Sa., 26.05.12

Sexueller Missbrauch 18.03.2010 Kein Platz für dunkle Ecken

"Kneippen" im Kindergarten (Foto)
Jungs brauchen mehr Kindergärtner. Bild: ddp

Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier

Christine Klein beschäftigt sich jeden Tag mit sexuellem Missbrauch. Sie erforscht, wie wir ihn vermeiden können - und will die derzeitige Stimmung nutzen, um durch mehr Offenheit den Tätern keinen Raum zu lassen.

Ist jetzt der Moment gekommen, Verdrängtes ans Licht zu zerren? «Ja, klar, wer das erlebt hat, soll das tun», sagt Christine Klein. Für sie ist das Thema sexueller Missbrauch nicht erst an der Tagesordnung, seit die ersten Fälle im Berliner Jesuitenkolleg bekannt wurden. Klein hat bei der Forschungsstelle zur Prävention von sexueller Gewalt an Mädchen und Jungen täglich damit zu tun. Sie erforscht seit Jahren die Möglichkeiten, vorzubeugen, und berät bundesweit Institutionen und Einrichtungen zum Jugendschutz.

Dass nun ein Klima herrscht, in dem sich viele Menschen wieder an diese schrecklichen Momente ihrer Kindheit und Jugend erinnern, sieht sie als Chance für alle, die nicht zur Ruhe kommen, endlich darüber zu reden. Vor allem sei es aber eine Möglichkeit, generell Strukturen zu verändern. «Prävention muss überall ein Thema sein, wo Kinder und Jugendliche sind. Es muss Ansprechpartner geben.» Denn sexuellen Missbrauch gibt es, und jeder weiß inzwischen, dass sich Menschen mit pädophilen Neigungen Orte suchen, wo sie an Kinder herankommen können.

Nur durch Offenheit und Transparenz könne man dieser Tatsache begegnen, betont Klein. Jede Kita, jedes Heim müsse deutlich machen, «hier achten wir darauf». Schon bei Einstellungsgesprächen von Erziehern müsse klar werden, «wen hole ich mir ins Haus?» und in den Verträgen müssten entsprechende Klauseln stehen.

Ob es sinnvoll ist, eine Anzeigenpflicht wie in Großbritannien oder den USA einzuführen, ob das Prinzip Abschreckung funktioniert, da ist sich Christine Klein nicht sicher. Aber sie weiß von vielen Opfern, die das nicht wollen, die das Schreckliche nur unter dem Siegel der Verschwiegenheit überhaupt erzählt haben. In ihrem Projekt, das sich kurz Fenestra, Lateinisch für Fenster, nennt, zeigen sie Kindern auch Wege, Hilfe zu finden. Zum Beispiel durch Theaterspielen. «Das Wesentliche ist, dass der Missbrauch aufhört. Und die Kinder sind damit überfordert.»

Was Kinder nicht abschätzen könnten, sind die Folgen ihres Verrats. Was passiert, wenn ich erzähle, was Papa macht? Die Angst, ihre Familie zu zerschlagen, ist da, und sie ist begründet. «Kinder können nicht umreißen, was das bedeutet, deshalb sagen so viele nichts», erklärt Klein. Und dann ist da natürlich die Strategie der Täter, Druck auszuüben, ihnen zu suggerieren, dass sie selbst Schuld haben. Vor allem bei Jungs. «Sie sagen eher nichts als Mädchen, weil sie von Haus aus keine Opfer sind. Sie denken, sie hätten sich ja wehren können - oder fühlen sich gleich mitschuldig, weil sie aus körperlichen Gründen sexuell erregt sind.»

Der wesentliche Grundsatz sei immer, diesen Kindern zu glauben, erklärt sie. Das ändere natürlich nichts daran, dass in jedem Fall überprüft werden müsse, ob es sich wirklich so zugetragen hat. Schon um die Gefahr der Hexenjagd auszuschließen. In Punkto Vorverurteilung sind auch die Kindergärtner ein großes Thema - wenn es ums Poabputzen geht oder um die tröstende Umarmung. Dabei brauchen gerade die Jungs dringend männliche Identifikationsfiguren. «Wir sind sehr interessiert daran, dass Männer kommen, auch in den Grundschulen», betont Christine Klein. Die Verunsicherung könne man nur durch feste Grenzen in den Griff bekommen - um Sicherheit für beide Seiten zu schaffen.

sck/ivb/news.de
Leserkommentare (13) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Gruender
  • Kommentar 13
  • 03.05.2010 16:47
 

Ich schreib jetzt nur noch mal, weil ich durch die Medien, unseren sauberen Politikern, und unsere WeisWesten (Rechtspfleger), voll überzeugt worden bin. WENN ES SICH UM MIßBRAUCH HANDELT (welcher Art auch immer), SIND DIE TÄTER IN MÄNNLICHEN KREISEN ZU SUCHEN !!! Ausgenommen der "ZUM TEIL" oben schon angesprochenen Außnahme-Gruppen ! (Diese brauchen eine weise Weste für Ihren Status, und weiser als weis geht es nun mal nicht? Sonst würden wir sie ja nicht meht sehen . . . oder? Ich fasse zusammen: Bei den Männern finden wir die Täter (Die Männer der BESONDEREN KLASSE "oben" ausgeschlossen)cu

jetzt antwortenKommentar melden
  • hpklimbim
  • Kommentar 12
  • 20.03.2010 06:39
 Antwort auf Kommentar 10

Der Mensch behauptet immer, sich von den Primaten durch den höheren IQ zu unterscheiden. Wenn man aber das hier angesprochene Problem um den sexuellen Missbrauch von Kindern betrachtet und dessen Wahrnehmung und Handhabung durch die Gesellschaft, scheint durchaus die Frage angebracht, auf welcher Seite den die wahren Primaten zu finden sind.

jetzt antwortenKommentar melden
  • hpklimbim
  • Kommentar 11
  • 20.03.2010 06:31
 Antwort auf Kommentar 10

Die Veröffentlichung und Aufarbeitung solcher Probleme ist doppelt schwierig in einer Zeit, in der Frauen ganz bestimmte berufliche Bereiche zunehmend dominieren. So zum Beispiel das Rechtswesen. Da versteht sich dann auch, warum männliche Sexualstraftäter zunehmend härter bestraft werden bei bereits nur angeblicher Belästigung oder Mißhandlung von Frauen. Welcher männliche Richter, der auf die nächste Beförderung geilt (und auf manch anderes vielleicht auch), wird es riskieren, sich den Unmut seiner Kolleginnen zuzuziehen? Dann lieber unisono auch mit Rechtsbeugung und mit Wahrung von Tabus.

jetzt antwortenKommentar melden
  • Gruender
  • Kommentar 10
  • 19.03.2010 23:16
 

Danke fuer dieses ausgereifte Wort. Warscheinlich ist in dieser Nation, alles TABU wenn es um MIßBRAUCH geht. Darann kann ich meine Regierung erkennen. Ich schreib jetzt nichts mehr, in der neuen Bundesrepublik sind die Rollen fesst verteilt. Wie seid 2000 Jahren. Danke fuer die Einsamlkeit. Jetzt hab ich den Eindruck; Diese Perversen Politiker brauchen nur ein Thema zum ablenken von Ihrem eigenen Versagen. Der letzte Beitrag hat mich wenigstens wieder ruhig gestellt. Ein HOCH den Politikern 2010. WIR WERDEN SCHWEIGEN !!!

jetzt antwortenKommentar melden
  • hpklimbim
  • Kommentar 9
  • 19.03.2010 20:49
 Antwort auf Kommentar 8

Die erwähnte "Eigentümlichkeit" ist nicht natürlich, sobald durch sexuelle Handlungen wissentlich in das natürliche Schutzbedürfnis eines Menschen eingegriffen wird. Auch wenn der Betrachter das "Geben" des Mannes beim Sex als natürlich ansieht, muss immer voraus gesetzt werden, dass beide Seiten das auch tatsächlich wollen. In diesem Punkt unterscheide ich nicht zwischen Mann und Frau, auch wenn die späteren Folgen beim Mann im Normalfall nicht so gravierend sind wie bei einer Frau oder gar bei einem Kind. Und aus diesem Grund gibt es diese Form von Missbrauch auch. Sie ist nur tabu.

jetzt antwortenKommentar melden
  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 8
  • 19.03.2010 16:01
 Antwort auf Kommentar 7

Selbstverständlich gibt es keinen Missbrauch von Frauen gegenüber Männern und damit auch keinen einer Frau gegenüber einem Knaben. Dieser Missbrauchsverdacht ist schon wegen den Prägungen des männlichen Geschlechts ausgeschlossen. Der Mann gibt - die Frau gibt sich hin. Hingabe der Frau war jedoch niemals Hinnahme in Passivität, sondern wird im Sinne einer vorauseilenden Erwartungshaltung aktiv erst zur artgerechten sexuellen Disposition. Diese Eigentümlichkeit ist natürlich, da die Frau empfängt, was ihrer Bestimmung gemäß die Entwicklung der Menschheit förderte.

jetzt antwortenKommentar melden
  • Gruender
  • Kommentar 7
  • 19.03.2010 13:21
 Antwort auf Kommentar 4

Meine Frage wird wohl für immer ein Rätsel bleiben. "Gibt es einen Missbrauch von Kindern durch Frauen nicht ?????" Ich glaube, wenn ich damals, jemanden etwas davon gesagt hätte, währe es mir sehr schlecht ergangen. So sieht das (sogar jetzt noch) in der heutigen zu 100% aus. Aber vielleicht sind die meisten der Meinung, kleine jungs bis 11j finden das schön und sind Stolz darauf. Was aber auch sein kann, denn damals hat keiner den Mund aufgemacht. Ich hab mich auch darann gehalten, weil ich nicht als doof da stehen wollte. Ich denke mal dieses Thema ist out. So eine Frechheit aber auch,oder?

jetzt antwortenKommentar melden
  • Nikolaus Rosmanitz
  • Kommentar 6
  • 19.03.2010 11:20
 

Hallo ihr "Missbrauchverhüter", leider fiel mir kein anderes Wort ein.In meinem Berufsleben habe ich in anderer Weise"gelitten",weil ein Vorgesetzter einen Alkoholiker geschützt hat,und ihm per Arbeitsvertrag zugesichert hat,daß jede Anspielung auf seine "Schwäche" mit Abmahnungen auf dem Dienstwege geahndet werden.Der von mir geäußerte Satz: "Du warst ja noch im "Trockendock" als ich bereits vor einer staatlichen Prüfungskommission ein Examen als Ingenieur abgelegt hatte",brachte mich in diese Lage. Nachdem sowohl der Kollege als auch der Vorgesetzte nicht mehr am Leben sind,ist alles Unsinn.

jetzt antwortenKommentar melden
  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 5
  • 19.03.2010 10:08
 

Offensichtl. hat auch das Forum ni. verstanden, um was es geht, denn sonst wäre Pfeiffer, K 1, nicht verleitet, seine SBZ zu loben. Es geht um Machtstrukturen, die zum Übergriff auf Kinder durch Erwachsene genützt werden. Auf die Ideologie der Machtstruktur kommt es nicht an. Auch nicht um Nischen, wie die Expertin sagt, da teilweise die Struktur flächendeckend durch Verwerfliche durchsetzt ist. Wenn daher die Totalerotisierung zur Macht über Unschuldige selbst wird, dann ist es Zeit dieses Krebsgeschwür zu beseitigen. Radikal und umfassend, jedoch ohne politische Hysterie u. Vergeltungsdrang.

jetzt antwortenKommentar melden
  • Rapunzele
  • Kommentar 4
  • 18.03.2010 18:32
 

Lieber Herr Engel, Sie sagten richtig, dass das alles gar nicht so einfach ist. Auch Ihr Ansatz!! Ich wurde selber als 4-Jährige und später mehrfach missbraucht, bekomme das aber jetzt, nach bald 50 Jahren immernoch nicht ganz auf die Reihe: Zuerst hatte ich alles "vergessen" bis zum "burn-out" vor 10 Jahren, und jetzt weiß ich trotz hart erkämpfter langer Therapie (immernoch) auch immernoch nicht wer was wann konkret getan hat. Kinder "beamen sich weg"! Da ist dann nicht viel mit Aufklärung! Jede vierte Frau ist laut Statistik betroffen, und die Dunkelziffer ist enorm...(s.o. ...)

jetzt antwortenKommentar melden
  • Gruender
  • Kommentar 3
  • 18.03.2010 18:23
 Antwort auf Lester Maul

Hat die Welt schon bemerkt, daß nur immer Männer Täter sind? Ich mußte zu DDR immer in´s Ferienlager fahren (vom 8. bis meinem 12. Lebensjahr). Mein Vater wollte es so. Da hatten wir z.B. einemal eine Helferin, die kam jeden Abend zu uns Jungs, zum "Gute Nacht" sagen. Dabei hat sie auch gleich, nebenbei mal getestet bei wemm der kleine mann schon zuckt oder spritzt. Ich bin damals still liegen geblieben, weil ich mich vor den Anderen Jungs nicht blamieren wollte. In dem gleichen Ferienlager ist der Arzt verhaftet worden, weil er zwei oder drei Mädels behandelt hat. Kein Wort über Frauentäter!

jetzt antwortenKommentar melden
  • Matthias Engel
  • Kommentar 2
  • 18.03.2010 18:08
 

Also das ist doch wirklich Dumm, eine Gesellschaft neu deshalb zu gestalten zu müssen! Keinen Raum zulassen etc. alles Quatsch so dumm da herzu labern. Taten müsse, ja aber wie, das sind Grenzen die ein Mensch nie in der Natur je bewältigen kann oder wird! Hier gehört Schutz von dem Erwachsen Eltern um die Aufklärung Basis im Haus früh, wie möglich, Kinder müssen auf geklärt werden, dass man es nicht macht das der Onkel Tante oder Freunde wo hin fassen dürften, dass muss Kinder erklärt werden, damit es in Zukunft weniger Übergriffe solcher Abartikeitshandlungen eingedämmt werden damit können.

jetzt antwortenKommentar melden
  • Pfeiffer
  • Kommentar 1
  • 18.03.2010 18:07
 

in der "Scheiss DDR" wurden oft polizeiliche Führungszeugnisse verlangt. Man fühlte sich da zwar nicht so gut, aberso schlecht war das gar nicht. Wer weis was dadurch alles verhindert wurde.

jetzt antwortenKommentar melden
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Kommentar  
Ihr Name
Ihre Emailadresse
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.
'6Ld52csSAAAAAKTxfdwmi0Ay4Tjghi64k3PAcWrj'

Sexueller Missbrauch: Kein Platz für dunkle Ecken » Gesellschaft » Nachrichten

URL : http://www.news.de/gesellschaft/855048853/kein-platz-fuer-dunkle-ecken/1/

Schlagworte:

Aber , Abschreckung , Angst , Ans , Bedeutet , Beispiel , Berliner , Betont , Chance , Christine Berger , Christine Brinker , Christine Esch , Christine Hemming , Christine Lüders , Christine Lund , Christine McHale , Christine Neubauers , Christine Nöstlinger , Christine Schäfer , Christine Scherer , Christine Schöpf , Christine Wenzel , Druck , Dunkle , Einrichtungen , Erforscht , Erklärt , Erzählt , Erziehern , Fälle , Familie , Farah Großbritannien , Fenster , Folgen , Forschungsstelle , Fühlen , Funktioniert , Gefahr , Gewalt , Grenzen , Griff , Großbritannien , Großes , Gründen , Grundsatz , Grundschulen , Haus , Heim Platz , Hexenjagd , Hilfe , Hobby Grenzen , Identifikation , Idowu Großbritannien , Inke Ruhe , Institutionen , Isabelle Carré , Isabelle Fuhrman , Isabelle Prévost-Desprez , Isabelle Wiedemeier , Isabelle Wolf , Italienisch , Jahren , Jugend , Jugendliche , Jugendschutz , Jungen , Jungs , Kinder , Kindern , Kindheit , Kita , Klauseln , Klima , Lucas Licht , Lulu Mädchen , Mädchen , Männer , Männliche , Menschen , Missbrauch , Möglichkeit , Möglichkeiten , Momente , Müsse , Neigungen , Offenheit , Opfer , Opfern , Orte , Pages , Papa , Prävention , Projekt , Raum Athen , Raum Cleveland , Raum Danzig , Raum Halle , Raum LEL , Raum San , Raum Sicherheit , Raum Strategien , Raum Vechta , Raum Zugesagt , Ruhe , Såheim , Schreckliche , Schrecklichen , Schuld , Sicherheit , Siegel , Strategie , Strukturen , Tagesordnung , Täter , Tatsache , Theaterspielen , Thema , Transparenz , Umarmung , USA Großbritannien , USA Platz , Verändern , Verschwiegenheit , Verträgen , Verunsicherung , Vorverurteilung , Wege , Wesentliche , Zerren ,
Wir empfehlen
Anzeige
Facebook
Twitterbox
Follow Us!
Anzeige