Sa., 26.05.12

Der Plastinator 19.03.2010 Jetzt bleibt nur noch Gott

Von Hagens (Foto)
Ob man auch Seelen plastinieren kann, wird Gunther von Hagens vielleicht merken, wenn er selbst dran ist. Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier

Es strebt der Mensch, solang er lebt. Das große Dilemma ereilt immer nur denjenigen, der schon alles erreicht hat. Gunther von Hagens ist mit den Menschen durch, jetzt seziert er Tiere. Aber auch für die Götter hat er schon eine Idee.

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Gunther von Hagens muss es gegangen sein wie Michael Schumacher. Wenn man alles gewonnen hat, wenn man Menschen bis auf ihre Nervenstränge bloßgelegt hat, was bleibt einem da noch? Nun ist Schumacher vermutlich simpler gestrickt als von Hagens und hat stumpf beschlossen: «Mach ich halt nochmal dasselbe.» Aber wer den Dingen auf den Grund geht, kann das nicht. Der braucht mehr. Nein: Höheres.

Doch selbst ein Gunther von Hagens plastiniert Gott, Allah & Co höchstens im Traum. Wenn es nicht tiefer geht und auch nicht höher, dann bleibt nur: größer. Nein: gewaltiger. «Es ist das gewaltigste Lebewesen, das je plastiniert wurde.» Sagt der Plastinator über Elefantenfrau Samba. Ganze 3,50 Meter hoch ist sie. Wer braucht Gott, wenn er Samba haben kann als höchste Gewalt?

Von Hagens ist 65, ein Alter, mit dem manche in Rente gehen. Künstler tun das selten, sie fühlen sich schließlich berufen zu ihrem beruflichen Tun. Doch was Lebensetappen anbetrifft, könnten die Tiere der vorletzte Schrei des großen Plastinators sein. «Körperwelten» begann vor 15 Jahren, wenn man Samba und ihren Freunden noch einmal die selbe Zeit gibt, um zu reifen und zu wirken, rückt der letzte Akt nahe.

Und darin mag es Gunther von Hagens zumindest posthum gelingen, dem Überirdischen in Plastik näher zu sein. Dass er sich häuten und sezieren lassen will, hat er schon angekündigt. Auch, dass sein Sohn ihn gern scheibchenweise in die Welt verteilen würde. Auf dass auch Buddha und der Sonnengott ein Stückchen der von Hagensschen Seele hüten dürfen.

ivb/news.de
Leserkommentare (4) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Longus
  • Kommentar 4
  • 23.03.2010 19:47
 

aha...hier grunzt der kleinbürger wieder. wieso ist das pietätlos ? ersten erkennt man niemanden wieder in dem zustand, und 2. ist das nur noch eine hülle ohne geist und leben die zu lebzeiten nur als vehikel diente. unter der erde sieht man natürlich nicht wenn das fleisch im sarge verrottet und von maden und würmern wimmelt.

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  • Felix Kroll
  • Kommentar 3
  • 20.03.2010 22:08
 

Ich gebe tomahawk Recht. Wenn die Menschen ins Jenseits gehen, sind sie bei Gott und haben Anteil an Ihm. Der Mensch selbst wird ueber seinen irdischen Peiniger richten. So oder so, das liegt bei ihm. Wenn das endlich von jedem verstanden wird, ist alles so einfach. Der Mensch ist ein Ebenbild Gottes, also gleicht Gott dem Menschen. Nur haben wir einen Koerper und an dem kann von Gunther von Hagen ruhig noch rummodelliert werden. Alles klar.

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  • Tantalus
  • Kommentar 2
  • 20.03.2010 16:43
 

Ich empfinde das Ausstellen von Verstorbenen als pietätlos. Es waren alle einmal Menschen, die gedacht und gefühlt haben. Die von Müttern geboren wurden, die ihre Kinder beschützt haben. Einen Menschen wie einen Gegenstand auszustellen, wenn es nicht ausdrücklich für medizinische Zwecke ist, bezeigt eine Verrohung, die widerwärtig ist.

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  • tomahawk
  • Kommentar 1
  • 20.03.2010 16:15
 

Der Kerl sieht ja schon lebend so aus, wie seine ausgestellten Leichen.

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