Sa., 26.05.12

Früher Spracherwerb 17.03.2010 «Speak English, mein Kind»

News.de-Redakteurin Mandy Hannemann (Foto)
News.de-Redakteurin Mandy Hannemann Bild: news.de

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann

Wer nicht fließend Englisch spricht, dem stehen nicht alle Zukunftschancen offen. Deshalb lernen immer mehr Kinder immer früher die Weltsprache. Eine Notwendigkeit. Aber eine, bei der Eltern oft übertreiben.

Die Angst, dem eigenen Kind nicht alles Rüstzeug an die Hand gegeben zu haben, das sie im späteren Leben einmal brauchen, ist durchaus verständlich. Zudem ist längst bewiesen, dass Kinder leichter und schneller lernen als Erwachsene.

Andererseits nimmt dieses Anliegen oft Züge von Stellvertretersyndromen an. Was Mutti oder Papi selbst nicht können, muss das Kind unbedingt und ohne Makel beherrschen. Da wird aus dem ersten Hören der englischen Sprache dann gleich ein ganzer Englischkurs für Steppkes ab vier Jahren.

Klar trainiert die Regelmäßigkeit. Aber hat ein Kind nicht einfach auch ein Recht darauf, ein Kind zu sein? Zum Englischkurs gehen zu müssen, während die Gleichaltrigen spielen dürfen, motiviert nicht. Dann wird aus dem, was Spaß machen könnte, ein Zwang, der mit Widerwillen absolviert wird.

Bei aller Liebe und Vorbereitung auf die Zukunft vergessen Eltern ganz gern mal, dass Spielen eben nicht nur Spaß, sondern auch Lernen ist. Mit anderen Kindern spielen heißt, den Umgang mit ihnen lernen, mit ihnen Kommunikationsstrukturen zu entwickeln. Jeder Handgriff beim Spielen ist Lernen, weil der Griff die Motorik schult und das Wissen, wie man Gegenstände ähnlicher Formen anpacken kann. Alles was Kinder beobachten, merken sie sich und verknüpfen dies mit anderen Erfahrungen.

Das allein ist schon Hochleistungsarbeit. Gerade für ein Kind, für den jeder Eindruck - im Gegensatz zu Erwachsenen - ganz neu ist. Eine Sprache erzwungenermaßen lernen zu müssen, kann das negativ beeinflussen.

Also auf frühes Englisch verzichten? Keineswegs. Das wäre in der Multikulturalität, die unsere Gesellschaft sich selbst auf die Fahnen schreibt, der falsche Schritt. Zumal Kinder heutzutage schon im Kindergarten - insbesondere in Ballungsräumen - mit Sprachenvielfalt regelrecht bombardiert werden.

Fremdsprachen lernen ist wichtig - Englisch zu beherrschen noch mehr. Doch nicht allein um der Sprache willen. Eine Sprache zu lernen, heißt auch über sich selbst hinauswachsen, die Grenzen der eigenen Lebenswelt zu sprengen, früh ein kulturell übergreifendes Selbstvertrauen zu entwickeln und Ängste gar nicht erst aufkommen zu lassen, die oft aus Missverstehen oder Gar-Nicht-Verstehen erwachsen.

Deshalb sollten Kinder Englisch lernen. Aber bitte freiwillig.

cvd/ivb/news.de
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Franz Josef Neffe
  • Kommentar 1
  • 21.03.2010 16:09
 

Ja, wer nicht fließend Bairisch sprícht, denm stehen wirklich nicht alle Zukunftchancen offen. Und da wir Bayern das wissen, wissen wir auch wie stark wir sind. Und wir lernen ja auch einige halb so wichtige Fremdsprachen schon in der Kindheit dazu, zum Beispiel Hochdeutsch und Norddeutsch. Und dann fällt uns Englisch ganz leicht und wir können zuvor unsere Kindheit noch genießen. Dies bestätigt als bayer. Ich-kann-Schule-Lehrer Franz Josef Neffe

jetzt antwortenKommentar melden
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Kommentar  
Ihr Name
Ihre Emailadresse
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.
'6Ld52csSAAAAAKTxfdwmi0Ay4Tjghi64k3PAcWrj'
Wir empfehlen
Anzeige
Facebook
Twitterbox
Follow Us!
Anzeige