, da immer mehr Menschen in Städten lebten, die Industrialisierung zunehme und die Nachfrage nach Fleisch wachse. 70 bis 90 Prozent des Wassers werde von der Landwirtschaft verbraucht. «Einige Schätzungen gehen davon aus, dass täglich rund zwei Millionen Tonnen Abfall in die Kanalisation gelangen. Das könnte zu mehr als zwei Milliarden Tonnen verschmutzten Wassers jeden Tag führen, das in unsere Gewässer gelangt», erklärte Christian Nellemann, einer der Autoren des Reports in der Mitteilung.
Es sei auch wesentlich dafür verantwortlich, dass in den Ozeanen die Fläche der sogenannten Todeszonen wächst, in denen es kaum noch Sauerstoff gibt. In den meisten Städten fehle es an einem ausreichenden Abwasser-Management. In Entwicklungsländern blieben 90 Prozent des Schmutzwassers ungeklärt. Darin enthaltene Stoffe wie Stickstoff und Phosphor könnten für die Landwirtschaft genutzt werden.
Fast 900 Millionen Menschen ohne Trinkwasser
Auch die Bundesregierung setzt sich für ein Menschenrecht auf sauberes Trinkwasser und Sanitärversorgung ein.
«Fast 900 Millionen Menschen haben auf der Welt keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, 2,5 Milliarden Menschen keinen Zugang zu adäquaten sanitären Einrichtungen. Alle 20 Sekunden stirbt deswegen ein Kind», erklärten Bundesaußenminister Guido Westerwelle und Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (beide FDP) in Berlin. Die Bundesregierung unterstütze die Arbeit der unabhängigen Wasserexpertin der Vereinten Nationen (UN), Catarina de Albuquerque, für die Anerkennung eines Menschenrechts auf sauberes Wasser. Beide Minister wollen sich am Weltwassertag mit de Albuquerque treffen.
Nach WWF-Ansicht ist das Trinkwasserproblem nur durch ein umfassendes Management zu lösen. «Wer sauberes Trinkwasser für die gesamte Weltbevölkerung will, der muss auch die Defizite in der Abwasserreinigung angehen», betonte WWF-Wasserexperte Martin Geiger. Ungeklärtes Abwasser sickere auch in Trinkwasserquellen. Außerdem müssten Feuchtgebiete und Flüsse mit ihrer natürlichen Reinigungsfunktion besser geschützt werden. Auch in der Europäischen Union bestehe weiter Handlungsbedarf. Ganze Regionen etwa in Portugal und Rumänien müssten ohne ausreichende Abwasserreinigung auskommen.
Insbesondere in Krisen- und Katastrophengebieten wie derzeit in Haiti sei die Seuchengefahr durch unzureichende Hygiene groß: «Hunderttausende Erdbebenopfer in Haiti leben weiter unter Plastikplanen. Nach ersten schweren Unwettern leiden immer mehr Kinder an Durchfall und Erbrechen», berichtete Unicef-Sprecher Rudi Tarneden. Gegenwärtig versorge das Kinderhilfswerk in Haiti jeden Tag über 900.000 Menschen mit Tankwagen, Plastiktanks und Verteilstationen mit sauberem Trinkwasser.
Der Weltwassertag war 1992 nach dem Weltgipfel von Rio de Janeiro von der UN-Vollversammlung ausgerufen worden, um die Bedeutung von sauberem Trinkwasser und angemessener Abwasserbehandlung zu betonen. Er wurde 1993 zum ersten Mal begangen.
iwe/mat/news.de/dpa/ap