Von news.de-Redakteurin Kristina Schmidl
«Sauberes Wasser für eine gesunde Welt» lautet das Motto des Weltwassertages 2010. Für Leipzig, die Wasserstadt Deutschlands, war das saubere Nass nicht immer selbstverständlich.
Leipzig sei eine Wasserstadt, sagt Sabine Heymann, Vorsitzende des Vereins Wasser-Stadt-Leipzig. Und zwar aus zwei Gründen: Erstens, weil dort ein wichtiger Wasserknoten zu finden sei, an dem sich Elster, Pleiße und Parthe miteinander verbinden. Und zweitens, weil hier Wasserläufe mit zur Entwicklung der Stadt beigetragen hätten, auch wenn sie nicht – wie typischerweise - an einem großen Flußlauf gegründet worden sei, sondern an Handelswegen. Gerade künstliche Gewässer hätten die Stadtentwicklung enorm beeinflusst.
Trotz der großen Bedeutung des Wassers für Leipzig ist die Stadt aber lange sträflich mit der wertvollen Ressource umgegangen. Insbesondere in der Zeit der Industrialisierung bis in die 1970er Jahre, weiß Sabine Heymann. In den 1960er Jahren des vergangenen Jahrhunderts seien künstliche Gräben einfach zugeschüttet oder verrohrt worden. Wie vieleorts in Deutschland sei das Wasser durch die Braunkohleindustrie und die chemische Industrie so verseucht und schmutzig gewesen, dass man die Brühe einfach nicht mehr habe riechen können.
Liliengewächse im Kanal
Mittlerweile hat sich der Umweltschutzgedanke in den Köpfen der Deutschen etabliert. Es wurde einiges getan, um die Qualität des Wassers anzuheben. Nicht nur in Leipzig ist das Wasser wieder sauber. Zahlreiche Pflanzen- und Tierarten sind in Deutschlands Flüsse und Seen zurückgekehrt. Sogar in künstlichen Gewässern wachsen laut Sabine Heymann wieder Lilienarten, die man lange Jahre vergebens gesucht habe. Und Friedrich Richter, Geschäftsführer des Anglerverbands Mittlere Mulde Leipzig, hat beobachtet, dass seit Ende der 1990er Jahre immer mehr Fische in die so lange beinahe toten Gewässer zurückgekehrt sind. «Mittlerweile gibt es in Leipzig in der Elster und der Pleiße über 30 Fischarten. Und es werden jährlich mehr», sagt Richter.
Auch der Grundwasserspiegel pendle sich nach der Schließung des Tagebaus und der Flutung etlicher ehemaliger Braunkohlegruben in der ehemaligen DDR allmählich wieder ein, sagt Sabine Heymann. Während der Hochblüte des Braunkohleabbaus sei er drastisch abgesunken. Mit schlimmen Folgen für Flora und Fauna.
Deutlich werden die Auswirkungen am Beispiel des Leipziger Auwalds. Während des Braunkohleabbaus trocknete er mehr und mehr aus. Um wieder den ursprünglichen Schwertlilien- und Erlenwald zu etablieren, setzt ihn die Stadt Leipzig einmal im Jahr für zwei bis drei Wochen Teile künstlich unter Wasser. «Wir versuchen so, das sonst übliche Flutungsgeschehen an Flüssen nachzuahmen. Mit Erfolg», sagt sich Uta Zäumer vom städtischen Amt für Umweltschutz.
Seltene Rotbauchunken quaken wieder
Baumarten, die trockenen Boden lieben - zum Beispiel Spitz- und Bergahorn - seien dadurch bereits zurückgegangen. Dafür hätten sich wieder feuchtigkeitsliebende Schwertlilien sowie Schnecken und Käfer angesiedelt. Auch die Rotbauchunke - ein äußerst seltenes Tier - habe sich in den vergangenen Jahren im Auwald vermehrt. Seit dem Start des Flutungsprojekts Mitte der 1990er Jahre sei die Artenvielfalt stetig gewachsen. «Bis der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt ist, wird es aber sicher noch eine Weile dauern.»
Wie man sieht, tut sich so einiges in Sachen Gewässerschutz. In Städten wie Leipzig und Umgebung spielt das nasse Element eine wichtige Rolle - vor allem für den Tourismus. Im Leipziger Neuseenland südlich und nördlich der Stadt etwa entstanden und entstehen aus ehemaligen Braunkohlegruben 19 Seen. Mitte der 1960er Jahre habe man begonnen, in nicht mehr genutzten Tagebaugebieten Restlöcher zu fluten, erklärt Josefine Heinicke, Mitarbeiterin beim Tourismusverein Leipziger Neuseenland. Eine häufige Umnutzungsmaßnahme ehemaliger Braunkohlegruben in Ostdeutschland. Mittlerweile sind viele solcher künstlichen Seen beliebtes Ausflugsziel zur aktiven und stillen Erholung stressgeplagter Städter.
Im Neuseenland ist man darauf bedacht, jeden See einzigartig zu gestalten. Daher beschränke man sich nicht auf den Badebetrieb, sondern biete auch zahlreiche andere Freizeit- und Sportmöglichkeiten am, auf und unter Wasser an, sagt Josefine Heinicke. Das Angebot reiche von Wildwasserrafting, über Schiff- und Kanufahren bis hin zu Radfahren und Wandern. An manchen Seen seien einzigartige Pflanzen zu bestaunen. Besonders das Ufer des Sturmtaler Sees besteche durch eine Vielzahl von Orchideen.
Bevor ein See freigegeben werde, müsse sichergestellt werden, dass die Wasserqualität einwandfrei sei. In manchen Fällen sei das von Natur aus gegeben, in anderen müsse mit Soda nachgeholfen werden, um das Wasser zu neutralisieren, erklärt Josefine Heinicke. Dass das gelingt, beweisen die vielen Tiere und Pflanzen, die sich in den renaturierten Braunkohlegebieten angesiedelt haben. In der warmen Jahreszeit grünt, quakt und zwitschert es am frischen Nass.
iwe/news.de